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McLaren-Mercedes

McLaren-Mercedes belügt sich selbst

Lewis Hamilton Foto: McLaren 32 Bilder

McLaren fixiert sich im Wettrüsten der Top-Teams zu sehr auf die angeblichen Flatterflügel von Red Bull. Die Engländer glauben, der WM-Spitzenreiter habe seit den schärferen FIA-Tests Federn lassen müssen. Wenn man sich da mal nicht täuscht.

01.10.2010 Michael Schmidt

Lewis Hamilton macht dicke Backen. Der Engländer wärmt in einem Gespräch mit der Bild-Zeitung das Frontflügel-Thema wieder auf und glaubt, dass sich seit den schärferen Belastungstests der FIA in diesem Bereich etwas zugunsten von McLaren geändert hat.

Hamilton vermutet Rückschritt bei Red Bull

Hamilton zitiert dabei Geschäftsführer Jonathan Neale, der vor dem Rennen in Singapur große Fortschritte bei McLaren lobte: "In Budapest hatten wir auf einer ähnlichen Strecke noch 1,7 Sekunden Rückstand auf die Red Bull. In Singapur waren es zwei Zehntel." Hamilton schließt daraus, dass sich der Red Bull RB6 eher zurückentwickelt, als dass der McLaren einen so großen Schritt nach vorne gemacht habe.

Da ist die Frage erlaubt: Belügt sich McLaren da nicht selbst? Adrian Newey bekräftigte in Singapur: "Die Modifikationen am Frontflügel und dem Unterboden haben nichts mit den neuen Tests der FIA zu tun. Die haben wir schon in Monza mit Leichtigkeit bestanden." Tatsächlich wurde der Unterboden von Red Bull in einem Bereich geändert, in dem die FIA gar nicht messen lässt. Ein neuer Splitter auf der Bodenplatte richtet kurz vor den Hinterrädern die Strömung neu aus.

Kein statischer Wert zum Beweis

Auch Red Bulls kleine Formkrise in Spa und Monza taugt nicht dazu, Hamiltons Theorie zu unterstützen. Diese beiden Schauplätze waren schon im Vorjahr die Angststrecken von Red Bull. "Diesmal waren wir im Vergleich zu 2009 deutlich stärker", erinnert Mark Webber. Der Flügeltrick von Red Bull, den auch Ferrari zu Teilen praktiziert, kann nach Meinung von Ross Brawn durch keinen statischen Test entlarvt werden. Weil sich der ganze Flügel erst nach hinten verdrehen muss, bevor die Fasern in der Karbonstruktur sich durch Druck verlängern können.

McLaren redet auch die eigene Leistung in Singapur schön. Hätte Sebastian Vettel ein problemfreies Training gehabt, wäre er eine hohe 1.44er Zeit in der Qualifikation gefahren. Das errechnete der Computer. Also acht Zehntel schneller als Lewis Hamilton. Die zwei Zehntel Unterschied, die Jonathan Neale anführt, sind nicht realistisch.

Im Rennen zeigte sich das wahre Gesicht. Jenson Button verlor in 61 Runden 30 Sekunden auf die Spitze. Trotz zweier Safety-Car-Phasen, in denen der Weltmeister einmal einen Fünfsekunden- und einmal einen 38-Sekunden-Rückstand geschenkt bekam. Buttons schnellste Rennrunde lag um 1,7 Sekunden über der von Alonso und 1,5 Sekunden über der von Vettel. Das erinnerte schon eher wieder an die Differenz von Budapest.

Wer bei Red Bull und Ferrari genau hingeschaut hat, sah auch da wieder den Flatterflügel. Nicht so extrem wie in Budapest, was aber daran liegt, dass die Kurven in Singapur langsamer sind und das Auto in den 90-Grad-Ecken nicht so stark rollt. Im Prinzip brachte Singapur in Bezug auf das Kräfteverhältnis keine neuen Erkenntnisse. Red Bull ist überall dort stark, wo mit viel Abtrieb gefahren wird, wo es auf die Traktion und schnelle Richtungswechsel ankommt oder wo flüssige Kurvenfolgen die Aerodynamik fordern.

Red Bull kann sich nur selbst schlagen

Der Ferrari F10 kann gut bremsen, gut beschleunigen, ist stark auf der Geraden und mag keine lang gezogenen schnellen Kurven, von denen es in Singapur keine gibt. McLaren profitiert von einem Setup für mittleren Abtrieb und einem Mix aus langen Geraden und schnellen Kurven - also Fehlanzeige in Singapur. Wird gute Traktion verlangt, schwächeln die chromfarbenen Autos, weil sie generell zu hart abgestimmt werden. Die Aerodynamik des MP4-25 funktioniert nur in einem schmalen Fenster.

Das Wettrüsten hat die drei Titelkandidaten zwar in allen Disziplinen etwas angenähert, aber am Ende entscheidet doch immer der Streckentyp, wer die Nase vorne hat. Flatterflügel hin oder her: Red Bull kann sich in Suzuka nur selbst schlagen. Und McLaren wird mit Ferrari wieder auf Augenhöhe fahren.

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