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McLaren im Elend

"Wir werden zurückschlagen"

Jenson Button - GP England - Qualifying - 9. Juli 2011 Foto: xpb 50 Bilder

Die McLaren-Piloten starten von den Plätzen fünf und zehn. Der Traum von der ersten Startreihe und vom Heimsieg war schnell ausgeträumt. Die Regeländerungen rund um den Auspuff haben McLaren mehr getroffen als Red Bull. Teamchef Martin Whitmarsh gab sich kämpferisch: "Wir schlagen zurück."

09.07.2011 Michael Schmidt

Normalerweise veranstaltet McLaren am Tag der Qualifikation ein Frage/Antwortspiel mit den Pressevertretern. Diesmal war alles anders. Teamchef Martin Whitmarsh hielt eine Rede. So konnten seine Fahrer nichts Falsches sagen. Die Nummer eins von McLaren nahm seinen Rennstall in die Pflicht. "Es gibt keine Entschuldigungen. Wir waren zu langsam und sind enttäuscht von unserer eigenen Leistung."

Dann ging Whitmarsh ins Detail: "Es hat an diesem Wochenende viele Regeländerungen rund um den Auspuff gegeben. Egal, welche Regeln gerade gegolten haben, wir haben nicht gut genug reagiert. Wir wollen nichts schön reden. Für uns ist das ein Wochenende der Niederlage, was umso schmerzlicher ist, weil es vor unserem Publikum stattfindet."

McLaren gibt WM-Titel noch nicht auf

Doch der McLaren-Chef will sich nicht unterkriegen lassen: "Egal, welche Regeln in zwei Wochen am Nürburgring gelten, wir werden zurückschlagen. Auch wenn es im Augenblick ziemlich schwierig erscheint, Red Bull und Ferrari einzuholen. Es gibt kein Team in der Boxengasse, das besser und schneller das Ruder herumwerfen kann. Das haben wir oft genug bewiesen."

Noch will Whitmarsh die Titeljagd nicht aufgeben, aber er schränkt immerhin ein: "Diese Frage stellt sich für uns gerade nicht. Wir müssen erst einmal wieder Rennen gewinnen. Und wenn uns das gelingt, sehen wir weiter." Jenson Button applaudierte am Ende der Ansprache: "Eine schöne Rede, Martin. Winston Churchill hätte es nicht besser gekonnt."

Der Weltmeister von 2009 betrieb mit Rang fünf Schadensbegrenzung. "Die Position wäre noch erträglich", kommentierte Button. "Der Rückstand ist aber schon erschreckend groß." Button fehlen 1,5 Sekunden auf Mark Webbers Pole Position.

Falsche Reifenwahl für Hamilton

Lewis Hamilton fügte kleinlaut dazu: "Wir brauchen ein Wunder, um zu gewinnen. Vielleicht ein Wetterchaos wie im Training. Aber es ist nicht unmöglich." Der Ex-Champion in der Krise wurde nun bereits zum dritten Mal in dieser Saison von seinem Team genarrt. McLaren schickte Hamilton mit gebrauchten weichen Reifen auf den ersten Versuch im Top Ten-Finale. Als er zum Schluss einen frischen Satz aufziehen ließ, begann es zu regnen. Damit war Platz zehn festbetoniert. "Ganz klar unser Fehler", gab Whitmarsh zu.

Es ging schief, was schiefgehen konnte. Das Experiment mit dem neuen Heckflügel, der bei Flachstellung des Flaps mehr Top-Speed geben sollte, funktionierte nicht. Der Flügel wurde wieder eingepackt. Das Hin und Her von einer Flügelvariante zur anderen und das wechselhafte Wetter haben den Ingenieuren Zeit gestohlen, die beiden Autos optimal abzustimmen. Testfahrer Pedro de la Rosa sieht das nicht als Grund für die McLaren-Pleite: "Keiner der Fahrer hat sich über die Balance beschwert."

Keine Hoffnung auf Einigung zwischen den Teams

Es scheint eher so, dass McLaren am meisten von den Auspuffbeschränkungen betroffen ist. "Wir verlieren 30 bis 40 Punkte Abtrieb", gab Whitmarsh zu. Deshalb hofft der McLaren-Chef, dass die FIA am Sonntag die Regeln wieder auf den Stand von Valencia zurückstellt. Da wäre der Abtriebsverlust noch erträglich.

Die FIA verlangt dafür von den Teams Einstimmigkeit. Whitmarsh zweifelt: "Es wäre die fairste Lösung für alle, weil es nie gut ist, die Regeln mitten in der Saison zu ändern. Die Erfahrung sagt mir aber, dass in so einem Streitfall auch immer Eigeninteressen mitspielen." Da könnte er Recht haben. Sauber macht nicht den Eindruck, sein Veto zurückzuziehen.

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