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McLaren vs. Toro Rosso

Power-Play ohne Power

McLaren vs. Toro Rosso - GP Japan 2016 Foto: sutton-images.com 19 Bilder

Toro Rosso wollte in diesem Jahr Platz 5 erobern. Jetzt droht Red Bulls B-Team der siebte Platz. Weil die Mercedes-Kundenteams von ihrem Power-Vorteil profitieren, und weil mit McLaren-Honda ein Gegner dazugekommen ist, der nicht auf der Rechnung stand.

18.10.2016 Michael Schmidt

So können Testfahrten täuschen. Nach den Wintertests hätte jeder darauf gewettet, dass Toro Rosso sein Saisonziel erreichen kann. Red Bulls B-Team wollte endlich auf den 5. Platz und den bisherigen Team-Rekord von 2008 mit Platz 6 auszulöschen. Der STR11 machte bei den Testfahrten vor der Saison einen exzellenten Eindruck.

Obwohl das Team aus Faenza wegen der späten Motorentscheidung auf der letzten Rille fertig geworden war und eine halbe Saison lang mit diversen Kompromissen im Bereich Kühlung leben musste, sah Toro Rosso wie ein heimlicher Favoritenschreck aus.

McLaren-Honda ging wie immer mit großen Ansagen in die Saison. Wer 2 Weltmeister im Team hat, kann nicht kleckern. Der muss klotzen. Fernando Alonso und Jenson Button riefen Podiumsplatzierungen als Mindestziel aus. Ein bisschen mutig nach Platz 9 im letzten Jahr mit lediglich 27 Punkten.

Die Testfahrten in Barcelona zeigten jedoch bereits, dass McLaren-Honda in diesem Jahr eine andere Größe sein würde. Die beiden Fahrer legten an 8 Tagen 3.305 Kilometer zurück. Ein Jahr zuvor schaffte das Team an 12 Tagen nur 1.751 Kilometer.

Toro Rosso 8 Rennen lang ein Einmann-Team

Nach 5 Rennen schien sich die Prognose für Toro Rosso zu bestätigen. Das Juniorteam von Red Bull lag mit 26 Punkten auf Platz 5. McLaren hatte zu dem Zeitpunkt bereits 3 Ausfälle zu beklagen, aber immerhin auch schon 12 Zähler auf dem Konto. Alonso und Button waren Stammgast im Q2. Die Toro Rosso-Piloten schafften es regelmäßig ins Q3.

Doch das Team hielt an seiner alten Schwäche fest. Trotz der guten Startplätze blieben die Ergebnisse mager. Strategiefehler, schlechte Boxenstopps, Technikprobleme und hin und wieder auch hoher Reifenverschleiß bremsten die Fahrer.

Beide Teams mussten in der Anfangsphase Fahrerwechsel verkraften. Toro Rosso bekam von Red Bull Daniil Kvyat zurück. Im Austausch gegen Max Verstappen, der sich für höhere Aufgaben empfahl. Die Degradierung schlug Kvyat derart aufs Gemüt, dass Toro Rosso bis zur Sommerpause quasi ein Einmann-Team war.

Erst jetzt hat sich der Russe wieder einigermaßen gefangen. McLaren musste in Bahrain den beim GP Australien schwer verunglückten Alonso ersetzen. Stoffel Vandoorne machte seine Sache gut. Er markierte den ersten WM-Punkt 2016 für das Team.

Honda findet Power, der alte Ferrari-Motor stagniert

Ab Saisonmitte verliefen die Formkurven der beiden Teams konträr. Während McLaren immer besser wurde, fiel Toro Rosso immer weiter zurück. Es ist kein Zufall, dass Honda im gleichen Zeitraum immer mehr Power fand, der 2015er Ferrari-Motor im Toro Rosso jedoch stagnierte. Maranello betrieb mit dem Vorjahrestriebwerk keine Entwicklung mehr.

Immerhin ist Toro Rosso mit seinen Antriebseinheiten nach 17 Rennen noch im Soll. Auch wenn es bei Carlos Sainz mit der Verbrennungsmaschine und dem Turbolader eng werden könnte.

McLaren-Honda musste dagegen schon mehrere Startplatzstrafen in Kauf nehmen. Alonso hat bereits 8 Motoren, 9 Turbolader, 9 MGU-H und jeweils 7 MGU-K, Batterien und Steuereinheiten im System. Button steht bei allen Komponenten auf 6 Einheiten. Das ist gegenüber Vorjahr eine bescheidene Steigerung. Da landete Alonso nach 19 Rennen bei 12 Motoren und 11 Turboladern, Button bei 11 Motoren und 12 Turboladern.

Honda schob während des Jahres immer wieder Ausbaustufen nach und verbrauchte 30 der 32 Entwicklungs-Token. Die Japaner rüsteten hauptsächlich beim Turbolader und der MGU-H nach. Bei der Bereitstellung und dem Generieren von elektrischer Leistung ist Honda bereits die Nummer 1. Dem V6-Turbo fehlen jedoch noch rund 80 PS auf Mercedes.

Für 2017 baut Honda einen neuen Motor. Er soll sowohl das Prinzip der Vorkammerzündung beinhalten als auch eine neue Architektur aufweisen. Die Platzierung von Turbine und Verdichter im V der 6 Zylinder spart zwar Platz, schränkt Honda aber bei der Geometrie des Einlasssystems so stark ein, dass dabei mehr Leistung verloren geht als die Aerodynamiker von der Kompaktheit im Heck profitieren könnten.

McLaren mit Upgrades bei jedem Rennen

Stichwort Auto. McLaren hat es sich zur Regel gemacht, den MP4-31 bei jedem Rennen zu modifizieren. Es ist beinahe unmöglich Buch zu führen über die unterschiedlichen Varianten an Flügel, Unterböden oder Bremsbelüftungen. Sogar in Singapur und Malaysia testete McLaren noch neue Frontflügel. Die größte Evolution setzte McLaren beim Heimspiel in Silverstone ein.

Ausgerechnet der GP England geriet zur Pleite. Genauso wie das Honda-Heimrennen in Suzuka. Die Aerodynamik des stark angestellten McLaren reagiert in lang gezogenen Kurven heikel. Der Abtrieb ist nicht stabil. Dafür liegt das Auto exzellent auf der Bremse und beim Beschleunigen. Nico Hülkenberg staunte in Malaysia: „Der McLaren geht aus den Ecken raus, da kommst du selbst mit unserem Mercedes-Motor nicht hinterher.“

Toro Rosso setzte seine Upgrades gezielter. Das erste Aerodynamikpaket kam in China. Mit einer asymmetrischen Heckverkleidung. Technikchef James Key ließ Schritt für Schritt die Verkleidung schrumpfen, die wegen der Ungewissheit über den Motor zu groß geraten war. Die zweite große Ausbaustufe mit einer völlig veränderten Heckpartie wurde über die Rennen in Silverstone, Budapest und Hockenheim gezogen.

Da Toro Rosso in diesem Zeitraum in der Startaufstellung immer weiter nach hinten rutschte, waren sich die Ingenieure nicht mehr sicher, ob der Fortschritt nicht ein Rückschritt war. Deshalb fuhren Sainz und Kvyat über zwei Rennen mit unterschiedlichen Aero-Paketen. Der eine das neue, der andere das alte. Erst seit Malaysia sind alle neuen Teile an beiden Autos an Bord. Zusammen mit einem neuen, bananenförmig gebogenen Heckflügel.

Beide Teams mit schlechter Ankunftsquote

Der zunächst ungleiche Kampf wurde erst ab dem GP Deutschland zum echten Duell. Da hatte McLaren bis auf 3 Punkte zu Toro Rosso aufgeschlossen. In Belgien zog McLaren vorbei. Und seither vergrößert sich der Vorsprung ständig, aktuell auf 15 Punkte. Das ist in den Regionen der Tabelle schon fast uneinholbar. Zumal Alonso und Button beim Restprogramm kaum noch Schwachstellen sehen.

Eine Baustelle ist in beiden Fällen die Ankunftsquote. McLaren und Toro Rosso verzeichneten jeweils 8 Ausfälle. Bei McLaren war 6 Mal die Technik schuld, bei Toro Rosso fünf Mal. Toro Rosso fährt auf den Power-Strecken hinterher. Nicht nur wegen des alten Ferrari-Motors. Das Auto produziert zwar viel Abtrieb, aber er ist ineffizient. Das drückt auf den Top-Speed. Ein bisschen ist das auch das Problem des McLaren MP4-31. Bei 1,9 Grad Anstellung steht das Auto nun mal ungünstig im Wind.

Beide Teams setzen ihre größte Hoffnung auf das letzte Rennen in Abu Dhabi. Trotz der langen Geraden. Alonso glaubt sogar, dass auf dem Yas Marina Circuit bei idealen Bedingungen doch noch das erste Podium drin liegt.

In der Galerie zeigen wir noch einmal die Technik-Updates der beiden Teams. Und wir verraten, wo McLaren bei Toro Rosso geklaut hat.

RennenMcLarenToro Rosso
Australien03
Bahrain111
China117
Russland1017
Spanien1226
Monaco2430
Kanada2432
Europa2432
Österreich3236
England3241
Ungarn3845
Deutschland4245
Belgien4845
Italien4845
Singapur5447
Malaysia6247
Japan6247
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