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McLaren M7A

Alu-Doppeldecker in Papaya-Orange

McLaren M7A Foto: Daniel Reinhard 15 Bilder

McLaren ist nach Ferrari das zweitälteste und zweiterfolgreichste Team der Formel 1. Zum 50. Jubiläum stellen wir Ihnen vier Formel 1-Autos von McLaren aus dieser Zeit vor. Den Anfang macht der M7A aus der Saison 1969. Das Auto trug die Handschrift des Firmenchefs.

09.02.2014 Michael Schmidt

Ferrari steht für Emotionen, für schlampige Genialität, für einen Mythos. McLaren hat ein anderes Profil. Kühle Präzision, makelloses Erscheinungsbild, Technik als Selbstzweck. Beide haben Formel 1-Geschichte geschrieben. Jeder auf seine Weise.
 
Ferrari feiert seine Siege mit Herzblut. McLaren mit orangefarbenen T-Shirts. Ferrari war von Anfang an dabei, stand 870 Mal am Start, gewann 221 Grand Prix. McLaren debütierte in Monaco 1966, zählt 742 WM-Starts und 182 Siege. Es ist eine Laune der Statistik, dass Ferrari ab dem Grand Prix, bei dem McLaren erstmals antrat, exakt gleich viele Siegerpokale in seine Vitrine stellte.

Vom Rennfahrer zum Rennstallbesitzer

Für die Engländer ist McLaren das Gegenstück zur Traditionsmarke aus Maranello. Obwohl Firmengründer Bruce McLaren aus Neuseeland stammt. Der einst jüngste GP-Sieger begann seine Karriere als Rennfahrer und eiferte dann Jack Brabham nach, der zu Beginn der 60er Jahre einen eigenen Rennstall gründete. Brabham und McLaren kannten sich aus gemeinsamen Tagen bei Cooper. McLaren baute ab 1963 seine Rennautos selbst. 1966 stieg er in die Formel 1 ein. Zwei Jahre später markierte der Chef selbst in Spa den ersten GP-Sieg für die Marke.

Am 2. Juni 1970 starb der rennfahrende Ingenieur bei Testfahrten in Goodwood. Nicht in einem Formel 1-Auto, sondern dem Typ M8D für die CanAm-Serie. Bei voller Fahrt hatte sich die Heckverkleidung gelöst. Das 650 PS starke Auto bekam Auftrieb und rammte einen gemauerten Unterstand für Streckenposten. McLaren war sofort tot. Es war bis heute der einzige Todesfall in einem Werksauto.
 
Der damalige Teammanager Tyler Alexander erinnert sich an die schwerste Stunde der noch jungen Firma. "Ich erfuhr die Nachricht in einem Hotel in Indianapolis. Wir waren damals in allen Rennserien präsent. Formel 1, Formel 2, Indy, CanAm. Bruces Witwe gab allen am Tag nach dem Tod ihres Mannes einen Tag frei. Trotzdem stand am nächsten Morgen jeder pünktlich zu Arbeitsbeginn in der Fabrik. Wir fühlten uns Bruce verpflichtet. Das war der Geist, der dieses Team beseelte. Wir haben nicht für Bruce gearbeitet, sondern mit ihm." Alexander war einer der ersten Angestellten der Firma. Er verließ 1980 McLaren, kehrte zehn Jahre später zurück und berät heute das Team.

Rennfahrer, Konstrukteur und Organisator

Bruce McLaren war ein guter, aber kein außergewöhnlicher Rennfahrer. Er wurde 1960 Vize-Weltmeister, schloss 1962 und 1969 als Dritter ab, gewann vier Grand Prix, 1966 zusammen mit Landsmann Chris Amon die 24 Stunden von Le Mans und zwei CanAm-Titel. Sein größtes Talent lag im technischen Verständnis, im Organisieren und in einer natürlichen Autorität.
 
Das Team nahm mit einer Mannschaftsstärke von 60 Angestellten gleichzeitig an vier Rennserien teil. An allen erfolgreich. Die lukrative CanAm-Serie mit offenen Sportwagen ohne Regelbeschränkungen wurde scherzhaft die "Bruce and Denny-Show" genannt. Denny stand für Denis Hulme, McLarens Kumpel und Nummer-eins Fahrer im Team. Es war ein Meisterstück, Menschen und Maschinen mit den damaligen Transportmöglichkeiten quer über den Globus zu den Renn- und Testeinsätzen zu jonglieren und überall mit der Entwicklung Schritt zu halten.

Die ersten zwei Jahre Formel 1 liefen für McLaren zäh an. Das lag hauptsächlich daran, dass es keine konkurrenzfähigen Kundenmotoren auf dem Markt gab. Bruce McLaren ärgerte sich mit Triebwerken von Ford, Serenissima und B.R.M. herum. Mit der Freigabe des Cosworth V8 für einen breiten Kundenstamm 1968 ging es für McLaren schnell bergauf. Der noch junge Rennstall gewann seine ersten drei Rennen. In Spa mit dem Chef am Steuer, in Monza und Mont Tremblant mit Denis Hulme im Auto. Das Team wurde 1968 Vize-Weltmeister.

Mit dem McLaren M7A in die Saison 1969

1969 lag die ganze Hoffnung auf dem Modell M7A, mit dem Bruce McLaren und Denis Hulme um die Weltmeisterschaft kämpfen wollten. Nur in den ersten zwei Rennen trat der M7A in der von uns gezeigten Doppeldecker-Version an. Nach dem GP Spanien wurden die hochbeinigen und vom Cockpit aus verstellbaren Flügel verboten. Der Frontflügel musste mit dem Chassis verbunden sein, der Heckflügel durfte den Überrollbügel nicht überragen. Aus dem M7A wurde der M7C. Parallel dazu setzte McLaren ein Vierradmodell ein. Der M9A floppte genauso wie seine artverwandten Brüder von Lotus und Matra.

McLaren achtete auf praxisnahe Konstruktion

Der Entwurf des Autos geht auf Robin Herd zurück, der das Team aber bereits verlassen hatte. Das Auto trug aber auch die Handschrift von Bruce McLaren, der bei allen Konstruktionen seine eigenen Ideen einbrachte. Sie waren meistens praxisorientiert. Als Firmenchef achtete er auf einfache Produktionsverfahren, als Rennfahrer auf Sicherheit, Flexibilität beim Setup und ein gutmütiges Fahrverhalten.

Das Jahr 1969 verlief nicht ganz so erfolgreich wie die Vorsaison. McLaren beendete die Saison mit 40 Punkten nur auf Rang 4 hinter Matra, Brabham und Lotus. Bruce McLaren wurde hinter Jackie Stewart und Jacky Ickx WM-Dritter, zwei Plätze vor seinem Teamkollegen Denis Hulme. Der Neuseeländer markierte auch den einzigen Sieg in dieser Saison. Er gewann das Saisonfinale in Mexiko.

Der McLaren M7A besteht aus einem Aluminium-Monocoque mit einem fast rechteckigen Querschnitt. Drei Querschotts sorgten für Steifigkeit. Vorne arbeitet die Aufhängung mit doppelten Dreieckslenkern und außenliegenden Feder/Dämpfereinheiten. Hinten stützt sich die Aufhängung oben auf einen Querlenker und unten auf einen A-Lenker ab. Je zwei Längslenker binden die Hinterachse an das Chassis an.

In der Aluminiumröhre sind drei Tanks mit einer Gesamtkapazität von 180 Litern eingelassen. Das Auto hat einen Radstand von 2.413 Millimetern. Vorne beträgt die Spurweite 1.524 Millimeter, hinten 1.499 Millimeter. Das Gewicht der A-Version betrug 566 Kilogramm. Die C-Version speckte um neun Kilogramm ab. 

auto motor und sport bekam exklusiv Zugang zu vier der wichtigsten Rennwagen aus der Firmengeschichte. In der Bildergalerie zeigen wir Ihnen den M7A in allen Details.

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