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Marko über Red Bull-Erfolgsgeheimnis

"Wir machen weniger Fehler als die anderen"

Sebastian Vettel - Red Bull - Formel 1 - GP Japan 2013 Foto: xpb 61 Bilder

Für viele ist der Red Bull RB9 einfach das beste Auto im Feld. Nicht für Red Bull-Berater Helmut Marko. Der Österreicher glaubt, dass der Red Bull gar nicht so überlegen ist, wie es den Anschein hat. Die Erfolgs-Truppe gewinne nur immer, weil sie weniger Fehler macht als die Konkurrenz.

23.10.2013 Michael Schmidt

Seit der Sommerpause gewinnt immer nur Sebastian Vettel. Und Red Bull. Die Analysten sind mit der Ursachenforschung schnell bei der Hand. Der Red Bull RB9 ist das überlegene Auto im Feld. Auf manchen Strecken sogar haushoch überlegen. Doch fehlen Lotus und Mercedes derzeit wirklich eine halbe Sekunde pro Runde auf den Marktführer und Ferrari eine ganze? Begründet sich Vettels Siegesserie ausschließlich auf der Tatsache, dass er im besten Auto sitzt?

Helmut Marko will nicht abstreiten, dass der RB9 der Konkurrenz das ein oder andere Zehntel voraus hat. Doch das ist nach Ansicht des Doktors nur ein Teil des Erfolgsgeheimnisses: "Unsere Gegner lassen die Konstanz vermissen. Mal ist Mercedes stark, mal Ferrari, mal Lotus. Würden sie immer auf einem Niveau fahren, wären wir auch nicht so überlegen. Unser Auto ist gar nicht so außerirdisch. Wir haben nur unsere Schwächen abgestellt. Es gibt keine falschen Setups mehr, keine schlechte Strategie, keine Pannen beim Boxenstopp."

Die meisten Red Bull-Pannen bei Webber

Tatsächlich lassen sich bei Red Bull in diesem Jahr nur wenig Fehler erkennen. Wenn überhaupt, haben sich die Pannen auf Mark Webber konzentriert. In Shanghai wird ihm zuerst im Training zu wenig Benzin eingefüllt, dann verliert er im Rennen ein Rad. In Montreal fährt ihm Giedo van der Garde ins Auto.

Am Nürburgring wird beim Boxenstopp ein Rad nicht richtig arretiert. Getriebeärger in Budapest und Monza. Eine defekte Kupplung in Spa, Kein KERS im Rennen von Australien und im Training von Ungarn. Der Motorschaden in Singapur. Ein platter Reifen und ein unverschuldeter Crash mit Adrian Sutil in Korea.

Sebastian Vettel kam bis auf den Getriebeschaden in Silverstone und das KERS-Problem in Suzuka praktisch ungeschoren davon. Seine Boxenstopps funktionierten immer, und die Strategie war mit Ausnahme des GP China und GP Spanien perfekt. Im Vergleich zur Konkurrenz sind das Lappalien.

Abstimmungsfehler an einem Tag korrigiert

Mit der Abstimmung des Autos lag Red Bull ausnahmslos im grünen Bereich. Wenn die Ingenieure am Freitag mal daneben lagen, dann hatten sie spätestens am Samstagmorgen zum dritten Training den Fehler gefunden. "Das ist unsere neue Qualität", lobt Marko. "Früher haben wir ganze Wochenenden mit falschen Setups weggeworfen. Jetzt brauchen wir ein Training, und können das Ding umdrehen, wenn es mal nicht passt."

Das gleiche gilt auch für das große Bild. Als Red Bull zu Saisonbeginn Schwierigkeiten mit der Haltbarkeit der Reifen bekam, tat Adrian Newey das einzig Richtige. Er stellte die Weiterentwicklung ein und trimmte das Auto so, dass es mit den Reifen besser Haus hielt. Dass dabei Rundenzeit verloren ging, war einkalkuliert. Parallel dazu betrieb Red Bull erfolgreich Lobbyarbeit gegen die Reifen.

Ferrari mit falschem Konzept

Ferrari, Mercedes und Lotus haben sich oft selbst ein Bein gestellt. Dabei ist Ferrari ein Spezialfall. Statt vieler kleiner Einzelfehler gab es den einen, entscheidenden. Die Ingenieure hatten mit dem F138 auf das falsche Konzept gesetzt. Eines, das sich nicht mehr weiterentwickeln lässt.

Ansonsten steht Ferrari mit einer reinen Weste da. Es gab keinen einzigen Defekt. Die Strategie passte meistens, und im Durchschnitt der Boxenstopp-Zeiten steht man Red Bull um nichts nach. Vielleicht hätte Ferrari im Streit um die Pirelli-Reifen politisch mehr aktiv werden und die eigenen Interessen stärker vertreten sollen, doch nach den Reifenplatzern von Silverstone gingen den Roten die Argumente aus.

Lotus vergeigte zu viele gute Platzierungen im Training. Malaysia, Monaco, Kanada, Italien, Singapur, Korea, Japan: Kimi Räikkönen stellte sich hinterher jedes Mal die Frage, wo er gelandet wäre, hätte er sich weiter vorne qualifiziert. Die Entscheidung, das Auto auf den langen Radstand umzurüsten, hätte früher erfolgen müssen. Die Reifenwechsel sind im Schnitt eine Sekunde langsamer als bei Red Bull und Ferrari.

Zu viele Pannen bei Mercedes

Bei Mercedes gingen zu viele Dinge schief, als dass man es mit Red Bull hätte aufnehmen können. Nico Rosberg schrieb drei Nuller wegen technischer Probleme. Die Elektrik in Australien, die Aufhängung in China, der Motor in Ungarn. Dazu die abgefallene Nase in Korea, die Boxenstopp-Panne in Japan.

Strategiefehler vereitelten in Montreal, am Nürburgring und in Singapur bessere Platzierungen. Probleme im Training kosteten Mercedes in Deutschland und Italien bessere Startplätze. Beim GP Belgien stimmte das Setup im Rennen nicht, weil die Reifen fehlerhaft vorgeheizt wurden, was zu niedrigem Luftdruck und zu geringer Bodenfreiheit der Autos führte.

Lewis Hamilton kostete ein Reifenplatzer in Silverstone den Sieg, ein schleichender Plattfuß in Monza in Verbindung mit Funkausfall eine bessere Platzierung. In Barcelona, am Nürburgring und in Korea machte sich der Engländer durch zu ungestüme Fahrweise die Reifen kaputt.

Red Bull holt doppelt so viele Punkte wie Mercedes

In der zweiten Saisonhälfte häuften sich die Fehler der Red Bull-Verfolger. Die Punkteausbeute seit dem GP Belgien zeigt es ziemlich deutlich. Red Bull hat in den fünf Rennen 168 Punkte gesammelt, Ferrari 103, Lotus 81 und Mercedes nur 79. Was wahrscheinlich auch mit dem Frust zu tun hat, wieder von Red Bull geschlagen zu werden. Und mit erhöhtem Risiko, um ihnen doch mal ein Bein zu stellen.

Wenn man dann die Titelverteidiger mal am Rande einer Niederlage hat, kontern die mit einer Doppel-Strategie. Die natürlich funktioniert. Red Bull setzte beim GP Japan Mark Webber als Hasen für Romain Grosjean ein, um prompt folgte Lotus dem falschen Red Bull-Fahrer. So wurde der Weg frei für Vettels fünften Sieg in Folge.

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