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Massa gegen Alonso

Warum war Massa zum Schluss schneller als Alonso?

Massa & Alonso - Ferrari - Formel 1 - Budapest - GP Ungarn - 26. Juli 2012 Foto: xpb 25 Bilder

Nach den ersten fünf Grand Prix hätte kein Mensch mehr auf die Fortsetzung der Formel 1-Karriere von Felipe Massa gewettet. Ab dem GP Monaco ging es bergauf. Nach dem GP Korea wurde die Vertragsverlängerung bekanntgegeben. Und jetzt sitzt der Brasilianer wieder fest im Ferrari-Sattel. Weil er am Saisonende schneller war als Fernando Alonso.

07.12.2012 Michael Schmidt

Die Bilanz von Felipe Massa nach fünf Grand Prix las sich niederschmetternd. Fünf Rennen, zwei Punkte. Und das in einem Ferrari. Fernando Alonso hatte da bereits 61 Zähler, einen Sieg und einen zweiten Platz auf dem Konto. Im Fahrerlager drehten sich die Gespräche nur noch um die Frage: Wer ersetzt Massa und wann? Der erste Lichtblick stellte sich mit dem GP Monaco ein. Zum ersten Mal in dieser Saison hatte sich Massa einstellig qualifiziert, zum ersten Mal den Sprung ins Q3 geschafft. Im Rennen wurde Ferraris Nummer zwei Sechster. Mit Blickkontakt zur Spitze und zu Alonso.

Verwandelt aus der Sommerpause

Bis zur Sommerpause folgte eine Serie von Höhen und Tiefen. Nach dem Dreher in Montreal senkte sich der Daumen wieder nach unten. In Silverstone erzielte er mit Platz vier sein bis dahin bestes Saisonresultat. Beim GP Deutschland wurde er früh in eine Kollision verwickelt und blieb punktelos. Auch der neunte Rang in Budapest konnte nicht restlos überzeugen. Zur Sommerpause stand es 164:25 nach Punkten und 11:0 nach Trainingsduellen für Alonso. Der Spanier war im Schnitt auf einer Trainingsrunde um sechs Zehntel schneller.

Nach der Sommerpause präsentierte sich ein anderer Massa. In Monza, Austin und Interlagos war der Brasilianer schneller als der Chefpilot des Hauses. Der durchschnittliche Abstand der beiden Ferrari-Piloten schrumpfte auf knapp zwei Zehntel. Das Punkteduell ging mit 114:97 deutlich knapper zugunsten von Alonso auf. Massa punktete immer, und er stand nach zwei Jahren Pause auch wieder zwei Mal auf dem Podest. Alonso war zwei Mal unschuldig in Startkollisionen verwickelt. Das verfälscht die Bilanz ebenso wie die Tatsache, dass sich Massa in Singapur in der ersten Runde unverschuldet einen Plattfuß einhandelte, dass er in Indien 40 Runden lang mit Blick auf den Spritverbrauch fahren musste, und dass er in Abu Dhabi von Mark Webber abgeräumt wurde. Vor allem aber, dass sich Massa bedingungslos in den Dienst des Teamkapitäns stellen musste. Zumindest in Yeongam, Austin und Interlagos hat das Punkte gekostet. Das brachte dem Vize-Weltmeister von 2008 die dritte Vertragsverlängerung seiner Amtszeit bei Ferrari ein. Vorläufig bis 2014.

Verbesserter Ferrari kommt Massa entgegen

Spätestens ab dem GP Japan fuhr Massa auf Augenhöhe mit Alonso. In Korea, USA und Brasilien war er definitiv schneller. Da stellt sich die Frage: Hat Massa vorher geschlafen oder ging Alonso am Schluss die Puste aus? Weder das eine, noch das andere ist der Fall. Zu Saisonbeginn war der Ferrari extrem schwierig zu fahren. Die Aerodynamik funktionierte nur in einem minimalen Fenster. Bodenfreiheit und Federwege waren praktisch vorgegeben. Massa konnte das Auto nicht so abstimmen, wie er es für seinen Fahrstil braucht. "Vorne zu hart, hinten zu weich, mit einer kopflastigen Aero-Balance. So  kann nur Fernando schnell fahren." Als die Ingenieure die Aerodynamik zähmten, kam Massa besser in Schuss. Die Reifen waren seiner Aussagen nach nie ein Problem. "Nur das Auto. Wenn du damit nicht zurechtkommst, hast du auch ein Problem mit den Reifen." Ab dem zweiten großen Technikrundumschlag beim GP Kanada war der Ferrari ein passables Rennauto. Ab dann begann das Feintuning. Doch spätestens ab dem GP Japan stand der Ferrari an. Der F2012 war am Ende seiner Möglichkeiten angelangt. Er sträubte sich gegen jede Verbesserung. Und das unterschied ihn von den wirklich guten Rennautos wie den Red Bull RB8 oder den McLaren MP4-27. Alles was Ferrari zum Schluss brachte, war entweder ein Rückschritt, oder es machte das Auto komfortabler zu fahren. Aber nicht schneller. Gut für Massa, schlecht für Alonso.

Alonso überfährt Ferrari

Komfortabel und schnell schließen sich nicht unbedingt aus, doch diese Kombination bringt man ganz selten hin. Richtig gute Rennautos sind im Grenzbereich meistens etwas heikel zu fahren. Wer es kann, ist schnell damit. Alonso, Vettel, Hamilton und Räikkönen können das. Button, Webber und Massa brauchen das perfekte Rennauto, um konstant schnell zu fahren. Alonso hat in den letzten Rennen den Ferrari eindeutig überfahren. Er war so fixiert auf diesen Titel, dass er das Unmöglich möglich machen wollte. Das mit dem Kopf durch die Wand funktionierte nicht.

Ein kleiner Zeitvergleich unterstützt diese These. Massa fehlte in Interlagos 0,529 Sekunden auf Hamiltons Pole Position. Macht pro Kilometer 0,123 Sekunden Rückstand. Bei Alonso betrug der Rückstand 0,795 Sekunden, also 0,184 Sekunden pro Kilometer. Beim GP Ungarn, einer ähnlich langen Strecke verlor Alonsos auf die Pole Position von Lewis Hamilton 0,891 Sekunden. Macht 0,203 Sekunden auf den Kilometer. Massa lag am Hungaroring 0,947 Sekunden hinter Hamilton, gerechnet auf den Kilometer 0,216 Sekunden. Da man davon ausgehen kann, dass der Ferrari in der zweiten Saisonhälfte auf den McLaren keinen Boden gut gemacht hat, muss sich Massa gegenüber Alonso enorm gesteigert haben. Um 0,084 Sekunden pro Kilometer. Bei einer vier Kilometer langen Strecke sind das immerhin drei Zehntel. Genau das war die Zeitdifferenz der Ferrari-Piloten am Saisonende. Zugunsten von Massa.

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