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Max Verstappen im Interview

Mit Mercedes-Motor aufs Podium?

Max Verstappen - Toro Rosso 2015 Foto: Toro Rosso 49 Bilder

Max Verstappen spricht im Interview mit auto motor und sport über die Probleme beim Einstieg in die Formel 1, seine Leidenschaft für Computer-Rennen und das Potenzial von Toro Rosso.

07.08.2015 Michael Schmidt
Der vierte Platz in Ungarn war das Highlight Ihrer noch so kurzen Formel 1-Karriere. Wie haben Sie das Rennen erlebt?

Verstappen: Unglaublich. Mir fehlen die Worte. Nach meinem schlechten Start durfte ich das nicht mehr erwarten. Immerhin habe ich es geschafft, mich aus allen Scharmützeln rauszuhalten. Und ab dem zweiten Stint ging es richtig vorwärts. Ich fühlte mich wohl im Auto, und die Jungs hinter mir konnten mir nicht folgen. Nach dem Re-Start war es ziemlich hektisch. Autos sind ineinandergefahren. Auch ich gehörte dazu. Dabei habe ich mir den Frontflügel beschädigt. Man hat mir eine Durchfahrtstrafe verpasst. Als ich dann wieder auf der Strecke war und meinen Ingenieur nach der Position gefragt habe, konnte ich es nicht glauben. Ich war tatsächlich Vierter.

Sie haben sich trotz Ihrer 17 Jahre sofort in der Königsklasse etabliert. Ist die Formel 1 zu einfach?

Verstappen: Überhaupt nicht. Ein Auto am Limit zu fahren ist immer schwierig. Egal, in welcher Kategorie. Und hier fährst du gegen die besten der Welt. Deshalb ist es auch schwieriger, den Unterschied auszumachen.

Aber früher haben sich junge Fahrer nicht so schnell akklimatisiert?

Verstappen: Formel 1 ist nicht leichter geworden. Die Fahrer, die in die Formel 1 kommen sind nur besser ausgebildet als vor 20 Jahren. Deshalb sieht es leichter aus. Die Vorbereitung und das Drumherum ist viel schwieriger als es vor 20 Jahren war.

Welche Erfahrung konnten Sie mitbringen?

Verstappen: Ich sitze im Gokart seit ich 4 Jahre alt bin. Das ist Erfahrung. Du lernst Zweikämpfe, Setup, Fahren bei unterschiedlichen Bedingungen. Ein Rennauto sieht vielleicht anders aus, aber viele Erfahrungen aus dem Kart lassen sich auch auf richtige Autos übertragen.

Welcher Schritt war größer: Der vom Kart in die Formel 3, oder der von der Formel 3 in die Formel 1?

Verstappen: Eindeutig vom Kart in die Formel 3. Im Kart hast du eine komplett andere Sitzposition, du bremst ganz anders. Der Schritt von Formel 3 in die Formel 1 ist kleiner, weil du im Prinzip das gleiche machst.

Und was ist dann an der Formel 1 das schwierigste?

Verstappen: Das Maximum in der Qualifikation aus dem Auto rauszuholen. Und auf die Reifen aufpassen. Das Fahren am Limit und das Bedienen der Schalter ist Gewöhnungssache. Es geht mit jedem Mal einfacher. Am Anfang war es ein riesen Berg, vor dem ich stand.

Eine Erklärung, dass es auch da so reibungslos klappt?

Verstappen: Junge Leute wachsen mit Computern auf, lernen früh Multitasking. Das hilft.

Sind Sie ein Computer-Kid?

Verstappen: Nicht Tag und Nacht. Aber ich fahre schon zuhause am Simulator. Etwas besseres als Playstation. Hilft das? Ein bisschen, aber es ist hauptsächlich Spaß. Da fahre ich auch Wettbewerbe, aber die Jungs, die virtuelle Rennen fahren, die haben schon viel Erfahrung, wie sie die Autos fahren und abstimmen. Nicht alles an der Computerfahrerei ist realistisch. Da gibt es Tricks, den Grip richtig zu finden. Manchmal geben dir die Experten da eine Sekunde mit. Die Profis sind schon gut. Aber das ist wie im richtigen Rennauto. Sie trainieren viel und werden dadurch immer besser.

Ihre Saisonbilanz?

Verstappen: Wir hätten die erste Saisonhälfte mehr Punkte sammeln können, aber sonst bin ich happy. Das wichtigste ist, dass wir ein sehr gutes Auto haben.

Ein gutes Auto und einen schlechten Motor. Ärgert Sie das?

Verstappen: Manchmal ist es etwas ärgerlich. Aber wir können immer noch unser Potenzial zeigen. Für das Team ist es anders. Die arbeiten hart, haben ein gutes Auto gebaut, ein tolles Team zusammengestellt, und sie kriegen nicht die Resultate, die sie verdienen.

Hätten Sie einen Mercedes-Motor im Heck, wo würden Sie dann fahren?

Verstappen: Gegen Ferrari um den letzten Podiumsplatz.

Was war Für Sie die größte Überraschung in der Formel 1?

Verstappen: Die Reifen. Ich dachte, ich würde sie einfacher verstehen.

Was haben Sie aus dem Unfall mit Groasjean in Monaco gelernt?

Verstappen: Die Fahrer, die mich da kritisiert haben, haben zu Beginn ihrer Karriere das gleiche gemacht, oder sogar schlimmer. Ich konzentriere mich auf eigenen Job und höre nicht allzu viel darauf.

Werden Sie strenger beurteilt, weil Sie erst 17 Jahre alt sind?

Verstappen: Es kümmert mich nicht, wie mich die Leute beurteilen. Ich versuche nur so schnell wie möglich zu fahren.

Fühlen Sie sich als Holländer oder als Belgier?

Verstappen: In Holland bin ich populärer als in Belgien. Ich habe zwar beide Pässe, aber sehe mich als Niederländer. Dort habe ich meine Freunde, mein Vater ist Holländer, und dort habe ich die größeren Phasen meiner Karriere erlebt.

Wo kann Ihnen Ihr Vater noch helfen?

Verstappen: Er hat mir auf meinem ganzen Weg vom Alter von 4 Jahren bis heute geholfen. Er hat mir alles beigebracht, vom Fahren bis zum professionellen Arbeiten. Natürlich muss ich heute mehr auf meinen eigenen Füßen stehen, und brauche immer weniger Hilfe. Aber für Tipps ist er immer da. Er beobachtet das Umfeld und treibt mich an. Es sind heute mehr Tipps, wie ich mit dem Team arbeiten soll.

Können Sie sich noch an Rennen Ihres Vaters erinnern?

Verstappen: Die Zeit, an die ich mich erinnere, ist 2001. 2003 bin ich dann schon selber gefahren und war nicht mehr so oft an der Strecke.

Im September bekommen Sie Ihren Führerschein. Freuen Sie sich darauf?

Verstappen: Das ist kein großes Ereignis. Ich bin gerne Beifahrer. Mit meinem Vater habe ich ja einen sehr guten Chauffeur.

In unserer Galerie zeigen wir Ihnen einige Bilder von Max Verstappens Weg in die Formel 1.

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