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McLaren MP4-27 von 2012

Das letzte Siegerauto aus Woking

McLaren MP4-27 Foto: Daniel Reinhard 22 Bilder

Der McLaren MP4-27 war das schnellste Auto der Saison 2012. Trotz sieben Siegen reichte es am Ende aber nicht zum Titel. Das Team machte zu viele Fehler. Für uns hat der Chrompfeil dennoch einen Platz in der Serie der McLaren-Legenden verdient.

12.02.2014 Michael Schmidt

Als Lewis Hamilton 2012 mit dem McLaren MP4-27 den WM-Titel angriff, war die Ära Ron Dennis bereits beendet. 29 Jahre stand der Perfektionist an der Spitze der Firma und der Rennteams. In dieser Zeit holte McLaren zehn Fahrer- und sieben Konstrukteurs-Titel. Dennis verkaufte Teile des Geschäfts an TAG-Chef Mansour Ojjeh, an Mercedes und an einen Fonds des Bahrainischen Königshauses.

Als er es zu bunt trieb, musste er gehen. Dennis legte sich mit Bernie Ecclestone und der FIA an, er zahlte Rekordstrafen, überwarf sich mit Fahrern, Ingenieuren und Motorherstellern und war eine Zeitlang ein König ohne Reich.

2009 trat er die Exekutive an Martin Whitmarsh ab. Auf eigenen Wunsch, sagt er. Es gab Stimmen, die behaupten, die anderen Teilhaber hätten ihn dazu gedrängt. Der Mut nach der Trennung von Mercedes einen Sportwagen in vier Modellvarianten für die Straße zu bauen, mit eigener Chassisplattform, Motor, Entertainment und Elektronik, hätte McLaren fast das Genick gebrochen. Jetzt laufen die Geschäfte besser, vor allem in den USA und in Asien.

Whitmarsh sollte das Rennteam reformieren

Martin Whitmarsh stieß 1989 von British Aerospace zu McLaren. "Ich wollte in eine kleinere Firma wechseln, die etwas mit Technik zu tun hatte. Bei British Aerospace durchlief ich die übliche Manager-Karriere quer durch das ganze Unternehmen. McLaren war eine attraktive Option."

Whitmarsh warf Dennis als erstes vor, er könne nicht delegieren. "Ron behauptete natürlich das Gegenteil. Als 1994 wieder Tankstopps zu gelassen wurden, wollte Ron unbedingt der Mann am Lollipop sein. Ich sagte, dass es nicht der richtige Job für einen Teamchef sei. Er sah das ein, und beauftragte mich, das Rennteam zu reformieren."

McLaren geht Risiko in Sachen Technik

Whitmarsh setzte das Erbe seiner Vorgänger nahtlos fort. Er trieb seine Ingenieure an, den Vorsprung durch Technik zu suchen. Der F-Schacht 2010 ist ein Beispiel dafür, dass McLaren Vorreiter spielte. Er wurde wie so Vieles verboten. Am härtesten traf Whitmarsh das Verbot der aktiven Aufhängung Ende 1993. "Wir hatten das erste echte aktive Fahrwerk. Das von Lotus und Williams war nur eine Niveauregulierung. Ferrari drohte auszusteigen, wenn die FIA diese Technik nicht verbannt. Nur weil sie selbst damit nicht klar gekommen sind."

Auch unter Whitmarsh kämpfte McLaren an der Spitze. Aber es fehlten die Titel. McLaren wurde zwei Mal Dritter und zwei Mal Zweiter. 2009 und 2011 fielen die Techniker mit ihrer Experimentierfreudigkeit auf die Nase. Beide Male konnten sie ihre Fehler korrigieren, doch der Umschwung kam zu spät, um bei der Titelvergabe noch mitreden zu können.

2013 schafften die McLaren-Ingenieure die Kehrtwende zum ersten Mal nicht. Der Rennstall aus Woking landete nur auf dem fünften WM-Platz. Ohne Sieg, ohne einen Platz auf dem Podium. Es war die schlechteste Saison seit 1980. Für Whitmarsh der Todesstoß. Ron Dennis putschte sich an die Spitze zurück, indem er chinesische Investoren fand, die Mansour Ojjeh und den Bahrainis die Anteile abkaufen wollen. Der Staatsstreich ist aber erst perfekt, wenn die Chinesen bezahlen. Wenn nicht, dann hat Dennis ein Problem.

McLaren MP4-27 war das beste Auto 2012

Der beste McLaren der Neuzeit war der MP4-27 aus der Saison 2012. Die Ingenieure in Woking blieben sich treu und bauten das andere Auto. Mit tiefer Nase ohne Stufe im Chassis. Mit einem Auspuff, der aus einem Schacht in den Seitenkästen auf die Diffusorspalte blies. Mit einem langen Radstand, der im Heck einen extremen Flaschenhals ermöglichte.

McLaren dominierte den Saisonauftakt, fiel dann in ein Loch, weil man die Reifen nicht verstand, erholte sich aber zu Saisonmitte. Nase, Seitenkästen und Hinterachse wurden neu gestaltet. Zwei Ausfälle in Singapur (Differential) und in Abu Dhabi (Benzinpumpe) vereitelten schließlich alle Titelhoffnungen.

McLaren-Schussspurt kommt zu spät

In der zweiten Saisonhälfte löste McLaren den Red Bull RB8 als bestes Auto im Feld ab. Der MP4-27 produzierte den meisten Abtrieb auf dem klassischen Weg, und er war im Gegensatz zum Red Bull nicht so stark von der Mithilfe der Auspuffgase abhängig. Zwei Siege zum Saisonende unterstrichen die Qualitäten des Autos. Doch mit insgesamt zehn Ausfällen wird man nicht Weltmeister. Mit 10.872 Kilometern landete McLaren nur auf Rang 7 der Zuverlässigkeitstabelle.

Ein Jahr später hatte McLaren das verlässlichste Auto. Mit dem Makel, dass es zu langsam war. Red Bull-Teamchef Christian Horner gab zu: "McLaren hat 2012 den Titel verloren. Wir haben ihn nur gewonnen, weil wir das bessere Team waren."

Korrektur: Wir hatten hier ursprünglich geschrieben, dass Hamiltons den Titel durch 2 Fehler endgültig abschreiben musste. Bei den Ausfällen in Abu Dhabi und Singapur handelte es sich aber um Technik-Defekte. Wir bitten um Entschuldigung.

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