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Teamchef Martin Whitmarsh erklärt

Das Geheimnis der Harmonie bei McLaren

Jenson Button und Lewis Hamilton Foto: xpb 73 Bilder

McLaren-Mercedes führte vor dem GP Europa beide Weltmeisterschaften an. Überraschenderweise hält die Allianz der englischen Weltmeister. Teamchef Martin Whitmarsh erklärt das Geheimnis, warum Lewis Hamilton und Jenson Button so gut harmonieren.

27.06.2010 Michael Schmidt

Wer hätte das vor Saisonbeginn gedacht. Die McLaren-Fahrer Lewis Hamilton und Jenson Button führen nach acht Rennen die Weltmeisterschaft an. Statt Krach herrscht Harmonie im Team von McLaren-Mercedes, dabei sind die beiden Champions so verschieden wie Ayrton Senna und Alain Prost. Und da kam es bekanntlich vor 21 Jahren zum großen Eklat.

Wenn wir schon beim Rückblick in die Vergangenheit sind, dann fallen einem gewisse Gemeinsamkeiten zur Gegenwart ein. Hamilton ist der Senna-Typ. Immer auf Angriff, immer am Limit, immer die Ellbogen ausgestreckt. Button erinnert an Alain Prost. Ein Taktiker mit rundem Fahrstil, einer der ein Rennen lesen kann wie andere ein Buch.

Button-Verpflichtung sorgte für Aufregung

Teamchef Martin Whitmarsh wusste, welche Aufgabe er sich im letzten Dezember gestellt hatte, als McLaren seine englische Nationalmannschaft bekannt gab. "In England war die Erwartungshaltung, dass Hamilton Button an die Wand fahren wird. Und keiner konnte sich vorstellen, dass es die beiden lange zusammen aushalten würden." Besonders die britische Tagespresse witterte Skandale und Zoff im Team der Perfektionisten. Sie wurden enttäuscht.

Bis jetzt blieb es erstaunlich ruhig. Wenn man Hamilton und Button im Fahrerlager so sieht, dann beginnt man zu glauben, dass die Harmonie nicht gespielt ist. Die beiden stecken öfter zusammen als Vettel und Webber, Alonso und Massa oder Schumacher und Rosberg. "Es ist viel gegenseitiger Respekt, Offenheit und Ehrlichkeit vorhanden", beschreibt Whitmarsh die Grundparameter einer bislang problemfreien Beziehung.

Buttons Charme kommt an bei McLaren

Den großen Verdienst, dass sich beide Superstars vertragen, schreibt Whitmarsh dem Neuzugang Button zu. "Lewis ist bei uns aufgewachsen. Das Team kennt ihn seit zwölf Jahren. Als Jenson zu uns kam, trat er unheimlich bescheiden auf. Er hat mit seinem Charme das Team für sich gewonnen, und das hat auch Lewis registriert." Button bietet seinem fünf Jahre jüngeren Kollegen keinerlei Angriffsflächen. Er kann mit einer Niederlage leben, auch wenn es ihn insgeheim ärgert, wenn der andere schneller ist.

"Man muss nur nach jeder Trainingssitzung in die Gesichter der beiden schauen, und du weißt sofort, wer langsamer war", amüsiert sich Whitmarsh. Ehrgeiz hätten beide, Hamilton wahrscheinlich mehr als Button, dessen Siegeswillen man aber nicht unterschätzen dürfe: "Jenson will diese Weltmeisterschaft unbedingt gewinnen. Aber er trägt diesen Willen nicht offensiv nach draußen." Da machen sich fünf Jahre mehr Lebensweisheit bezahlt. "Jenson ist sehr selbstbewusst. Er weiß, wie gut er ist."

Hamilton überrascht von Buttons Speed

Für Hamilton stand laut Whitmarsh vor Saisonbeginn fest: Diesen Button putze ich weg. Als dann der Titelverteidiger in Melbourne und Shanghai zwei Rennen gewann, da war die Verwirrung auf der anderen Seite groß. Hamilton merkte plötzlich, dass auch noch andere schnell Autofahren können. Was nach Meinung von Whitmarsh positive Auswirkungen für Hamilton mit sich brachte. "Lewis hat verstanden, dass er sich von Jenson abschauen kann, wie man im Rennen den Überblick behält. Mit welchen Informationen man die Ingenieure während der Fahrt füttert."

Auch Button profitiert von dem internen Zweikampf. "Es gibt keinen besseren Überholer in der Formel 1 als Lewis", sagt Whitmarsh. "Keiner hat soviel Gefühl dafür, was mit seinem Auto und den Autos drumherum passiert."

McLaren-Friede immer in Gefahr

Whitmarsh weiß, dass der Friede trügerisch sein kann. Er balanciert auf einem schmalen Grat mit seinen zwei Top-Fahrern aus England. Deshalb will McLaren auch in Zukunft auf Stallregie verzichten. Erstens, weil es der Philosophie des Hauses entspricht. Zweitens, weil das zu Verwerfungen unter den Fahrern führen könnte. "Wir können unmöglich Lewis oder Jenson sagen, dass sie zurückstecken müssen. Stallregie würde nur Unruhe schaffen."

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