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McLaren, Sauber und Williams

Formel 1-Sorgenkinder im Abseits

Perez - McLaren - GP Kanada 2013 Foto: ams 36 Bilder

McLaren, Williams und Sauber haben einen Fehlstart in die neue Saison hingelegt. Trotz zahlreicher Umbaumaßnahmen an den Autos hat sich nichts bewegt. Beim GP Kanada gingen alle drei leer aus. Die Entwicklung für 2014 steht vor der Tür. Man muss davon ausgehen, dass keiner der drei mehr die Kurve kriegt.

13.06.2013 Michael Schmidt

McLaren, Sauber und Williams eint ein Schicksal. Alle drei Teams haben es im letzten Jahr eines auslaufenden Reglements mit einem alternativen technischen Konzept probiert, und alle drei haben bitter dafür bezahlt. McLaren liegt mit 37 Punkten auf Rang 6 in der Konstrukteurs-Wertung. Siege, ja sogar ein Podium sind in weite Ferne gerückt. Es könnte das erste sieglose Jahr seit 2006 werden.

Schlimmer noch. Es droht die schlechteste Saison seit 1980. Da landete McLaren ohne einen Sieg mit 11 Punkten auf Platz 7. Ein Jahr später wurde man zwar auch nur Sechster, aber der Trend zeigte mit dem MP4, dem ersten Kohlefaserauto der Geschichte schon wieder steil nach oben. John Watson hatte wenigstens den GP England gewonnen. Davon ist McLaren derzeit meilenweit entfernt.

Sauber trifft die Krise finanziell

Auch Sauber muss weit zurückblicken, um eine ähnlich schlechte Saison zu finden. Im Jahr 2000 landete die Truppe aus Hinwil mit 6 Punkten auf Rang 8 der Konstrukteurs-WM. Nach dem heutigen Punktesystem entspricht das ungefähr 15 Zählern. Das Schweizer Team wurde 2010 zwar auch nur Achter, aber wenigstens mit 44 Punkten. Nach einem Drittel der Saison sind erst fünf Zähler auf dem Konto. Selbst Optimisten zweifeln, dass es noch so viele wie vor drei Jahren werden.

Bei Williams sieht es ganz düster aus. Sieben Rennen, null Punkte. Erinnerungen an 2011 werden wach. Damals landete man mit 5 Punkten auf Platz 9. Williams hat dabei noch das Glück, eines der sechs privilegierten Teams bei Bernie Ecclestones Geldverteilung zu sein. Selbst bei einem neunten Platz gibt noch neun Millionen Dollar extra. Das ist so, als wäre Williams Sechster statt Neunter. Sauber würde der Absturz vom sechs auf den achten Platz dagegen empfindlich treffen. Das bedeutet neun Millionen weniger in der Tasche.

Drei Autos, ein Problem

Die drei Sorgenkinder haben seit dem Saisonbeginn viel an ihren Autos herumgedoktert. Ohne großen Erfolg. Die Probleme zwischen Einlenk- und Scheitelpunkt sind immer noch da. Sie haben sich nur ein bisschen verlagert. Der Verlust an Abtrieb in diesem sensiblen Bereich zwingt die Ingenieure zu Fahrwerksabstimmung, die auf die Traktion gehen. Es ist kein Zufall, dass alle drei auf Stop-and-Go-Kursen schwach sind und sich auf Strecken mit schnellen Kurven wohler fühlen.

McLaren hat zum GP Spanien das halbe Auto umgebaut. Die Fahrer sprechen von kleinen Fortschritten, doch die Auswirkungen bleiben unsichtbar, weil sich alle anderen mitbewegen. Jenson Button stöhnt: "Die Probleme sind immer noch da, nur anders. Wenn wir sie bis Silverstone nicht gelöst haben, wird es schwierig." In Montreal ging McLaren zum ersten Mal seit dem GP Bahrain 2010 wieder völlig leer aus. 64 Rennen in Folge hatte wenigstens einer der beiden Fahrer gepunktet.

Sauber und Williams rekrutieren 2012er Teile

Während McLaren laufend neue Teile ans Auto schraubt, probieren es Williams und Sauber mit alten. Sauber grub in Kanada die alte Nase und den alten Frontflügel wieder aus und adaptierte beide Teile für den aktuellen C32. Die Probleme blieben. Zu wenig Abtrieb und damit erhöhter Reifenverschleiß.

Der Williams FW35 wurde schrittweise auf die Spezifikation des FW34 zurückgerüstet, um das gestörte Zusammenspiel zwischen Frontflügel, Nase und der vorderen Kufe des Unterbodens zu kurieren. In Barcelona wurden der alte Unterboden samt den zugehörigen Leitblechen an den FW35 geschraubt. In Kanada folgten Nase und Frontflügel vom 2012er Auto.

Der dritte Startplatz von Valtteri Bottas hatte nur bedingt etwas mit dem Rückgriff auf alte Technik zu tun. "Ich war bei den wechselnden Bedingungen immer zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle." Außerdem hatte Williams von den Fahrwerkseinstellungen voll auf ein Regenrennen gesetzt. Der Poker ging voll in die Hose, zeigt aber das Maß an Verzweiflung.

In Silverstone schlägt die Stunde der Wahrheit

Pirellis Entscheidung, mit den bestehenden Reifen weiterzufahren, ist eine schlechte Nachricht für McLaren, Sauber und Williams. Alle drei hatten die Hoffnungen, dass die Ursache für die Schwierigkeiten in der aktuellen Reifengeneration liegt, die sich stärker verformt.

Beim nächsten Rennen in Silverstone schlägt die Stunde der Wahrheit. Wer dann nicht aus eigener Kraft in die Punkte fährt, schafft es nie mehr. Ab dann läuft die Entwicklung auf vollen Touren für 2014. Wer jetzt zu viel Zeit mit dem Gesundbeten eines schlechten Autos vertrödelt, bezahlt im nächsten Jahr doppelt.

Vielleicht ist es auch keine so schlechte Idee, die Entwicklung auf Schmalspur zu fahren und zu versuchen, das Auto besser zu verstehen statt sich ständig neu zu verwirren. Force India hat es 2012 vorgemacht. Da kamen nach der Sommerpause keine neuen Teile mehr aus der Produktion. Dafür wurde das Auto besser und besser. Für McLaren wäre es das erste Mal, dass man das Ruder nicht mehr herumreißen kann. 2004, 2006, 2009 und 2011 zog man sich früher oder später immer selbst am eigenen Schopf aus dem Sumpf.

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