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Material-Ermüdung bei Pirelli?

Kommt Rundenzahl-Limit in Monza?

Sebastian Vettel - GP Belgien 2015 Foto: xpb 21 Bilder

Experten vermuten, dass Materialermüdung für die Reifenschäden in Spa verantwortlich war. In Monza droht wegen der hohen Top-Speeds eine Wiederholung. Bei den Fahrern geht die Angst um. Muss ein Rundenzahl-Limit eingeführt werden?

25.08.2015 Michael Schmidt

Vor zwei Jahren hat Pirelli darum gebettelt. Doch der italienische Reifenhersteller wurde 2013 nicht erhört. Für den GP Italien könnte die Rundenzahl-Beschränkung nun von der FIA diktiert werden. Weil es kein Zufall sein kann, dass die Reifenplatzer von Nico Rosberg und Sebastian Vettel in Spa passierten. Auf einer Strecke mit extrem schnellen Kurven und extrem langen Vollgaspassagen. Und mit Monza steht eine noch schnellere Rennstrecke auf dem Programm. Die schnellste im Kalender.

Hundertprozentige Gewissheit gibt es weder im Fall Rosberg, noch in der Causa Vettel. Pirelli beruft sich auf das Ausschlussverfahren. Demnach hätte keiner der Hinterreifen, die nach dem Freitagstraining aufgeschnitten wurden, Anzeichen von Beschädigungen oder Ermüdung gezeigt. Logische Schlussfolgerung: Ein Fremdkörper hat die Lauffläche von Rosbergs rechtem Hinterreifen zerschnitten, was zum Durchbruch der Drähte der Karkasse führte.

Doch so ganz wohl war offenbar auch Mercedes nicht. Nach Aussage von Teamchef Toto Wolff ist man freiwillig mit dem Sturz der Hinterachse auf einen ganz konservativen Wert gegangen. Das kostet Rundenzeit, stresst aber den Reifen weniger.

Was war anders als 2014?

Bei Vettel passte die "Fremdkörper"-Theorie nicht mehr. Und zu hoher Verschleiß kommt aufgrund von Vettels Rundenzeiten und den Reifentemperaturen auch nicht in Frage. Dass Pirelli das Thema Runden-Beschränkung selbst anspricht, muss nicht unbedingt eine Konsequenz dessen sein, was man Ferrari vorwirft. Nämlich, dass sich die Gummischicht durch zu langes Fahren zu stark abgenutzt habe.

Gut möglich, dass auch innerhalb des Pirelli-Lagers Zweifel herrschen, ob die speziellen Kräfte, die in Spa auf den Reifen einwirken, die Lebensdauer des Reifens nicht doch verkürzt haben.

In diesem Fall eignet sich ein Vergleich mit dem Vorjahr, bei dem keine Reifenprobleme gemeldet wurden. Was war 2014 anders? Im Training fielen die Rundenzeiten um 2 Sekunden. Der Pole Position von Lewis Hamilton von 1.47,197 Minuten steht in der letzten Saison eine schnellste Runde von 1.49,189 Minuten aus dem dritten freien Training gegenüber. Das hob den Schnitt von 230 auf 235 km/h an. Das Rennen selbst war nicht schneller als 2014.

Die Top-Speeds waren identisch. In Eau Rouge wurden die Autos im Schnitt um 3 km/h schneller gemessen als im Vorjahr. Den längsten Stint beim GP Belgien 2014 legte Kimi Räikkönen mit 23 Runden hin. Vettel war schon bei Runde 28 angelangt. Die Radsturzwerte, Startdrücke und Heizdecken-Temperaturen haben sich auch nicht in einem Maß geändert, dass man daraus eine höhere Belastung für die Reifen ableiten könnte.

Neue Konstruktion der Hinterreifen

Ob die neuen Randsteine ausgangs Eau Rouge eine Rolle spielen, wird in Teamkreisen angezweifelt. Zumal sie nach Klagen der Fahrer und nach Rosbergs Reifenplatzer am Freitag ohnehin abgeflacht wurden. Im Vergleich zum Vorjahr bezogen die Fahrer diesen Randstein allerdings deutlich mehr in ihre Ideallinie mit ein.

Sowohl bei Rosberg als auch bei Vettel begann das Reifenproblem kurz nach dieser Stelle. Und zwar immer rechts hinten. In Rosbergs Fall behielt der Reifen aber noch vier Kilometer lang Luft. Bei Vettel schälte sich erst die Lauffläche ab, bevor es dem Mantel an den Kragen ging.

Pirelli-Sportchef Paul Hembery hatte nach Rosbergs Reifendrama selbst Zweifel geäußert, dass die Kräfte beim Überfahren des Randsteins dafür ausreichen, die Struktur des Reifen aufzubrechen. Sebastian Vettel teilte diese Meinung. In Verbindung mit den stehenden Wellen in den Reifenflanken wurden sie aber vielleicht doch zum Problem. Und da hat sich im Vergleich zu der Vorsaison etwas Entscheidendes geändert: die Konstruktion der Hinterreifen.

Pirelli hat die Details der Änderung über den Winter kaum kommuniziert. Zusätzlich zu einer verstärkten Außen- und Innenschulter wurde auch der Unterbau über die gesamte Lauffläche stabiler ausgelegt.

Pirelli-Reifenplatzer nach Material-Ermüdung?

Nach Meinung von Reifenexperten bei den Teams kann das wegen des höheren Gewichts bei hohen Geschwindigkeiten bei hohen Zentrifugalkräften an den Schultern zu größeren Belastungen und zu Ermüdungsbrüchen der Konstruktion an eben diesen Stellen führen.

Damit waren die 28 Runden von Vettel vielleicht doch zu viel für den Reifensatz. Was natürlich nicht akzeptabel wäre. Die Techniker schließen daraus, dass in Monza das gleiche drohen kann. Und dafür gibt es nur ein Rezept: strikte Limits für die maximale Anzahl an Runden.

In unserer Galerie haben wir Bilder von verschiedenen Autos, die zeigen wie sich der Hinterreifen durch stehende Wellen in Eau Rouge verformt. Und wir klären die unterschiedlichen Theorien zu den Reifenplatzern von Spa.

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