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Massa warnt vor Überreaktionen

"Brauchen intelligente Verbesserung"

Felipe Massa - GP Kanada 2015 Foto: xpb 34 Bilder

Die Formel 1-Autos sollen im Jahr 2017 um fünf Sekunden schneller werden. Doch was sich wie die Tankstopps auf den ersten Blick gut anhört, birgt auch Gefahren. Nämlich die, dass dann weniger überholt wird. Felipe Massa fordert deshalb: "Wir brauchen intelligente Lösungen."

18.06.2015 Michael Schmidt

Zur Zeit schwirren alle möglichen Lösungsvorschläge für eine bessere Formel 1 durch das Fahrerlager. Breitere Autos, breitere Reifen, mehr Abtrieb, weniger Gewicht, eine Rückkehr zu Tankstopps. Hört sich alles logisch an. Ist aber mit Risiken behaftet. Weil alles, was auf den ersten Blick positive Konsequenzen verspricht, auch böse Nebenwirkungen haben kann.

Felipe Massa warnt davor, sich von Autos die um fünf Sekunden schneller sind, allzu viel zu versprechen. "Für uns Fahrer wäre es toll. Doch das Ergebnis wäre, dass weniger überholt wird. Weil du mit mehr Abtrieb auch mehr Probleme hast, anderen Autos zu folgen, und weil die Bremswege kürzer sind. Alles, was wir jetzt an der Formel 1 ändern, muss gut überrlegt sein. Wir brauchen intelligente Verbesserungen."

Formel 1-Vergangenheit nicht glorifizieren

Massa erinnert an das Jahr 2004. Damals wurden die schnellsten Rundenzeiten der GP-Geschichte erzielt. Aber es wurde kaum noch überholt. Und Ferrari war so dominant wie es heute Mercedes ist. Trotzdem sagen viele Fans, dass der Sport damals viel besser war. Doch war er es wirklich. Felipe Massa ist in dieser Zeit gefahren, und er sagt nein. Und er geht noch weiter zurück. In die Zeit, als er noch Kind war und die Rennen seiner Landsleute Ayrton Senna und Nelson Piquet am TV-Schirm verfolgt hat.

Massa warnt davor, die Vergangenheit zu glorifizieren. "Ich kann mich an eine Saison erinnern, da sind Senna und Prost der Konkurrenz um mehr als eine Sekunde pro Runde davongefahren. Im Rennen haben sie manchmal sogar den Dritten überrundet. Wir blicken verklärt zurück und sagen, dass es die beste Formel 1 aller Zeiten war. Dabei waren die Rennen damals oft viel schlechter als heute."

Seine Meinung zu Tankstopps hat Massa inzwischen revidiert. Als zum ersten Mal über eine Rückkehr der Tankstopps gesprochen wurde, da war der Williams-Pilot Feuer und Flamme. Inzwischen hat er sich überzeugen lassen, dass Nachtanken auch weniger Überholmanöver bedeutet. Sie machen die Rennen zwar schneller, doch wer merkt das schon. "Am Fernseher kann keiner erkennen, ob die Autos langsamer oder schneller sind als früher. Hätte es 2008 keine Tankstopps gegeben, wären die Rennen nicht schneller gewesen als heute. Das heißt, dass der Speed der Autos im Rennen unter gleichen Bedingungen der gleiche war."

Acht verschiedene Autos in einem Rennen

Massa bestreitet, dass die Autos einfacher zu fahren sind. "Es sieht vielleicht nicht mehr so aus, weil wir am Ende des Rennens nicht mehr erschöpft aus den Autos steigen. Das liegt daran, dass die Rennen langsamer geworden sind. Je weniger Fliehkräfte du spürst, umso einfacher ist es körperlich."

Laut Massa ist die Herausforderung immer noch da. Es ist nur eine andere. Auch Fernando Alonso pflichtet dem bei: "Wir fahren in einem Rennen heute acht verschiedene Autos. Mit viel und wenig Sprit. Mit frischen und alten Reifen. Mit viel und wenig Energieabgabe. Mit viel und wenig Energiespeicherung, was auch gleich einen Einfluss auf die Bremsen hat."

Deshalb müssen die Fahrer auch bei den scheinbar simpelsten Aufgaben ferngesteuert werden. Wenn ein Fahrer früher den Befehl bekam, die Bremsen zu schonen, dann musste er es im Gefühl haben, wie er das macht. Heute erzählen ihm die Ingenieure, wie viel Meter er vor der Kurve vom Gas muss, um die Bremsen wieder in den grünen Bereich zu bringen. "Du hörst dann den Befehl, den Multifunktionsschalter in eine bestimmte Position zu bringen und hast keine Ahnung, was dann im Hintergrund passiert", gibt Massa zu.

"Brauchen Unterstützung von der Box"

Lewis Hamilton bestätigt, dass der Fahrer heute zur Lösung bestimmter Probleme Anleitung braucht. "Wenn sie dir nur sagen, dass du Sprit sparen musst, würden einige Autos vor der Ziellinie ohne Benzin liegen bleiben. Wir haben zwar eine Anzeige im Cockpit, aber die ist viel zu wenig präzise. Es ist nicht so, dass du einen Kontostand sieht, der sich bei jedem Manöver von dir entsprechend verringert. Ich kann nicht einen Gang höher fahren oder früher bremsen und dann sofort ablesen, welche Auswirkung diese Maßnahme hat. Dafür brauchen wir Unterstützung von der Box."

Ähnliches Szenario bei den Reifentemperaturen. "Die gehen so schnell hoch oder fallen so schnell in den Keller, dass ich wissen muss, wo ich stehe. Ich kann mich da nicht allein auf mein Gefühl verlassen", erzählt Hamilton.

Massa fordert deshalb, die komplexen Systeme mehr zu automatisieren: "Wenn wir fünf Einstellungen am Lenkrad hätten, um auf Reifen, Bremsen und Spritverbrauch zu reagieren, würde das völlig reichen. Im Augenblick hast du vielleicht 300 Möglichkeiten, an irgendwelchen Schaltern zu drehen. Es ist unmöglich, dass alles im Kopf zu behalten. Wir können aber auch nicht mit der Betriebsanleitung in der Hand fahren. Wir brauchen deshalb weniger Eingriffsmöglichkeiten, so dass wir wieder selber auf Probleme reagieren können."

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