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45 Jahre McLaren

Wer war der beste McLaren-Pilot?

Ayrton Senna Alain Prost McLaren 1988 Foto: Wolfgang Wilhelm 37 Bilder

Für McLaren haben 34 Fahrer seit 1966 WM-Punkte gesammelt. Sieben davon wurden Weltmeister. 19 haben McLaren mindestens einen Siegerpokal in die Firmenvitrine gestellt. Doch wer ist der beste? Die Zahlen geben viele Antworten.

13.07.2011 Michael Schmidt

Die Frage nach dem loyalsten McLaren-Piloten ist schnell beantwortet. Es ist David Coulthard. 150 Mal stand er für den Rennstall aus Woking am Start. Der Schotte verbrachte auch die meisten Jahre bei McLaren. Insgesamt neun volle Saisons. Mika Häkkinen bringt es zwischen 1993 und 2001 zwar auch auf neun Jahre, doch der Finne nahm 1993 nur an den letzten drei Grand Prix teil. Er löste Michael Andretti ab.

Das ewige Duell: Senna vs. Prost

Schwieriger ist die Frage nach dem besten McLaren-Fahrer. Der zweitälteste Rennstall der Formel 1 bestritt 693 Grand Prix. Da gibt es viel Auswahl. Nach Weltmeisterschaften streiten sich Ayrton Senna und Alain Prost mit je drei Titeln um Platz eins in der McLaren-Hierarchie. Senna hat allerdings mehr Siege für McLaren erzielt. Da steht es im Duell gegen Prost 35:30 für den Brasilianer. Dafür hat Prost mehr WM-Punkte gesammelt. Mit 458,5:451 schlägt der Franzose seinen alten Erzfeind nur knapp, was auch daran liegt, dass Senna elf Rennen weniger für McLaren gefahren ist. Im Schnitt Punkte pro Rennen liegt er deshalb mit 4,698 zu 4,285 vor Prost.

Ginge es nach dem Punkteschnitt, läge Jenson Button an der Spitze. Bei ihm und bei Lewis Hamilton ist dieser Vergleich allerdings nicht ganz fair, da seit 2010 ein neues Punktesystem gilt. Im Vergleich zu früher werden alle Zähler mit 2,5 multipliziert. Button hätte also nicht 323 Punkte bei bislang 28 Starts gesammelt, sondern nur 130. Das ergäbe im Mittel 4,642 statt 11,535 Punkte. Immer noch imposant, denn Button läge damit auf einem Niveau mit Senna und Prost. Würde man bei Hamilton für die Jahre 2010 und 2011 den gleichen Maßstab anlegen, dann hätte der Engländer bei jedem McLaren-Start 4,9 Zähler gesammelt. Mehr als Senna und Prost!

Alonso statistisch der Effizienteste

Meister der Effizienz ist jedoch Fernando Alonso. Der Spanier fuhr nur eine Saison für McLaren und verabschiedete sich im Unfrieden mit 109 Punkten nach 17 Starts. Macht einen Schnitt von 6,412 Punkten. Auf Platz zwei in dieser Wertung liegt - man mag es kaum glauben - der langjährige Testpilot Alexander Wurz. Der Österreicher bekam nur eine Chance und nutzte sie mit Platz zwei beim GP San Marino 2005.

Ähnlich effizient war 1973 Jacky Ickx. Der Belgier bekam für ein Rennen einen McLaren gestellt, weil sein Arbeitgeber Ferrari nach einer Niederlagenserie auf den Start beim GP Deutschland verzichtete. Nürburgring-Spezialist Ickx bedankte sich mit einem dritten Rang.

Halber Punkt entscheidet 1984 McLaren-Duell um die WM

In der McLaren-Fabrik in Woking stehen zwölf Trophäen für den Fahrer-Titel. Ayrton Senna und Alain Prost steuerten mit je drei Pokalen den Löwenanteil dazu bei. Mika Häkkinen war zwei Mal für McLaren erfolgreich. Emerson Fittipaldi holte den ersten Titel nach Woking, Lewis Hamilton den bislang letzten und Niki Lauda den spektakulärsten. Der Österreicher schlug Alain Prost im internen McLaren-Duell 1984 um einen halben Punkt. Es war Laudas Revanche für die knappe Niederlage von 1976. Damals fing McLaren-Pilot James Hunt den Ferrari-Fahrer Lauda um einen Punkt noch ab.

Insgesamt 19 Fahrer haben mit McLaren einen oder mehrere Grand Prix gewonnen. Neben den Absahnern Senna und Prost sticht vor allem der zweifache McLaren-Champion Mika Häkkinen mit 20 Siegen ins Auge. Lewis Hamilton holt mit 15 Siegen mächtig auf und hat David Coulthard (12) bereits weit hinter sich gelassen. James Hunt und Kimi Räikkönen verfehlten mit je neun Siegen knapp die zweistellige Marke. Fünf Fahrer haben ausschließlich auf McLaren einen Grand Prix gewonnen: Mika Häkkinen, Lewis Hamilton, Peter Revson, Heikki Kovalainen und Jochen Mass. Der Deutsche bekam für seinen Sieg beim GP Spanien 1975 nur halbe Punkte.

Erster Sieg durch Bruce McLaren

Den ersten Sieg holte standesgemäß der Chef. Bruce McLaren wusste im Ziel des GP Belgien 1968 nicht einmal, dass er gewonnen hatte. Er lag an dritter Stelle und bekam nicht mit, dass der vor ihm platzierten Jackie Stewart mit defekter Benzinpumpe und Denis Hulme mit gebrochener Antriebswelle gestrandet war. Der Firmengründer begann 1968 zu ernten, was er 1966 gesät hatte.

Bruce McLaren war hinter dem Volant kein Senna. Eher ein zuverlässiger Punktelieferant, der an guten Tagen gewinnen konnte. Seinem runden Fahrstil lagen die 700 PS-Bomber der CanAm-Serie mehr. Trotzdem gab McLaren in seiner Biografie zu: "Denny Hulme ist wahrscheinlich der schnellere Pilot." Hulme war es, der nach dem Tod von McLaren eine Art Führungsrolle übernahm. Der kauzige Neuseeländer blieb McLaren bis zu seinem Rücktritt Ende 1974 treu. Von ihm ist die Geschichte überliefert, dass er nach seinem letzten Grand Prix in Watkins-Glen zum Hubschrauber hetzte und dort auf die Frage eines Reporters nach dem Rennen antwortete:  "Ab heute bin ich Ex-Rennfahrer."

Unteres Ende der McLaren-Fahrerwertung

An einige McLaren-Fahrer erinnern sich nur noch die Historiker. Zum Beispiel Mike Hailwood, der 1974 einen dritten McLaren fuhr, der komplett anders lackiert war als die beiden Werksautos von Emerson Fittipaldi und Jochen Mass. McLaren hatte für 1974 noch einen Vertrag mit Yardley, wurde aber von Marlboro hofiert. Der Zigarettenkonzern wurde bei B.R.M. nicht glücklich. Weil McLaren einerseits auf die Tabakmillionen nicht verzichten, andererseits Yardley nicht verprellen wollte, setzte man ein drittes Auto ein, das von einer separaten Truppe betreut wurde. Ein böser Unfall am Nürburgring beendete das Projekt und die Karriere von Hailwood.

Andrea de Cesaris war der McLaren-Pilot, der den meisten Schrott ablieferte. 14 Unfälle zählte die Statistik allein in einem Jahr. Glück für den Italiener, dass 1981 das Kohlefaser-Chassis schon erfunden war. John Surtees fuhr nur aus einer Verlegenheit heraus vier Rennen für den Rennstall seines Kontrahenten. Sein Eigenbau war noch nicht fertig. Und Dan Gurney klemmte sich 1970 für drei Rennen als McLaren-Ersatz noch einmal ins Cockpit, obwohl er der Formel 1 schon Ende 1968 adé gesagt hatte.

Scheckter und Mansell punktlos im McLaren

In unserer großen Tabelle sind nicht alle McLaren-Piloten aufgeführt. Vermerkt sind nur die Fahrer, die Punkte gesammelt haben. Und zwei Weltmeister, die bei McLaren punktelos blieben. Mit Jody Scheckter und McLaren verbinden die Fans vor allem die Massenkollision 1973 in Silverstone. Scheckter war am Ende der ersten Runde in der Woodcote-Kurve von der Strecke abgekommen und hatte zehn weitere Fahrzeuge mit ins Verderben gerissen. Gottlob blieb auf dem Schlachtfeld nur ein Verletzter zurück. Andrea de Adamich brach sich das Knie. Sieger wurde mit Peter Revson ein anderer McLaren-Pilot.

Nigel Mansells McLaren-Karriere währte nur zwei Rennen. Die Mansell-Story begann damit, dass er zu dick für das enge MP4-10 Chassis war. Mark Blundell vertrat den Weltmeister von 1992 bei den ersten zwei Grand Prix. Dann war das Cockpit auf Mansells Maße angepasst. Mansell kam zum dümmsten Zeitpunkt zu McLaren. Das Auto war nicht konkurrenzfähig. Als der große Kämpfer von der Insel beim GP Spanien nur im Mittelfeld herumdümpelte, dämmerte es ihm, dass diese Mission keine Zukunft haben würde. Er stellte den McLaren nach einem Dreher in den Boxen ab und verschwand auf Nimmerwiedersehen.

Kann Hamilton Sennas Erbe antreten?

Wer also ist der größte McLaren-Pilot aller Zeiten? Wir legen uns auf die naheliegende Lösung fest: Es ist Ayrton Senna. Nach Zahlen ebenbürtig mit Alain Prost, bleibt bei Senna die Erinnerung an das Übernatürliche. Wie er 46 Mal quasi auf Abruf Trainingsbestzeit fuhr. Wie 1988 nach einem schlechten Start in Suzuka aus aussichtsloser Position noch gewann und zum ersten Mal Weltmeister wurde. Wie er 1993 mit dem unterlegenen Ford V8 fünf Mal gegen den Williams-Renault von Alain Prost gewann. Sollte Lewis Hamilton tatsächlich bis 2017 verlängern, dann ist Sennas Heiligenschein allerdings in Gefahr.

In unserer großen >> Fotogalerie zeigen wir Ihnen noch einmal alle McLaren-Piloten, die mindestens einen WM-Punkt gesammelt haben.

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