Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

McLaren Formel 1-Rennautos

Die Highlights aus 45 Jahren Formel 1

McLaren 50. Jubiläum Zeichnung 2013 Foto: McLaren 51 Bilder

McLaren ist der zweitälteste und zweiterfolgreichste Rennstall in der Formel 1 nach Ferrari. Bis jetzt wurden zwölf Fahrer und acht Autos aus Woking zum Weltmeister gekrönt. Wir zeigen ihnen die Ikonen.

05.07.2011 Michael Schmidt

Mit McLaren begann alles am 22. Mai 1966 in Monaco. Da ging Bruce McLaren mit einem McLaren M2B-Ford vom zehnten Startplatz aus ins Rennen. Das Debüt war für den damals 28-jährigen Neuseeländer nach zehn Runden wegen eines Öllecks zu Ende. Immerhin, der Anfang war gemacht. McLaren wandelte auf den Spuren von Jack Brabham, der bereits vier Jahre zuvor sich auf das Abenteuer mit einem Eigenbau eingelassen hatte.

Die erste Formel 1-Saison war von dem Problem gezeichnet, einen geeigneten Motor zu finden. Im Auftaktjahr der Dreiliter-Formel waren Dreiliter-Motoren noch dünn gesägt. Bruce McLaren versuchte es mit einem umgebauten Indy-Motor von Ford. Der war zu schwer. Dann mit einer Konstruktion namens Serenissima. Die war zu schwach. Trotzdem reichte es beim GP England 1966 zum ersten WM-Punkt.

Erster McLaren-Sieg in Spa 1968

Auch die zweite Saison verlief nicht viel besser. Abwechselnd taten ein B.R.M. V8 und ein B.R.M. V12 in den McLaren-Chassis M4B und M5A ihren Dienst. McLaren hatte seine Autos noch rot lackiert. Zwei Mal lag ein Podestplatz in Reichweite. Beide Mal streikte die Batterie. Den GP Kanada 1967 hätte McLaren gewinnen können, doch er verzichtete mangels Platz auf eine Lichtmaschine. Ein überhitzter Ölkühler saugte die Batterie leer als der Neuseeländer gerade daran dachte, in Führung zu gehen. Die magere Ausbeute: ein WM-Punkt.

Erst 1968 ging es bergauf. Mit dem Typ M7A und dem Cosworth V8. Der Chef höchstpersönlich holte in Spa den ersten von bislang 171 Siegen. Denis Hulme gewann zwei weitere Rennen und machte sich im Finale in Mexiko neben Graham Hill und Jackie Stewart noch Hoffnungen auf dem Titel. Ein böser Unfall beendete den Traum. Mit dem M7A begann auch die Ära einer neuen Teamfarbe. Orange wurde zum Markenzeichen für alle McLaren. Am Ende stand Platz zwei im Konstrukteurspokal. Für die Folgesaison wurde das Auto in die Modelle M7B und M7C weiterentwickelt, dazu kam der M9A mit Allradantrieb, der sich als Sackgasse erwies. Immerhin gab es noch einen Sieg und Platz drei in der Fahrer-WM für Bruce McLaren.

Das Jahr 1970 wurde für den noch jungen Rennstall zur ersten Zäsur. Firmengründer McLaren starb bei einem Testunfall in einem CanAm-Auto in Goodwood. Teddy Mayer übernahm die Geschäfte. Der Schock saß tief. Für eine Zeit schien das Team wie gelähmt. Der M14 war eine brave Konstruktion, die aber keine Bäume ausriss. Mit Platz vier im Konstrukteurspokal egalisierte man wenigstens das Vorjahresresultat. Die Quittung gab es ein Jahr später. 1971 stürzte McLaren mit dem Typ M19 auf Rang sechs in der Herstellerwertung ab. Konstrukteur Bellamy hatte sich bei den Aufhängungen verrechnet. Die Reifen kamen nie richtig auf Temperatur.

Erster WM-Titel 1974 durch Emerson Fittipaldi

Erst als Gordon Coppuck Chefdesigner Ralph Bellamy ablöste, ging es wieder bergauf. Im zweiten Teil seiner Karriere schaffte der überarbeitete M19 immerhin einen GP-Sieg und Rang drei in der Weltmeisterschaft. Das Auto, das nun in den Farben der Kosmetikfirma Yardley lackiert wurde, trug allerdings immer noch die Gene der Gründerzeit in sich. Ein solides aber biederes Konzept.

Das Bild änderte sich erst mit dem M23, der 1973 in Südafrika debütierte. Das Auto in Keilform mit seitlich platzierten Kühlern war für McLaren-Verhältnisse geradezu radikal. Und es war ein Jahrhundertwurf. Der M23 überlebte in verschiedene Ausbaustufen bis in die Saison 1977 hinein. Er legte die Basis für die ersten zwei WM-Titel mit Emerson Fittipaldi (1974) und James Hunt (1976) im Cockpit. Erst Mitte 1977 löste der M26 das Erfolgsmodell ab. Das elegante Auto mit den Kühlern in der Nase und den schlanken Seitenkästen schrieb sich mit James Hunt in Silverstone, Watkins-Geln und Fuji in die Siegerliste ein.

Fünf goldenen Jahren folgte ein tiefer Fall. Die Zeit des M26 war abgelaufen. M28, M29, M29B, M29C, M29F und M30, die in kurzer Folge einander ablösten, waren schlechte Lotus-Kopien. Hauptsponsor Marlboro setzte Teamchef Mayer im November 1980 den aufstrebenden Ron Dennis ins Nest. Und der brachte Konstrukteur John Barnard mit in die Ehe ein. Es war der Beginn der dritten Ära von McLaren. Unter Barnards Federführung entstand 1981 das erste Kohlefaserchassis der Formel 1. Der MP4 schlug nach kurzer Anlaufphase mit John Watsons Sieg beim Heimrennen in Silverstone 1981 voll ein. Und er bewies bei einem Horrorcrash in der Lesmokurve von Monza seine Qualitäten als stabilste Überlebenszelle seiner Zeit. Watson wurde kein Haar gekrümmt.

MP4-McLaren mit Porsche zum Erfolg

Die MP4-Erfolgsstory hält bis heute an. Seit 1981 beginnen alle McLaren mit dem Kürzel MP4. Das steht für Project 4, das erste mit dem Ron Dennis nicht Schiffbruch erlitten hat. 1982 und 1983 hatte das MP4-Konzept mit seinem Cosworth V8 einen schweren Stand gegen die Turbos der Konkurrenz. Während Watson 1982, in einer Saison in der keiner Weltmeister werden wollte, um ein Haar den WM-Titel gewonnen hätte, stand 1983 nur noch ein Sieg in Long Beach vom 22. Startplatz aus in den Büchern. In den letzten vier Rennen der Saison hatte der MP4-1E bereits einen Porsche V6-Turbo im Heck. Das Saisonfinale 1983 in Südafrika ließ ahnen, was 1984 folgen würde. Niki Lauda stieß bis auf Platz zwei vor, als ihn ein Elektrikdefekt sechs Runden vor Schluss stoppte.

Die Saison 1984 wurde ein Durchmarsch. Niki Lauda und Alain Prost gewannen zwölf von 16 Rennen. Der MP4-2 war nicht das schnellste Auto auf eine Runde, aber das effizienteste über eine Renndistanz. Laudas berühmten WM-Sieg mit einem halben Punkt Vorsprung folgten zwei Titel von Alain Prost in Folge. 1987 war der Porsche-Turbo am Ende seiner Entwicklung. Williams hatte mit dem Honda-V6 Turbo das bessere Paket. Ron Dennis klinkte den von TAG finanzierten Porsche aus und nahm sich dafür Honda.

McLaren-Siegesserie mit Senna und Prost

Mit Ayrton Senna und Alain Prost beglückte er Partner Honda mit dem Dreamteam im Cockpit. Und mit dem MP4-4 stand 1988 das erfolgreichste Rennauto der Formel 1-Geschichte am Start. Der ultraflache MP4-4 gewann alle bis auf ein Rennen. Jean-Louis Schlesser zerstörte den Traum vom totalen Sieg, als er in Monza 1988 dem führenden Senna im Weg stand. Prost war zuvor schon durch Motorschaden ausgeschieden.

Die McLaren-Siegesserie ging mit den Modellen MP4-5, MP4-5B und MP4-6 weiter. Senna und Prost lösten sich mit ihren Titelgewinnen ab und lieferten nebenbei die beste Seifenoper der Formel 1-Geschichte ab. Beide waren vom Ehrgeiz zerfressen und feindeten sich gegenseitg an. Was in zwei WM-entscheidenden Kollisionen 1989 und 1990 jeweils in Suzuka seinen Höhepunkt fand.

Mit dem Abschied von Honda begann für McLaren eine Zeit der Dürre. Senna gewann 1993 in McLaren MP4-8 zwar fünf Rennen, doch gegen den überlegenen Williams-Renault mit seinem aktiven Fahrwerk, ABS, Traktionskontrolle und Halbautomatik war kein Kraut gewachsen. McLaren war in allen entscheidenden Entwicklungen dieser Zeit ein Jahr zu spät dran. Es folgte eine Phase der Desorientierung. Ein Motorenvertrag mit Lamborghini war bereits unterschrieben, als sich plötzlich die Möglichkeit mit Peugeot auftat. Also Kommando zurück und mit fliegenden Fahnen zu den Franzosen. Der MP4-9 mit Peugeot-Power betätigte sich aber hauptsächlich als Feuerspucker. Am Ende gab es nur WM-Platz vier, aber keinen Sieg. Auch die Jahre 1995 und 1996 verliefen enttäuschend. Inzwischen war bereits Mercedes als Motorenpartner im Boot. Peugeot wurde trotz Vertrag wegkomplimentiert.

McLaren im Silberpfeil-Look zum Titel

Die Siegesmaschinerie lief erst 1997 in neuen Farben wieder an. Ein Silberanstrich mit Hauptsponsor West löste die rotweiße Zigarettenschachtel von Marlboro ab. Nach 50 Rennen ohne Sieg gewann David Coulthard den Saisonauftakt in Melbourne. Zum Titel reichte es noch nicht ganz. Der wurde 1998 mit dem Typ MP4-13 nachgeholt. Der neue Chefdesigner Adrian Newey hatte auf die große Regelreform 1998 mit Rillenreifen und schmalerer Spurweite am besten reagiert und ein Auto mit langem Radstand gebaut. Das Konzept war unter dem Kürzel MP4-14 auch 1999 noch siegfähig. Mika Häkkinen wiederholte seinen Titelgewinn. Zur dritten Krone reichte es nicht ganz. In einem mitreißenden Duell mit Michael Schumacher ging Platz eins erstmals nach 21 Jahren Pause wieder an Ferrari.

McLaren verabschiedete sich jetzt eine zeitlang aus dem Titelkampf. Ferrari erdrückte alle. Nur 2003 und 2005 waren Chancen da, die Weltmeisterschaft zu gewinnen. Sie wurden leichtfertig vergeben. 2003 mit einem Verlegenheitsauto namens MP4-17D. Es ersetzte die vermeintliche Wunderwaffe MP4-18, die es nie über das Teststadium hinaus schaffte. Ein Motorschaden am Nürburgring kostete Kimi Räikkönen im Nachhinein den WM-Titel. Auch der Nachfolger des Flops mit dem Kürzel MP4-19 brauchte eine lange Anlaufzeit, bis er in einer B-Version in Spa wenigstens ein Rennen gewann.

2005 hatte McLaren mit dem MP4-20 wieder das beste Auto im Feld, vollgestopft mit hochinteressanter Technik, die allerdings unsichtbar blieb. Das Auto hatte Massenträgheitsdämpfer an Bord und ein Getriebe, das sich zugkraftfrei schalten ließ. Vier Motorplatzer im Training warfen Räikkönen jeweils um zehn Startplätze in der Startaufstellung zurück. Fernando Alonso und Renault bekamen den WM-Pokal auf dem Silbertablett serviert.

2006 verschwand McLaren technisch in der Versenkung. Der Typ MP4-21 war nur auf ganz langsamen und ganz schnellen Strecken gut. Und selbst dort gewann er wegen technischer Unzulänglichkeiten kein einziges Mal. Seit 1996 endete erstmals wieder eine Saison ohne McLaren-Sieg.

Erst Millionen-Strafe, dann Titel für Hamilton

2007 hätte das ganz große Jahr für McLaren werden können, hätten nicht der Spionagefall und die Rivalität zwischen Fernando Alonso und Lewis Hamilton das Team aus Woking aus dem Tritt gebracht. Alonso und Hamilton trugen in Interlagos den Showdown im Titelkampf aus, doch am Ende setzte sich der Dritte im Bunde, Ferrari-Neuzugang Räikkönen die Krone auf. Und McLaren verlor alle Punkte im Konstrukteurspokal als Strafe dafür, dass Chefdesigner Mike Coughlan geheime Ferrari-Daten angenommen hatte.

Doch selbst eine Rekordbuße von 100 Millionen Dollar konnte McLaren nicht in die Knie zwingen. 2008 krönte sich Hamilton im MP4-23 zum damals jüngsten Weltmeister der Geschichte. Eine Meisterleistung nur ein Jahr nach der größten Demütigung in der Geschichte des Rennstalls.

Das Jahr 2009 startete mit Schwierigkeiten. McLaren hatte für das neue Reglement mit großem Front- und kleinem Heckflügel ein zu konventionelles Auto gebaut. Wie alle Top-Teams hatte man den Doppeldiffusor verschlafen. Doch erneut zeigte sich die Stärke des Teams und die Qualitäten des Technikbüros. Die Truppe von Paddy Lowe, Neil Oatley und Co machte aus einem mittelmäßigen Rennauto in einer viermonatigen Rosskur ein Siegerfahrzeug. Ab dem Nürburgring war der MP4-24 mit neuem Doppeldiffusor und modifiziertem Frontflügel konkurrenzfähig. Hamilton ging in Ungarn als erster Sieger in einem Auto mit Hybridtechnologie an Bord in die GP-Geschichte ein. Wieder war ein neues Zeitalter in Woking angebrochen Teamchef Ron Dennis übergab den Staffelstab an Martin Whitmarsh.

McLaren vs. Red Bull

2010 kämpfte McLaren mit dem MP4-25 wieder um die Weltmeisterschaft. Der Clou des Autos war der so genannte F-Schacht. Ein System aus Luftkanälen vom Cockpit bis zum Heckflügel, dass es dem Fahrer erlaubte, durch einen Handgriff im Cockpit die Strömung am Heckflügel abreißen zu lassen. Das brachte bis zu acht km/h mehr Top-Speed. Hamilton warf die Titelchancen mit zwei Kollisionen in Monza und Singapur weg.

In diesem Jahr ist der McLaren MP4-26-Mercedes der einzige Gegner der übermächtigen Red Bull. Nur Lewis Hamilton und Jenson Button konnten bislang Sebastian Vettels Siegeszug stoppen. Es ist ein mutiges Auto mit einem ungewöhnlichen Profil der Seitenkästen und vielen exklusiven Detaillösungen unter der Nase und im Heck. Die Stunde des MP4-26 schlägt meistens erst im Rennen. Obwohl Vettel mit 77 Punkten Vorsprung die WM anführt, haben Hamilton und Button ihre Titelhoffnungen nicht begraben. Sie setzen auf die Fähigkeit des Teams, das Ruder noch herumzureißen. "Kein Team entwickelt so schnell und so aggressiv wie McLaren", lobt Button.

In unserer Fotogalerie nehmen wir Sie noch einmal auf eine bebilderte Zeitreise von 2011 zurück bis ins erste McLaren-Jahr 1966.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden