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McLaren-Mercedes

Keine radikalen Änderungen

Foto: Wolfgang Wilhelm 15 Bilder

Am Sonntag (1.3.) übernimmt Martin Whitmarsh offiziell das McLaren-Zepter von Ron Dennis. Im Interview erklärt der Brite zusammen mit Mercedes-Sportchef Norbert Haug, wie das Erbe weitergeführt werden soll.

27.02.2009

Können Sie beide die tägliche Zusammenarbeit nun beschreiben und wie sehr sie sich von der Zeit unterscheidet, ohne Ron Dennis als Teamchef von McLaren-Mercedes?
Haug: Wir arbeiten seit Anbeginn der Partnerschaft im Sommer 1994 - seit bald anderthalb Jahrzehnten also - erfolgreich im Trio. Daran wird sich jetzt soviel nicht ändern. Wir sind ein eingespieltes Team mit vollstem Vertrauen zueinander und können uns auf kürzestem Weg abstimmen. Und ein Formel-1-Team braucht extrem kurze Abstimmungswege zur richtigen Entscheidung, um erfolgreich zu sein.

Whitmarsh: Bis Ende Februar bleibt Ron ja noch Teamchef bei Vodafone McLaren Mercedes; in der Hinsicht hat sich also wenig geändert. Aber auch auf weitere Sicht erwarten weder Ron noch ich selbst durch unsere veränderten Rollen radikale Änderungen im Team. Zu Recht, könnte man sagen, denn Ron und ich haben die zentralen Unternehmensfragen stets gemeinsam diskutiert - kaum etwas geschieht, ohne dass der andere davon weiß. Davon abgesehen laufen die Dinge ja auch nicht so schlecht, dass Änderungen nötig wären. In vielerlei Hinsicht könnte man von einer 20-jährigen Übergangsphase sprechen - rechnen Sie also vor Melbourne nicht mit irgendwelchen radikalen Veränderungen!

Herr Whitmarsh, fürchten Sie nicht, dass Sie nicht aus dem Schatten von Ron Dennis treten könnten und lange Zeit mit ihm verglichen werden. Und wie können Sie, Herr Haug, den neuen McLaren-Teamchef in diesem Zusammenhang unterstützen?
Haug: Martin kennt das Geschäft seit über 20 Jahren aus dem Effeff. 15 davon arbeiten wir zusammen, Ron selbst hat als Chairman und CEO der McLaren Gruppe das größte Interesse daran, dass wir als Team Vodafone McLaren Mercedes erfolgreich sind. Es gibt hier kein Kompetenzgerangel sondern einen klar definierten Weg nach vorne, auf dem jeder stetig die von ihm zu erwartenden Schritte macht - und zwar mit Tempo.

Whitmarsh: Ron hinterlässt als Teamchef von McLaren ein übermächtiges Erbe. Mir ist vollkommen bewusst, dass es unglaublich schwer sein wird, sich daneben zu behaupten. Da ich Ron während seiner gesamten Karriere beruflich am nächsten gestanden habe, weiß ich vielleicht besser als jeder andere, wie schwierig es sein wird, denn ich habe ja gesehen, wie hart Ron arbeitet. Für den Sieg im nächsten Rennen hat er immer alles gegeben. Es wird unglaublich schwer werde - wenn ich das nicht so sehen würde, müsste ich mir Sorgen machen.

Es gibt eine besondere Beziehung zwischen Ron Dennis und Weltmeister Lewis Hamilton. Wie wollen Sie das kompensieren, da Ron Dennis auch nicht bei allen Rennen sein wird?
Haug: Wir alle haben ein prima Verhältnis zu Lewis, er war vor vier Jahren noch für zwei Jahre bei uns in Deutschland, als er in der Formel-3-Euroserie im DTM-Rahmenprogramm fuhr. Lewis ist seit über zehn Jahren in unserem Team, da kennt und schätzt man sich entweder extrem - oder man ist nicht mehr beieinander.

Whitmarsh: Ich durfte Lewis in seiner frühen Karriere intensiver beobachten als sonst irgendwer und weiß seit langem, wie außergewöhnlich talentiert er ist. Ich würde also sagen, dass meine  Beziehung zu Lewis enger ist als in der Vergangenheit zu anderen Fahrern. Ich kenne auch seinen Vater sehr gut, und ich glaube, dass Lewis seine tiefe Menschlichkeit aus seiner Familie bezieht. Ich glaube, er betrachtet auch dieses Team als einen Teil seiner Familie. Ich denke, er fühlt sich im Team sehr wohl, und ich habe eine fantastische Beziehung zu ihm.

Was haben Sie beide jeweils von Ron Dennis gelernt und worin unterscheiden Sie sich von ihm?
Haug: Wir sind alle drei verschieden, und das ist gut so. Stellen Sie sich vor, wir wären alle gleich! Was Ron, Martin und mich eint, ist der totale Einsatz für den Sieg und darüber hinaus eine echte Freundschaft zueinander. Ron ist extrem anspruchsvoll, aber - keine Angst - ich bin sicher, weder Martin noch ich wollen weniger.

Whitmarsh: Ich musste geduldig sein, denn ich bin ja schon sehr lange dabei. Ich bin 1989 zum Unternehmen gestoßen, und meine Beziehung zu Ron hatte ihre Höhen und Tiefen. Aber Ron hat sich mir gegenüber auch unglaublich großzügig gezeigt. Ich gebe das nicht gerne zu - nicht vor mir selbst und schon gar nicht gegenüber anderen, aber Ron hat mich über die Jahre geformt. Und ich denke auch ganz unbescheiden, dass ich ein offeneres Ohr bei ihm finde als jeder andere.

Wie gehen Sie mit der enormen Verantwortung um?
Haug: Das passt prima, Übung macht den Meister - in unserem Fall den Weltmeister, und das haben wir im letzten Jahr mit Lewis Hamilton geschafft. Und genau das wollen wir noch möglichst oft wiederholen. Wir alle im Team - nicht nur Ron, Martin und ich - arbeiten extrem hart und extrem begeistert dafür.

Whitmarsh: Man setzt sich klare Ziele und konzentriert sich voll und ganz auf die gerade anstehende Aufgabe - ob es darum geht, das Rennteam auf einen Sieg einzuschwören oder die Gruppe zu stärken, damit wir die aktuelle Rezession ungebremst durchstehen. Die Formel 1 ist nichts für schwache Nerven, und jeder bei Vodafone McLaren Mercedes lebt allein für den Gewinn von Rennen und Meisterschaften. In vielerlei Hinsicht ist meine Aufgabe als Teamchef recht klar definiert: Sieg in der Fahrer- und Konstrukteurs-Meisterschaft. Bei so hoch gesteckten Zielen bleibt wenig Zeit zum Nachdenken. Tatsächlich habe ich das ganze Ausmaß meiner neuen Rolle noch gar nicht vollständig realisiert - vielleicht fragen Sie mich also besser Ende des Jahres noch einmal!

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