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Max Verstappen-Show beim GP Brasilien

Wie Schumi in Barcelona 1992

Michael Schumacher - GP Spanien 1992 Foto: sutton-images.com 49 Bilder

Der GP Brasilien war die Max-Verstappen-Show. So werden künftige Weltmeister geboren. Wir blicken zurück auf große Rennen früherer Super-Talente, wie zum Beispiel Ayrton Senna 1985 in Estoril 1985 oder Michael Schumacher 1992 in Barcelona.

22.11.2016 Michael Schmidt 1 Kommentar

Der GP Brasilien hatte einen Hauptdarsteller. Max Verstappen fuhr sich mit seiner Aufholjagd endgültig ins Rampenlicht. Der dritte Platz von Interlagos zählte mehr als sein Sieg beim GP Spanien. Dabei war Verstappen bei seiner Galavorstellung in seinem 39. GP-Einsatz nicht einmal der schnellste Fahrer auf der Strecke. Lewis Hamilton war noch besser unterwegs. Leider völlig unspektakulär. Der Mercedes-Pilot führte vom Start bis ins Ziel.

Doch das bleibt nicht hängen. Auch, weil alle schon die Qualitäten von Hamilton kennen. Der Engländer war nicht umsonst schon 3 Mal Weltmeister. Verstappen will es noch werden. Und er festigte seine Ansprüche mit einem unglaublichen Rennen unter schwierigsten Bedingungen. Verstappen überholte im Verlauf der 71 Runden 13 Konkurrenten. 11 davon in den letzten 16 Runden. Gehen wir seinen Grand Prix noch einmal Überholmanöver für Überholmanöver durch.

  • Runde 8: Verstappen bremst Räikkönen vor Kurve 1 aus.
  • Runde 32: Verstappen geht an Rosberg außen in Kurve 3 vorbei.
  • Runde 56: Verstappen überholt Gutierrez vor Kurve 1.
  • Runde 57: Verstappen überholt Wehrlein.
  • Runde 58: Verstappen schnappt sich Bottas außen in Kurve 3.
  • Runde 59: Verstappen zwingt Ricciardo zwischen den Kurven 9 und 12 in die Knie.
  • Runde 60: Verstappen überholt Kvyat in Kurve 4.
  • Runde 61: Verstappen geht in Kurve 9 an Ocon vorbei.
  • Runde 62: Verstappen bremst Nasr innen in Kurve 4 aus.
  • Runde 65: Verstappen überholt Hülkenberg in Kurve 4.
  • Runde 66: Verstappen geht in Kurve 12 innen an Vettel vorbei und drängt den Ferrari neben die Strecke.
  • Runde 67: Verstappen bremst Sainz vor Kurve 4 aus.
  • Runde 69: Verstappen ringt Perez in den Kurven 9 bis 11 nieder.

Max Verstappen – Geburt eines Superstars

Der GP Brasilien war die Geburt eines künftigen Superstars. Nicht, dass wir es nicht schon vorher geahnt hätten. Max Verstappen hat das Zeug zum Weltmeister. Aber es braucht eben immer das eine Rennen, das Rennfahrer in den Olymp der Außerirdischen hebt. Das kann der erste GP-Sieg sein, muss aber nicht. Oft reicht auch ein Rennen unter schwierigen Bedingungen, in dem man durch spektakuläre Überholmanöver und Zweikämpfe sich von den anderen abhebt. Oder einfach nur, weil der Fahrer besser war als sein Auto.

Das trifft bei Verstappen nicht zu. Der Holländer hatte mit dem Red Bull mit frischen Regenreifen im Finale das beste Auto im Feld. Seine herausragende Leistung bestand darin, wie er die Überholmanöver plante und vorbereitete. Er positionierte sein Auto immer dort, wo am meisten Grip vorhanden war. Und wenn es ihm einmal ausbrach, korrigierte er meisterhaft. In einigen Fällen brauchte Verstappen 3 bis 4 Kurven, bis er seine Gegner in die Knie gezwungen hatte. Am meisten wehrten sich Ricciardo, Vettel und Perez.

Wie gesagt, der GP Brasilien war dieses eine Rennen, das die sehr Guten von den Guten trennt. Jim Clark hatte es, Jackie Stewart, Niki Lauda, Ayrton Senna, Alain Prost, Michael Schumacher, Fernando Alonso, Lewis Hamilton oder Sebastian Vettel. Wir haben in der Historie gestöbert und die Rennen gesucht, wo die Stars und Serien-Weltmeister von morgen geboren wurden.

Jim Clark, GP Holland 1961, 3. Platz, 8. GP-Start

Ferrari war in der Saison 1961 haushoch überlegen. Nur Stirling Moss gelangen 2 Siege gegen die roten Raketen von Phil Hill und Graf Berghe von Trips. Und ein gewisser Jim Clark machte den Ferrari-Piloten beim GP Holland 1961 Beine. Trotz seines klar unterlegenen Lotus-Climax.

Der spätere Weltmeister Phil Hill und Clark lieferten sich in den Dünen von Zandvoort ein episches Duell um Platz 2, bei dem Clark den Amerikaner in den Kurven das Nachsehen gab, nur um auf der Geraden seinen Platz wieder gegen den stärkeren Ferrari zu verlieren.

Die Zahl der Überholmanöver wurde nie gezählt. Das Fernsehen war noch nicht live dabei. Hill konnte Jim Clark erst abschütteln, als sich die Straßenlage des Lotus 21 mit leerer werdendem Tank verschlechterte. Clark blieb nur der dritte Platz hinter Trips und Hill. Und die schnellste Rennrunde. Mit der wäre er im Training auf der Pole Position gestanden.

Jackie Stewart, GP Monaco 1965, 3. Platz, 2. GP-Start

Jackie Stewart kam in die Formel 1, als die Königsklasse von einem anderen Schotten beherrscht wurde. Jim Clark schickte sich 1965 an, seinen zweiten WM-Titel einzufahren. Doch beim GP Monaco fehlte der Champion von 1963. Er fuhr die 500 Meilen von Indianapolis. Und gewann.

Favorit war deshalb Monaco-Spezialist Graham Hill. Und der hatte einen gewissen Jackie Stewart als Teamkollegen bei B.R.M. Der Neuling stellte sein Auto überraschend die zweite Startreihe. Und führte den Klassiker sogar für 5 Runden an. Stewart verlor den ersten Platz nach einem Dreher. Teamkapitän Graham Hill schloss auf, und der Youngster winkte „Opa Hill“ vorbei. Am Ende wurde Stewart in seinem zweiten Grand Prix Dritter.

Niki Lauda, GP Monaco 1973, 19. GP-Start, Ausfall

Niki Lauda war ein Spätzünder. Keiner wie Verstappen, dem man bereits vom ersten GP-Einsatz an alles zutraute. Eher das Gegenteil. Die Saison 1972 bei March verbrachte Lauda als Lehrbub von Ronnie Peterson. Kaum einer registrierte, dass der noch unerfahrene Lauda als erster den March 721X als Fehlkonstruktion erkannte.

Der Österreicher musste sich bei den Teams einkaufen und hatte schnell den Stempel eines Paydrivers weg. Das änderte sich 1973. Da machte Lauda zum ersten Mal mit einem Resultat auf sich aufmerksam. Beim GP Belgien holte er seine ersten 2 WM-Punkte auf B.R.M.

14 Tage später war sein Name bekannt. Sein Sprungbrett wurde ein Rennen, das er nicht einmal beendete. Lauda geigte beim GP Monaco im B.R.M. als Dritter im Konzert der Großen mit. Nach 24 Runden schied Lauda mit Getriebeschaden aus. Enzo Ferrari hatte genug gesehen. Wenig später unterschrieb Lauda bei Ferrari.

Alain Prost, GP England 1982, 6. Platz, 6.GP-Start

Der McLaren M29 war eine Fehlkonstruktion. Je später in der Saison, umso größer die Defizite. Trotzdem machte Alain Prost in diesem Jahr auf sein Talent aufmerksam. Der Franzose holte schon beim Debüt in Argentinien einen Punkt. Und brach sich beim Training zum dritten Rennen in Südafrika das Handgelenk. Einer der vielen Unfälle nach einem Materialdefekt in diesem Jahr. Kein idealer Platz für einen Rookie.

Trotzdem sah Routinier John Watson gegen Prost kein Land. Auch nicht beim Heimspiel in Brands Hatch. Prost ging in der zweiten Ausbaustufe M29C vom siebten Startplatz aus in die 76-Runden-Schlacht, fiel in der 16. Runde nach einem Tausch der abgewetzten Vorderreifen ans Ende der Schlange zurück und wurde im Ziel noch als Sechster abgewinkt. Chapeau. Watson landete 2 Plätze und eine Runde hinter Prost.

Ayrton Senna, GP Portugal 1985, 16. GP-Start, Sieg

Ein Streitfall. Die meisten sagen sofort: Der zweite Platz von Monte Carlo im Toleman war Ayrton Sennas Eintrittskarte in die Welt der Außergewöhnlichen. Doch Monte Carlo im Regen war zu speziell. Das Rennen wurde früh abgebrochen. Man weiß nicht, wie es ausgegangen wäre. Es gab mit Stefan Bellof noch einen jungen Wilden im Feld, der nicht nur auf Spitzenreiter Alain Prost Zeit gutmachte, sondern auch auf Senna.

Der endgültige Durchbruch des Brasilianer war sein Sieg beim GP Portugal 1985. Bei viel schlimmerem Regen als jetzt in Brasilien. Senna fuhr wie von einem anderen Stern, schien über das Wasser zu gehen. Während die Konkurrenz von der Strecke kreiselte oder sich in die Leitplanken verabschiedete, blieb der Lotus-Pilot fehlerlos. Und siegte mit einem Vorsprung von 1.02 Minuten.

Michael Schumacher, GP Spanien 1992, 10. GP-Start, Platz 2

Nicht, nicht das erste Podium im Mexiko 1992 oder der erste Sieg im gleichen Jahr in Spa lieferte den endgültigen Beweis, dass Michael Schumacher eine große Karriere bevorstand. Sein Stern ging endgültig auf, als er 1992 in Barcelona im strömenden Regen Zweiter wurde. Und nur deshalb das Rennen nicht gewann, weil Nigel Mansell eine Technik an Bord hatte, mit der er während der Fahrt die Bodenfreiheit seines Williams verstellen konnte.

Im Training noch hatte Schumacher seinen Benetton B192-Ford bei einem heftigen Abflug in Kurve 3 zertrümmert. Was ihn nicht groß störte. Wie alle außergewöhnlich Begabten war der spätere Serien-Weltmeister mit einem unerschütterlichen Selbstvertrauen ausgestattet. Ein Unfall warf ihn mental nicht zurück.

Als Schumacher im Rennen auf Platz 2 hinter Mansell vorrückte, verkürzte er seinen Rückstand von 21,1 Sekunden innerhalb von 30 Runden auf 4,4 Sekunden. Als die Sensation in der Luft lag, zog Mansell das Tempo wieder an und nahm dem Benetton 2 Sekunden pro Runde ab. Mansell konnte dank des aktiven Fahrwerks die Bodenfreiheit höherstellen und die Härte des vorderen Stabilisators verändern.

Fernando Alonso, GP Malaysia 2003, 3. Platz, 19. GP-Start

Fernando Alonso fuhr sein erstes Formel 1-Jahr 2001 abseits des Rampenlichts. In einem Minardi konnte er nur für die Experten glänzen. Nach einer Testsaison ging es 2003 bei Renault richtig los. Und schon bei seinem zweiten Einsatz für den französischen Werksrennstall wurde klar, warum Renault so viel Vorbereitungszeit und Aufwand in das Talent aus Oviedo investiert hatte.

Alonso machte sich mit 21 Jahren und 236 Tagen zum jüngsten Fahrer, der je auf einer Pole Position stand. Es lag der Verdacht nahe, dass Renault der Show wegen mit wenig Benzin in das Einzelzeitfahren gegangen war. So wenig war es gar nicht. Alonso hatte 60 Liter Sprit gebunkert. Der Spanier trat mit einem Handikap an. Ihn plagte eine heftige Grippe mit 38,5 Grad Fieber am Renntag. Die Fahrt auf den dritten Platz bei 35 Grad Hitze war deshalb auch ein Sieg über sich selbst.

Lewis Hamilton, GP Australien 2007, 3. Platz, 1. GP-Start

Selten ist schon bei einem Debüt alles klar. Lewis Hamilton war nicht der ersten Formel 1-Pilot, der bei seiner Premiere auf das Podium fuhr. Doch er war der einzige, der schon bei dieser Gelegenheit durchblitzen ließ, dass er einmal als einer der größten Fahrer aller Zeiten in die GP-Geschichte eingehen wird.

Das Greenhorn führte 4 Runden, fuhr McLaren-Teamkollege Alonso 41 Runden lang vor der Nase herum und kam mit einer Selbstverständlichkeit als Dritter ins Ziel, als hätte er davor nie etwas anderes gemacht. Englands Tagespresse überschlug sich und stimmte McLaren-Geschäftsführer Martin Whitmarsh zu: „Wir haben den Beginn einer Karriere eines künftigen Weltmeisters miterlebt.“ Alonso konnte Hamilton nur dank seiner Routine und eines späteren Tankstopps knacken.

Sebastian Vettel, GP Brasilien 2008, 4. Platz, 26. GP-Start

Man könnte es sich leicht machen. Sebastian Vettel adelte sich bei seinem ersten GP-Sieg 2008 in Monza auf einem Toro Rosso zum künftigen Superstar. Doch das wäre wirklich zu einfach. Gewiss, Vettel fuhr ein astreines und fehlerfreies Rennen. Aber es hätte einfach auch nur eines dieser Highlights sein können, die jeder Fahrer mal hat. Vettel fuhr auf die Pole Position, weil Toro Rosso sich am besten auf ein Regenrennen vorbereitete.

Der Safety-Car-Start im strömenden Regen nahm ihm das Risiko ab, einen Platz auf dem Weg in die erste Kurve zu verlieren. Fortan hatte er immer beste Sicht. Vettel nutzte die Chance, die man ihm gab, perfekt. Noch besser aber war das Finale in Brasilien. Als er bei aufkommendem Regen WM-Kandidat Lewis Hamilton von Platz 5 verdrängte und den Engländer kurzfristig vom WM-Thron stürzte.

McLaren sagte Hamilton am Funk, er müsse Vettel überholen, sonst sei der Titel weg. Hamilton aber konnte nicht. Weil Vettel in der Trockenphase seine Intermediates klüger angefahren hatte. Sie waren noch intakt. Die von Hamilton nicht. Das zeigte schon in einem frühen Stadium den Weitblick, den nur Weltmeister haben.

Neuester Kommentar

An dieser Stelle mal ein grosses Dankeschön an Schmidi, für seine immer grandiosen und kompetenten Artikel.

dbh42 22. November 2016, 23:54 Uhr
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