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McLaren-Präsentation

Ein Auspuff aus Plastik

McLaren MP4-27 2012 Foto: xpb 27 Bilder

Es gibt drei Stufen von neuen Rennautos. Das Präsentationsauto, das im Internet oder auf der Bühne gezeigt wurde. Das Jerez-Auto, das diese Woche auf die Teststrecke geht. Und das Melbourne-Auto für den Saisonstart. Bei den Präsentationsautos blieben die Feinheiten verborgen. Der McLaren-Auspuff zum Beispiel war aus Plastik.

05.02.2012 Michael Schmidt

Mit dem neuen Williams wird am Dienstag die erste Präsentationswelle abgeschlossen sein. Dann sind neun der zwölf neuen Autos für die Formel 1-Saison 2012 gezeigt. Doch in Jerez geht es wieder von vorne los. Wohl selten zuvor wurde bei der Vorstellung der Modellneuheiten so wenig gezeigt wie diesmal.

Es hat schon seinen Grund, warum viele Teams ihre Neuheiten vor der ersten Testfahrt nur noch im Internet zeigen. Da kann man das Auto so fotografieren oder filmen, dass die entscheidenden Dinge verborgen bleiben. Wer auf einer Bühne präsentiert, muss Dinge weglassen. Oder geschickt verkleiden.

Formel 1-Teams spielen Versteckspiel

Selten zuvor wurde die erste Testwoche nach der Winterpause mit so viel Spannung erwartet. Erst am Ende dieser Woche lässt sich erahnen, was sich die Ingenieure wirklich ausgedacht haben. Der Grund für die Geheimnistuerei liegt auf der Hand. Die FIA hat den Technikern ein mächtiges Spielzeug weggenommen.

Der angeblasene Diffusor hat je nach Machart eine bis zwei Sekunden pro Runde gebracht. McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh verriet auto motor und sport, dass es im Fall des letztjährigen McLaren sogar bis zu drei Sekunden waren, die da vom Anblasen des Diffusors mit den Auspuffgasen gewonnen wurden.

Die neue Auspuffposition und die Einschränkungen im Motormanagement werden den Auspuff aus Sicht der Aerodynamiker nicht ganz überflüssig machen, aber doch in seiner Wirkung stark beschneiden. Whitmarsh schätzt: "Wir müssen uns 80 Prozent auf anderen Gebieten zurückholen." Und genau darin liegen die Geheimnisse der neuen Autos.

Wer findet die besten Tricks?

Jeder will wissen, ob einer mit neu gestalteten Flügeln, Seitenkästen, Unterböden den großen Zaubertrick gefunden hat, der den Auspuff ersetzt. Und jeder interessiert sich dafür, was die Teams mit dem Auspuff noch machen, denn er verliert ja nicht zu hundert Prozent seinen Einfluss auf die Aerodynamik. "Die Auspuffgase sind nun mal da, also werden sie auch genutzt", sagt McLaren-Technikchef Paddy Lowe.

Das Wie ist das Ei des Kolumbus. Denn aus der Ausrichtung der Endrohre kann der kundige Beobachter schließen, welches Aerodynamikkonzept der Gegner verfolgt und wo er glaubt, dass er am meisten von der verloren gegangenen Auspuffwirkung zurückholt. Da will natürlich keiner zu früh zu viel preisgeben.

McLaren-Auspuff aus Plastik

Deshalb sind alle Auspufflösungen, die man bislang auf Fotos oder an Präsentationsmodellen erkennen konnte, ein mehr oder weniger gutes Täuschungsmanöver. Whitmarsh gab gegenüber auto motor und sport zu: "Unser Auspuff war aus Plastik. Sie werden diese Komponenten in dieser Form nicht wieder sehen."

Da darf man sich nicht einmal sicher sein, ob beim Rennstreckenauto überhaupt noch jene Beule im hinteren Bereich der Seitenkästen ankommen wird, in der die Plastikendrohre zu sehen waren. Bei Ferrari sah man eine ähnliche Ausbuchtung, aber überhaupt keine Auspuffmündung. Auch hier müssen wir bis Jerez warten.

Bei Force India konnte man die Endrohre dagegen klar und deutlich erkennen. "Die großen Teams haben das entsprechende Budget, um diese Extrateile nur für die Präsentation herzustellen", klagt Sportdirektor Otmar Szafnauer. "Bei uns ist das Präsentationsauto sicher ein gutes Stück näher an der endgültigen Version als bei McLaren und Ferrari."

In Jerez ist endlich Schluss mit dem Versteckspielen. Martin Whitmarsh kündigt an: "Das neue Auto wird in Jerez anders aussehen als letzte Woche, und es wird beim Saisonauftakt in Australien sehr viel anders aussehen. Wir spulen am Wochenende in Idiada (Spanien) einen Aero-Test ab, bei dem wir eine Reihe von neuen Teilen am Auto haben, die in Woking noch nicht am Auto waren."

Auspuffgase zielen auch weiter auf Flügel

Einen Tipp will Whitmarsh nicht geben. Nur so viel: "Die Auspuffrohre müssen gemäß den Regeln in beträchtlicher Höhe liegen und nach oben zielen. Trotzdem kann man den aerodynamischen Effekt des Auspuffs nicht verbieten. Es ist jetzt die Frage, wie man aus weniger das Maximum herausholt. Man wird die Auspuffgase auf aerodynamische Flächen blasen lassen, ob das nun der untere Heckflügel oder irgendwelche Zwischenflügel sind, werden wir schon bald sehen."

McLaren hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Man will bis zum Saisonbeginn den Abtriebsverlust wieder komplett wettgemacht haben, den die Beschränkungen rund um den Auspuff gekostet haben. Aus dem Team hört man, dass der bisherige Entwicklungsverlauf gute Hoffnung gibt, dieses Ziel zu erreichen.

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