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McLaren MP4-4 aus der F1-Saison 1988

Das beste Formel 1-Auto aller Zeiten

McLaren MP4-4 Foto: Daniel Reinhard 19 Bilder

Der McLaren MP4-4 war das erfolgreichste Formel 1-Auto aller Zeiten. Es gewann 15 von 16 Rennen. Wer einen Geheimtrick vermutete, sucht vergeblich. Der MP4-4 vereinte einfach nur viele gute Konstruktionsprinzipien. Das Auto stand Pate für die Ära von Teamchef Ron Dennis.

11.02.2014 Michael Schmidt

Die Entwicklung des McLaren MP4-4 für die Formel 1-Saison 1988 hat eine lange Vorgeschichte. Von 1978 bis 1980 steckte McLaren noch in einer tiefen Krise. Zwischen dem GP Japan 1977 und dem GP England 1981 gewann der Rennstall aus Woking kein Rennen. Das kostete Teamchef Teddy Mayer den Kopf.

Hauptsponsor Marlboro installierte als Nachfolger Ron Dennis, einen ehemaligen Mechaniker, der zum Teamchef in der Formel 2 aufgestiegen war, sich gut verkaufen konnte und im Gegensatz zu Mayer den Mut zur Veränderung hatte. Dazu eine Portion Größenwahn, die ihm als Arroganz ausgelegt wurde.

Das Beste war für Dennis gerade gut genug

Dennis spürte, was McLaren brauchte. Mit John Barnard einen Star-Konstrukteur. Mit Niki Lauda, Alain Prost und Ayrton Senna die Besten im Cockpit. Mit Porsche, Honda und Mercedes globale Motorenpartner. Und immer ein blitzblankes Auftreten, das Sponsoren und Autokonzerne gleichermaßen beeindruckte. Dennis konnte überzeugen, motivieren und vorausdenken. Er liebte Planung und hasste Improvisation.

Das McLaren Technology Center, kurz MTC, ist seine Visitenkarte, erkennt Nachfolger Whitmarsh neidlos an. Das Weltraumlabor der Formel 1 entstand nach Plänen von Star-Architekt Sir Norman Foster auf dem Gelände einer Straußenfarm. "Ron hatte den Wunsch, diese einzigartige Fabrik genau dorthin zu stellen. Das MTC ist sein persönlicher Triumph. Als ich erfuhr, dass es 360 Millionen Pfund kosten würde, sagte ich zu Ron, dass es verrückt sei, so viel Geld in eine Fabrik zu versenken. Aber es ist heute unser Symbol."

Die MP4-Baureihe steht für Ron Dennis

Die Ära des Ron Dennis wurde auch in der Typologie der Autos verewigt. Ab 1981 trugen alle McLaren das Kürzel MP4. Das M stand für Hauptsponsor Marlboro, das Kürzel P4 für Project 4. McLaren war nicht nur das vierte Motorsport-Projekt von Dennis, sondern auch das erste, das erfolgreich war.

John Barnard entdeckte mit Kohlefaser einen neuen Werkstoff für die Formel 1. Es war kein unbekanntes Material. Brabham hatte in den 70er Jahren damit begonnen, Bremsscheiben aus Karbon fertigen zu lassen. Der Rennstall von Hill baute 1975 seine Heckflügel-Stützen aus Kohlefaser. Doch niemand zuvor traute sich an ein so komplexes Gebilde wie ein Chassis aus Kohlefaser heran. Barnards Experiment war sofort von Erfolg gekrönt. John Watson gewann den GP England 1981. Und er überlebte einen mörderischen Unfall in Monza ohne einen Kratzer.

Nach drei Titeln mit Porsche kam Honda

Zum großen Durchbruch fehlte McLaren nur noch der Motor. Gegen die Turbos hatte der McLaren MP4 mit seinem Cosworth V8 keine Chance. Ron Dennis fand in Mansour Ojjeh einen Partner, der ihm die Entwicklung des Porsche V6-Turbo finanzierte. Niki Lauda und Alain Prost holten damit die WM-Titel 1984, 1985 und 1986.

Doch schon 1986 war klar, dass der Weg zum Erfolg in der Zukunft nur über Honda führen würde. Die Japaner stürmten die Formel 1 mit einem unbeschreiblichen Einsatz an Mensch und Material und waren damit genau der richtige Partner für Ron Dennis. Der McLaren-Chef zog die Japaner auf seine Seite. Ein doppelter Erfolg, denn Honda gab Konkurrent Williams einen Korb.

Nur im Technikbüro lief es nicht nach dem Wunsch von Ron Dennis. Er lebte sich mit seinem Star-Konstrukteur John Barnard auseinander. Ex-Brabham-Konstrukteur Gordon Murray ersetzte den kapriziösen Engländer.

McLaren MP4-4 von Beginn an überlegen

Für das Jahr 1988 stellte Dennis das ultimative Formel 1-Team auf die Beine. Mit Alain Prost und Ayrton Senna hatte er die beste Fahrerpaarung im besten Auto. Der McLaren MP4-4 aus der Feder von Gordon Murray, Steve Nichols und Neil Oatley war erst spät fertig geworden. Doch schon nach den ersten Testfahrten in Imola war klar, dass McLaren-Honda ein Wunderauto gelungen war. Senna und Prost fuhren zwei Sekunden schneller als der Rest. Das setzte sich in der Saison fort.

Der MP4-4 erwies sich als unschlagbar. Es brauchte schon Jean-Louis Schlesser um den totalen Erfolg zu verhindern. Der Williams-Aushilfsfahrer erlöste die Formel 1 in Monza von der drückenden Überlegenheit einer Marke. Prost war mit Motorschaden ausgefallen. Honda bekam Panik und wies Senna an, im Schongang ins Ziel zu fahren. Von hinten rückten die beiden Ferrari von Michele Alboreto und Gerhard Berger immer näher. In der vorletzten Runde stand Schlesser zum Überrunden an. Senna startete einen überhasteten Überholversuch und stolperte dabei über den Williams.

Honda baut Spezial-Motor für den McLaren MP4-4

Was machte den McLaren MP4-4 so gut? Der Motor: Honda machte sich als einziger Hersteller die Mühe, für das letzte Jahr der Turbo-Ära einen neuen Motor zu bauen. Der Ladedruck war auf 2,5 bar beschränkt, der Spritverbrauch auf 150 Liter für eine Renndistanz. Ferrari stand mit seinem modifizierten Vorjahres-Triebwerk auf verlorenen Posten. Honda schlug Ferrari über den besseren Spritverbrauch. Die Japaner holten 680 PS aus ihrem kastrierten V6-Turbo.

Mit dem McLaren MP4-4 perfektionierte Gordon Murray das Konzept, das 1986 bei Brabham floppte. Der McLaren duckte sich flacher als alle anderen Autos über dem Asphalt. Das reduzierte die Stirnfläche und half dem Benzinverbrauch. Die Aufhängungen waren extrem gespreizt und auf maximale Steifigkeit ausgelegt. Die ausgeprägte Flaschenhalsform bot maximalen Abtrieb im Heck. Stabiler Anpressdruck erlaubte große Federwege, was für ein gutmütiges Fahrverhalten sorgte. Ein halb aktives Differential sorgte für die perfekte Traktion.

Im MTC in Woking durfte auto motor und sport dem McLaren MP4-4 aus der Nähe betrachten und fotografieren. Das Ergebnis finden Sie in der Bildergalerie.

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