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McLaren MP4-28 für die F1-Saison 2013

Das kalkulierte Risiko

McLaren MP4/28 F1 2013 Foto: xpb 63 Bilder

Der neue McLaren MP4-28 ist eine Evolution mit einigen Revolutionen. Die Ingenieure sprechen von kalkuliertem Risiko. Jenson Button und Sergio Perez sind guter Dinge, dieses Jahr um den Titel fahren zu können. Wir haben die ersten Bilder.

04.02.2013 Tobias Grüner

Am Anfang der Präsentation des neuen MP4-28 stand ein Film. Erzählt wurde eine fiktive Geschichte aus der Vergangenheit. Firmengründer Bruce McLaren sprach über sein Leben und seinen Tod am 2. Juni 1970 in Goodwood. Der vierfache GP-Sieger, der bei Testfahrten mit seinem CanAm-Auto starb, verpackte seine viel zu kurze Karriere in die Message: "Sei nie zufrieden mit den was du hast." Das soll auch das Motto seiner Erben sein. Der Rennstall des Neuseeländers wird am 2. September diesen Jahres 50 Jahre alt.

Show mit McLaren-Ikonen

Teil zwei der McLaren Jubiläums-Show erzählte die Geschichte des Teams anhand echter Autos. Die Meilensteine von McLaren fuhren in der Fabrik in Woking vor. Sie kamen über die Zufahrt am Ufer des künstlichen Sees herangefahren und wurden dann in die Empfangshalle am verhüllten McLaren MP4-28 vorbei in eine provisorische Startaufstellung gestellt.

Vorneweg jener McLaren M8D, in dem Bruce McLaren den Tod fand. Dann der McLaren M23, der mit Emerson Fittipaldi und James Hunt die ersten beiden WM-Titel für den Rennstall gewann. Gefolgt von dem legendären McLaren MP4-4 von 1988, der in 15 von 16 Grand Prix siegreich war, dem ersten Straßenauto von McLaren, dem MP4-13, der Mika Häkkinen 1998 zum Weltmeister machte und dem MP4-23 aus dem Jahr 2008, in dem Lewis Hamilton die letzte Weltmeisterschaft nach Woking holte.

Ganz zum Schluss kamen Jenson Button und Sergio Perez in zwei aktuellen Straßenrennern - dem MP4-12C Spider und dem Supersportler P1 - in die Lobby gerollt.

Button Perez McLaren Präsentation Woking 2013
Vorstellung McLaren MP4-28 in Woking 16:02 Min.

McLaren MP4-28 markiert das Ende einer Ära

Der McLaren MP4-23 von 2008 war der Kontrapunkt zum 2013er Modell, das wenige Minuten später unter einer weißen Decke zum Vorschein kam. 2008 war das letzte Jahr mit den alten Flügelproportionen. Damals waren die Autos noch mit Finnen, Leitblechen und Winglets vollgeflastert. Gegen den extremsten aerodynamischen Auswuchs der GP-Historie sieht der McLaren MP4-28 beinahe nackt aus.

Und doch hat er mit seinem fünf Jahre alten Vorgänger etwas gemeinsam. Er markiert das Ende einer Ära. 2014 wird alles anders. Und genau darin liegt der Reiz dieser Saison, wie McLaren-Geschäftsführer Jonathan Neale erklärte: "Gehst du im letzten Jahr eines Reglements den konservativen Weg und baust eine Evolution oder versuchst du etwas Neues? Wir haben den Mittelweg gewählt. Das neue Auto birgt Risiken in sich, aber die sind wohl kalkuliert."

Kleine Revolutionen am McLaren MP4-28

Wer sich den McLaren MP4-28 genauer anschaut, der sieht mehr Revolution als Evolution. "Wir hatten zum Saisonende des schnellste Auto, geben uns aber damit nicht zufrieden. Deshalb haben wir einige neue Ideen einfließen lassen. Die Windkanaldaten sagen uns, dass dieses Auto schon wieder schneller ist", erzählt McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh stolz.

Fünf Eckpunkte sind völlig neu an diesem McLaren. Die Nase ist höher als im letzten Jahr. Sie vermissen die Stufe? Sie ist da, nur sie sehen sie nicht. McLaren zog die Option, die Mulde mit einer Blende aufzufüllen. Die Vorderradaufhängung folgt der Ferrari-Idee. Pullrod statt Pushrod, nur noch extremer. Die Zugestrebe steht fast waagrecht zwischen den beiden Querlenker-Ebenen.

Die Seitenkästen folgen ebenfalls einer neuer Form. Die Kühleinlässe sind kein Briefkastenschlitz mehr, sondern haben die Form von Ohren. Die Oberseite der Seitenteile fällt in einer Linie bis zum Coanda-Auspuff hin ab, der wie beim 2012er Modell aus einer Beule in den Seitenkästen bläst. Damit folgt McLaren nicht der Red Bull-Philosophie, bei der die Auspuffgase auf die Seitenkästen blasen und so zu ihrem Bestimmungsort geführt werden.

Die Ingenieure um Tim Goss und Neil Oatley wollten die Flaschenhalsform im Heck nicht aufgeben. Tatsächlich ist ihnen etwas gelungen, was man bis jetzt an noch einem Auto gesehen hat. In Bodennähe endet das Auto unterhalb der Hinterradaufhängung mit einer Kufe. Kein Auto ist hinten schlanker.

Auch die Hinterradaufhängung selbst ist neu. Ähnlich wie beim Red Bull stark nach vorne gepfeilt. Der untere Querlenker und die Antriebswelle sind unter einem Flügelprofil versteckt. Der neue Ansatz: Der obere Querlenker geht erst nach 20 Zentimetern in ein Dreieck über. Der Ansatz zum Radträger ist eine große breite Fläche. Das verbessert die heikle Umströmung der Hinterräder.

Präsentation ohne Technikdirektor

Technikdirektor Paddy Lowe fehlte bei der Präsentation seines neuen Babies. Laut Martin Whitmarsh war es der Wunsch von Lowe, der Veranstaltung fernzubleiben. Man hätte ihn nur danach gefragt, ob er zu Mercedes wechselt. Whitmarsh gab eine Antwort, die vieles offen lässt. "In diesem Jahr ist er noch bei uns. Die weitere Zukunft ist noch nicht klar."

Jenson Button kam gut erholt aus einem langen Urlaub. Der Veteran im Team überließ den Großteil der Arbeit seinem neuen Teamkollegen. Und der lernte gleich einmal kennen, was es heißt ein McLaren-Fahrer zu sein. "Ich war 15 bis 20 Tage im Simulator und habe so viel gearbeitet wie noch nie in meinem Leben", gab Perez zu.

Sonderschichten im McLaren-Simulator

Der Mexikaner muss vieles neu lernen. "Von Sauber war ich Simulatorfahren nicht gewohnt. Ich musste erst einmal herausfinden, wie man dieses Werkzeug optimal nutzt. Dann ging es daran, das neue Auto kennenzulernen. Ich muss sagen, dass es von seiner Charakteristik völlig anders ist als das was ich bisher kannte."

Deshalb will Perez keine Aussage treffen, ob Pirellis neue Reifen seinem weichen Fahrstil entgegenkommen. "Das ist für mich keine Garantie, weil ich den McLaren noch zu wenig kenne. Der Sauber war jedenfalls ein Auto, das sehr freundlich mit seinen Reifen umging."

Whitmarsh schob hinterher: "Wir hoffen, dass nicht nur der Sauber dafür verantwortlich war." Jenson Button ist sich dagegen sicher, dass ihm Pirelli einen Gefallen getan hat. "Schneller aufwärmen, stärker verschleißen, das hört sich aus meiner Sicht gut an. Das sollte meinem Fahrstil entgegenkommen."

Mit Volldampf Richtung WM-Titel

Obwohl McLaren mit Lewis Hamilton seinen Starpiloten verloren hat, ist der WM-Titel Pflicht. "Wir hatten letztes Jahr am Anfang und am Ende der Saison das beste Auto, haben sieben Rennen gewonnen und trotzdem den WM-Titel verfehlt. Das ist unbefriedigend", bilanzierte Whitmarsh.

Sportdirektor Sam Michael ist der gleichen Meinung. "Fünf bis sechs Rennen waren wir nicht konkurrenzfähig. Bei allen anderen Grand Prix konnten wir vorne mitfahren. Wir haben das Potenzial des Autos aber nicht voll ausgeschöpft, sei es durch Fehler bei den Boxenstopps, bei der Strategie oder durch zu viele Defekte."

Darauf hat McLaren reagiert. Eine Task Force hat ein halbes Jahr lang alle Fehler analysiert und darauf reagiert. "Wir haben unsere Arbeitsprozeduren modifiziert", verrät Michael. "Einige Fehler passierten, weil die Prozeduren nicht ordnungsgemäß befolgt wurden, andere, weil die Prozeduren schwer einzuhalten waren. Das haben wir abgestellt."

Laut Whitmarsh braucht man nicht einmal das beste Auto, um Weltmeister zu werden. "Alonso und Ferrari haben es uns letztes Jahr vorgemacht. Sie hatten sicher nicht das beste Auto, aber sie haben am meisten daraus gemacht."

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