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McLaren greift Vettel an

"Es ist möglich, Red Bull näherzukommen"

Sebastian Vettel GP Europa 2011 Foto: Red Bull 24 Bilder

Lewis Hamilton ist davon überzeugt, dass sich das Kräfteverhältnis in der Formel 1 nach den jüngsten Regeländerungen rund um den angeblasenen Diffusor ändern wird. Der Engländer sieht Red Bull mehr geschwächt als McLaren.

23.06.2011 Michael Schmidt

Über die Auswirkungen der neuen Auspuffregel gehen die Meinungen weit auseinander. Während Sebastian Vettel gleiche Konsequenzen für alle sieht, glaubt Lewis Hamilton an eine Chance für McLaren. Und einen Wendepunkt in der Weltmeisterschaft. Und zwar nicht erst ab Silverstone, wenn das Anblasen des Diffusors in der Phase des Gaswegnehmens verboten ist, sondern bereits beim GP Europa an diesem Wochenende.

Die FIA untersagt ab sofort, die Motoreinstellung zwischen Qualifikation und Rennen zu ändern. Damit sind die aggressiven Motorkennfelder für eine schnelle Runde Vergangenheit. Motor und Auspuff würden eine Renndistanz nicht überstehen, wenn wie in der Qualifikation permanent unter extremer Spätzündung Sprit verbrannt wird, um die Auspuffgase mit mehr Energie anzureichern. Außerdem würde der Benzinverbrauch exorbitant steigen.

McLaren mit Erfahrung ohne Abtrieb im Heck

Hamilton sieht darin einen Vorteil für McLaren: "Es ist möglich, dass wir auf Red Bull aufholen. Wahrscheinlich schon hier in Valencia. Es ist kein Geheimnis, dass Red Bull seine wahre Stärke immer erst im Q3-Abschnitt der Qualifikation zeigt, im Rennen dann wieder zurückfällt. Bei uns liegt der Qualifikationsmodus nicht so weit weg vom Rennmodus. Ab Silverstone wird es dann richtig spannend. Es ist schwer abzuschätzen, wer wie viel verliert, wenn alles verboten wird."

Hamilton erwartet auf jeden Fall mehr Arbeit im Cockpit. "Wir verlieren Stabilität beim Bremsen und vom Einlenk- bis zum Scheitelpunkt. Nur beim Beschleunigen wird sich nichts ändern. Wenn der Fahrer Gas gibt, fließen die Auspuffgase ja wieder." Dann macht der Sieger des GP China einen Scherz: "Ab Silverstone werden sich alle Autos so anfühlen wie unser McLaren bei den Wintertests. Jenson und ich haben also die größte Erfahrung damit."

Button und Schumacher erwarten Probleme für Vettel

Kollege Button sieht es genauso: "Mit der Regel, dass die Motoreinstellung zwischen Training und Rennen nicht mehr verändert werden darf, verlieren alle Spitzenautos in der Qualifikation. Ich bin überzeugt, dass es Red Bull am härtesten trifft. Damit sollten wir den Abstand auf sie im Training verkürzen können. Das bringt uns im Rennen in eine bessere Position. Wir werden noch mehr in der Lage sein, sie in Fehler zu hetzen."

Auch Schumacher sieht auf seinen Freund Sebastian Vettel Probleme zukommen. "Für die österreichische Variante ist es wahrscheinlich ein großer Schlag. Aber es wird die meisten Teams irgendwo betreffen", erklärte der Rekordchampion in Valencia.

Fernando Alonso ist sich nicht so sicher, dass die Regeländerung Red Bull plötzlich auf die Verliererstraße bringt. "Selbst wenn die Red Bull im Training etwas verlieren, werden sie immer noch vorne bleiben. Ihr Vorsprung war einfach zu groß. Das Auto ist so gut, dass sie mit kleinen Einbußen leben können."

Wie viel verliert Renault?

Red Bull-Technikchef Adrian Newey dagegen befürchtet, dass es die Teams am meisten trifft, die den Auspufftrick am besten beherrscht haben: "Das sind wir und McLaren. Auch Renault wird die Regeländerung zu spüren bekommen. Ihr ganzes Auspuffkonzept beruht darauf, die Auspuffgase permanent zu nutzen."

Nick Heidfeld macht sich deshalb noch keine Sorgen: "Wir blasen so weit vorne raus, dass es bei uns wahrscheinlich zu geringeren Balanceverschiebungen kommt als bei denen, die nur hinten in den Diffusor reinblasen und genau dort beim Gaswegnehmen Abtrieb verlieren."

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