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McLaren in Nöten

Kommt das alte Auto zurück?

McLaren Vergleich MP4-28 2013 Foto: xpb 22 Bilder

Es war ein böses Erwachen für McLaren. Die Vorjahressieger belegten die Plätze 9 und 11. Der Rückstand auf den Sieger betrug 81 Sekunden. Der neue MP4-28 ist ein Buch mit sieben Siegeln. Es funktioniert nur bei minimaler Bodenfreiheit. Dafür war Melbourne die falsche Strecke. McLaren schließt einen Rückgriff auf das alte Auto nicht mehr aus.

18.03.2013 Michael Schmidt

Was für ein Unterschied zum letzten Jahr. Da belegte McLaren-Mercedes die Plätze 1 und 3. Der MP4-27 war das beste Auto im Feld. Auch beim Saisonfinale 2012 in Austin und Interlagos. Nur zur Saisonmitte hatte McLaren einen Durchhänger, der sie den WM-Titel gekostet hat.

"Über weite Strecken des letzten Jahres", gibt Red Bull-Teamchef Christian Horner zu, "hatte McLaren das schnellere Auto als wir. Ich verstehe nicht, warum sie auf ein völlig neues Konzept gehen, und das im letzten Jahr eines auslaufenden Reglements." Die McLaren-Ingenieure antworten darauf, dass der alte MP4-27 ausgereizt war, und dass man nur mit einem Neuanfang und neuen Ideen gegen Red Bull eine Chance sah.

Button fehlten 81 Sekunden auf den Sieger

Bis jetzt ist der Plan nicht aufgegangen. Jenson Button fehlten im Training 2,9 Sekunden auf Sebastian Vettel. Im Rennen landete er 81 Sekunden hinter Sieger Kimi Räikkönen auf Rang 9. Etwas gnädiger fiel der Vergleich der schnellsten Rennrunden aus. Button fehlten 0,924 Sekunden auf Räikkönen. McLaren ist vom reinen Speed hinter Red Bull, Mercedes, Ferrari, Lotus, Force India und Sauber nur die Nummer sieben im Feld.
 
Über eine Renndistanz sieht es kaum besser aus. Die Fahrer fanden keinen Grip. Der neue McLaren generiert nur Anpressdruck, wenn er mit minimaler Bodenfreiheit gefahren wird. Das killt auf einer welligen Strecke wie Melbourne den mechanischen Grip und über die Distanz die Reifen. Teamchef Martin Whitmarsh gibt zu: "Wir haben schon bei den Testfahrten in Barcelona gemerkt, dass uns Traktion fehlt."

Noch nicht alle Probleme verstanden

Doch wie konnte Button dann am ersten Testtag in Jerez Bestzeit fahren? Die Antwort ist simpel und überraschend zugleich. Jerez besteht hauptsächlich aus flüssigen Kurven. Traktion ist dort zweitrangig. Das Auto wird generell tiefer abgestimmt als auf einem Straßenkurs. Und McLaren hatte noch dazu die Federn falschherum eingebaut, was das Fahrzeug hinten auf Block gehen ließ. Für Jerez zufällig die richtige Lösung.

Dazu war Button nur mit 20 Kilogramm Sprit unterwegs. Die Konkurrenz mit deutlich mehr. Möglicherweise wird McLaren in Sepang etwas besser dastehen als in Melbourne. Der GP-Kurs in Malaysia ähnelt mehr Jerez. Doch das ist keine Lösung. "Wir müssen die generellen Probleme des Autos lösen", fordert Whitmarsh. "Leider haben wir noch nicht alle verstanden."

Nach vier Rennen muss Entscheidung fallen

Whitmarsh nimmt kein Blatt vor den Mund: "Wir stecken in einer ernsten Situation. McLaren ist es gewohnt vorne zu fahren. Davon sind wir meilenweit entfernt." Sergio Perez tröstet sich mit der Historie dieses Teams. "McLaren war schon ein paar Mal in dieser Situation, und ist jedes Mal wieder herausgekommen." Zuletzt 2009 und 2011.
 
Lewis Hamilton lobt seinen ehemaligen Arbeitgeber: "Wenn es ein Team gibt, dass solche Probleme lösen kann, dann ist es McLaren." Viel Zeit bleibt McLaren allerdings nicht, wenn man im Kampf um die WM ein Wort mitreden will. Spätestens nach den vier Überseerennen muss die Entscheidung fallen, ob der MP4-28 weiterentwickelt oder der alte MP4-27 aus dem Museum geholt wird. "Das wäre wenig wünschenswert, aber vom Reglement her möglich", räumt Whitmarsh ein.

Technische Experimente sind typisch für McLaren

McLaren hat zuletzt 2008 einen Fahrertitel gewonnen. Die letzte Konstrukteurs-WM liegt schon 15 Jahre zurück. "Wir waren oft knapp dran. Das ist frustrierend", gibt Whitmarsh zu. Technische Experimente gehören zur Geschichte dieses Rennstalls. Auch diesmal trauten sich die Ingenieure unter Tim Goss an neue Konzepte.
 
Zum ersten Mal trägt ein McLaren die Nase hoch. Die Vorderachse wird mit Zugstreben betätigt. Von den Seitenkästen bis zur Heckpartie folgt der MP4-28 einer völlig neuen Linienführung. Die Hinterachse wurde angehoben und weist eine extreme Geometrie auf. Button stellte fest: "Dieser McLaren fährt sich völlig anders als der alte. Ich musste mich total umstellen."

Mit altem Auto in die Saison 2003

Wenn die Trumpfkarte des neuen Konzepts nicht spätestens ab dem Europa-Start in Barcelona sticht, ist dieses Experiment fehlgeschlagen. Dann muss der MP4-27 reaktiviert werden. McLaren kennt diese Schmach aus dem Jahr 2003. Da wurde der MP4-18 schon vor seinem ersten Renneinsatz ins Museum gestellt. Das mit einer neuen Technologie hergestellte Chassis war zu weich. Die unpopuläre Maßnahme hatte Erfolg. Mit dem modifizierten Vorjahresauto namens MP4-17D belegte Kimi Räikkönen hinter Michael Schumacher immerhin Rang zwei in der WM.

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