Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

McLaren MP4-27 in der Technik-Analyse

Das Geheimnis der Auspuff-Beule

McLaren Vergleich MP4-26 vs. MP4-27 Foto: McLaren 27 Bilder

Mit dem McLaren MP4-27 ist das erste potenzielle Siegerauto ist auf dem Markt. Auch wenn die Ingenieure bei der Präsentation in Woking noch nicht alles gezeigt hat, lassen sich gewisse Trends erkennen. Wir versuchen dem neuen McLaren unter die silberne Haut zu schauen.

07.02.2012 Michael Schmidt

Täuschen und Tarnen gehört zum Geschäft. Die Präsentationsautos sind selten mit dem identisch, was bei den ersten Testfahrten auf die Strecke rollt. Und sie weichen stark von dem ab, was beim Saisonauftakt in Melbourne gezeigt wird. Wahrscheinlich sieht man im Saal nur die halbe Wahrheit. So verhält es sich auch beim neuen McLaren.

Der Frontflügel war alt, der Heckflügel neu. Die Nase bleibt wie sie ist. Sie trägt tatsächlich keine Delle und geht auf einer Höhe von 550 Millimetern direkt in die Chassisröhre Richtung Cockpit über. Dafür ist beim Auspuff Vorsicht angesagt. Das, was da als Endrohr aus einer Beule im Seitenkasten hervorlugte, war eine schlecht gemachte Imitation. Red Bull hatte sich einmal den Spaß erlaubt, die Auspuffmündung in Airbrush auf die Verkleidung zu pinseln.

McLaren MP4-27: Enthüllung in Woking 2:45 Min.

Man kann es McLaren nicht übelnehmen, dass sie sich beim Thema Auspuff bedeckt halten. Wenn sie jetzt schon die endgültige Lösung zeigen, würden sie die Konkurrenz mit der Nase drauf stoßen, welches Ersatzkonzept für den angeblasenen Diffusor sie verfolgen. Denn dort, wo der Auspuff schließlich hinzielen wird, erwarten die Ingenieure ganz offensichtlich die beste Kompensation für den im Heck verlorenen gegangenen Abtrieb. Und der wird gewaltig sein.

"Wir werden die Autos neu ausbalancieren müssen." prophezeit Jenson Button. Lewis Hamilton ergänzt: "Wenn es im Vorjahr ein Problem war vorne genug Anpressdruck zu generieren, wird es in diesem Jahr umgekehrt sein." Technikchef Paddy Lowe bedauert: "Die neuen Auspuffregeln zwingen uns in einen ganz engen Käfig. Er muss in einem bestimmten Bereich in einem bestimmten Winkel münden. Damit sind uns Grenzen gesetzt, wo wie die Auspuffgase hinleiten können."

Das ist neu am McLaren MP4-27:

Die Seitenkästen sind ein Rückgriff auf bekannte Formen. Vorne hoch, hinten tief, seitlich schräg abfallend, mit einem extrem frühen Einzug, aber nur einem dezenten Einschnitt auf der Unterseite. Die Ohrenform der MP4-26 Seitenteile hat ausgedient. "Sie war Teil des Konzepts des angeblasenen Diffusors", erklärt Lowe. "Da waren sie nützlich, weil sie die Strömung nach unten gezwungen haben. Mit der neuen Auspuffposition hätte diese Form der Seitenkästen keinen Sinn mehr gemacht."

Das fällt auf:

Der McLaren ist weiter ein großes Auto. Der Radstand wurde nur ganz dezent gekürzt. Die Länge erlaubt einen schmalen Tank und damit ein schmales Heck. Das war Pflicht, nachdem der Auspuff im Heck wesentlich weniger Anpressdruck beisteuern wird. Also ging McLaren den Red Bull-Weg. Eine schlanke Taille hinten garantiert die perfekte Strömung auf der Oberseite des Diffusors und einen störungsfreien Betrieb des unteren Heckflügelelements.

Statt dem Trend von Red Bull mit einer messerdünnen Schnauze zu folgen, fällt die McLaren-typische Nase mit dem Splitter darunter ziemlich massiv aus. Im Bereich der Vorderachse liegt das Chassis tiefer als bei anderen Autos. Damit strömt zwar weniger Luft unter der Nase durch, aber man ist freier bei der Gestaltung der Geometrie der Vorderachse und der Unterbringung von Federn und Dämpfern. "Da zählt nicht nur die Aerodynamik", mahnt Paddy Lowe. "Eine niedrige Nase bedeutet einen tiefen Schwerpunkt und Vorteile bei der Verwindungssteifigkeit."

Das gefällt uns am McLaren MP4-27:

McLaren verzichtet auf eine Delle im Vorderbau des Chassis. Der MP4-27 sieht im Profil nicht aus wie eine Ente oder ein Schnabeltier. Hoffentlich gewinnt er nicht nur einen Schönheitspreis. Was man an Luftdurchsatz unterhalb der Nase herschenkt, bekommt man durch eine Verringerung des Luftwiderstands und den tieferen Schwerpunkt vielleicht wieder zurück. Da diese Nase glatt in den Chassisrumpf übergeht, kennt man auch die Höhe der Chassisröhre. Sie liegt nicht viel höher als 550 Millimeter.

Andere sind in dem Bereich vor dem Cockpit auf der Maximalhöhe von 625 Millimetern. Mit den entsprechenden Konsequenzen. Beruhigend ist, dass McLaren damit keinen neuen Weg bestreitet. Die Aerodynamiker unter Simon Lacey arbeiten seit Jahren mit dem Prinzip der tiefen Nase und dem Splitter darunter, die die Strömung dorthin leitet, wo sie hin soll. An besagtem Splitter sind jetzt am Ende zwei Miniflügel angebracht, die für eine bessere Ausrichtung der Luft Richtung Unterboden sorgen sollen.

Das ist Standard:

Die Vorderradaufhängung arbeitet mit Druckstreben (Pushrods), die Hinterachse wie zuletzt üblich mit Zugstreben (Pullrods). Auch die weit gespreizte Basis der Hinterradaufhängung ist Standard. Das erlaubt ein schlankes Getriebe und schafft im Heck einen steifen Verbund. Die Airbox folgt dem Red Bull-Trend. Auch McLaren leitet die heiße Abluft von den Kühlern über eine Art Kanonenrohr am Ende der Motorabdeckung ab. Ansonsten ist das Heck komplett geschlossen.

Fazit:

Bis jetzt ist der neue McLaren noch keine Revolution. Eher eine Weiterentwicklung auf bewährter Technik mit neuen Prioritäten. Stärkung der klassischen aerodynamischen Hilfsmittel zu Lasten des Auspuffs und Optimierung mechanischer Eckpunkte wie Steifigkeit und Schwerpunkt.

Bis jetzt haben wir noch keinen Coup am Auto entdeckt, der in die Kategorie F-Schacht, Doppeldiffusor oder angeblasener Diffusor fällt. Aber das kann noch kommen. Warten wir auf die endgültige Auspuffposition. Jetzt sind wir auf den neuen Ferrari gespannt, der angeblich eine ganze Reihe neuer Denkansätze beinhalten soll. Das wäre die Umkehrung langjähriger Gesetzmäßigkeiten. Zuletzt war eher Ferrari als McLaren für konservative Technik verantwortlich.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden