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Martin Brundle exklusiv

Schumachers größtes Problem ist Rosberg

David Coulthard Foto: Daniel Reinhard 18 Bilder

Martin Brundle steigt bei der BBC vom Experten zum Hauptkommentator auf. Was das für Michael Schumachers Ex-Kollegen bedeutet, wie er die neue Formel 1-Saison sieht und wann er wieder ins Rennauto steigt, erzählt Brundle im Interview mit auto-motor-und-sport.de

25.01.2011 Michael Schmidt

Haben sie sich auf Ihren neuen TV-Job gut vorbereitet?
Brundle: Ich habe mich intensiv auf das vorbereitet, was mich da erwartet. Mein Experte David Coulthard und ich haben eine Art Trockentraining gemacht und den GP Australien vom letzten Jahr noch einmal kommentiert um zu schauen, wie wir miteinander kommunizieren werden. Mit der Szene war ich kaum in Kontakt. In der heutigen Zeit tauchen die Fahrer nach dem Saisonfinale zwei Monate lang unter. Ich habe auf der Autosport-Show, der bekanntesten Motorsportmesse überhaupt, nicht einen Rennfahrer gesehen. Die Hauptdarsteller waren der BBC-Moderator Jake Humphrey und ich. Erst letzte Woche habe ich Jenson Button bei einer Feier getroffen. Er kam gerade aus Hawaii zurück. Was sollen die Fahrer im Winter auch tun? Es gibt ja keine Testfahrten mehr.

Wie kam es dazu, dass Sie zum Hauptkommentator der BBC aufgestiegen sind?
Brundle: Offenbar hat den Zuschauern gefallen, was ich erzählt habe. Da hat der Sender gefragt, ob ich nicht gleich den Hauptkommentator machen wolle. Ich habe mir gedacht: Du machst jetzt 14 Jahre TV, das wäre eine neue Herausforderung. Irgendwie war es schon frustrierend, nur der Experte zu sein. Da habe ich eine Qualifikationsrunde von Lewis Hamilton aus Sicht der Bordkamera kommentiert, das Fazit aber hat ein anderer gesprochen. David Coulthard wird der neue Experte sein und an meine Stelle treten. Wir sind ein eingespieltes Team. Ich werde mehr das kommentieren, was man auf dem Bildschirm sieht. Das sind ja nicht nur die Rennbilder, sondern auch viele Grafiken, die erklärt werden müssen. Zusammen sind wir in punkto Erfahrung ein unschlagbares Team. Wir sind beide in Summe über 400 Grand Prix selbst gefahren und waren bei über 700 Grand Prix im Fahrerlager dabei.

Müssen Sie ab sofort auf Laienniveau sprechen, damit noch etwas für den Experten übrigbleibt?
Brundle: Ich werde David keine Fragen stellen, die ich selbst beantworten könnte. Das würden die Zuschauer mir nicht abnehmen. Die BBC-Zuschauer haben mich ja als Experten kennengelernt. Ich stelle mir die Berichterstattung mehr wie ein Streitgespräch vor. Schon letztes Jahr waren David und ich nicht immer einer Meinung. Zum Beispiel bei dem Startcrash 2010 in Melbourne zwischen Schumacher, Alonso und Button. Ich glaube, die Zuschauer mögen dass, weil sie sich dann an zwei Meinungen reiben können.

Müssen Sie Emotionen üben oder bleibt Ihr Kommentar sachlich?
Brundle: Ich mag es nicht, wenn die Sportberichterstattung laut wird. Extreme Gefühlsausbrüche sind nicht meine Art. Der Sport sollte der Star sein, nicht der Kommentator. Ich erzähle nur eine Geschichte zu dem, was der Zuschauer am TV-Schirm sieht.

Hat die Umbesetzung große Wellen geschlagen?
Brundle: Ja, unglaublich. Ich bin jetzt auch auf Twitter (MBrundleF1, Anm. d. Redaktion) präsent. Innerhalb einer Woche waren schon 30.000 Leute auf der Seite. Da sieht man einmal, was für ein mächtiges Werkzeug diese neuen Medien sein können. In diesem Umfeld beneide ich meine Kollegen von den Tageszeitungen wirklich nicht.

Kommen wir zur Saison 2011: Wird Vettel der Mann sein, den man schlagen muss?
Brundle: Er wird sich eine große Rolle spielen. Aber unterschätzt Mark Webber nicht. Mark ist immer dann am stärksten, wenn alle Vorzeichen gegen ihn sprechen. Wie letztes Jahr in Silverstone nach der Flügelaffäre. Mark scheint diesen Kick zu brauchen, dass die ganze Welt sich gegen ihn verschworen hat.

Kann Michael Schumacher seine Form steigern?
Brundle: Er kann es besser als das, was er 2010 gezeigt hat. Sein Fehler war es, dass er zu Saisonbeginn gesagt hat, dass er um den WM-Titel fahren wird. Das hat die Messlatte unnötig hochgelegt. Die letzten Rennen 2010 haben gezeigt, dass man ihn nicht unterschätzen darf. Alonso tut es offenbar auch nicht. Der sagt nicht ohne Grund, dass man auf Michael aufpassen muss. Michaels größtes Problem wird aber Rosberg. Die Leute unterschätzen Nico. Viele haben geglaubt, dass seine Stärke in der Qualifikation liegt. Aber letztes Jahr hat Nico gezeigt, dass er im Rennen fast noch stärker ist. Wenn sie mich jetzt fragen, ob ich glaube, dass Michael Schumacher noch einmal Weltmeister werden kann, dann muss ich ganz klar sagen: Nein, das glaube ich nicht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er mit Leuten wie Alonso oder Vettel noch einmal Rad an Rad um den Titel kämpfen wird.

Was machen Ihre eigenen Rennaktivitäten?
Brundle: Ich fahre am kommenden Wochenende zusammen mit Mark Blundell in einem Riley Ford die 24 Stunden von Daytona. Gewinnen werden wir wohl nicht. Die Konkurrenzautos sind mit Dario Frachitti, Juan Pablo Montoya und Scott Dixon zu stark besetzt. Wir haben noch zwei Fahrer an Bord, die in dieser Klasse nicht mithalten können.

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