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Meinungen zur Formel 1-Zukunft

"Wir drehen uns im Kreis"

Impressionen - Formel 1 - GP Monaco - 21. Mai 2015 Foto: Wilhelm

Die Strategiegruppe der Formel 1 hat sich bei ihrem letzten Treffen nicht mit Ruhm bekleckert. Nach Kritik aus den Reihen der Medien hatten vier Teamchefs und je ein Vertreter von Pirelli und Renault die Gelegenheit, ihre Meinung zu äußern. Mit überraschend viel Selbstkritik.

22.05.2015 Michael Schmidt

Die offiziellen FIA-Pressekonferenzen sind oft eine Schlaftablette. Weil die Beteiligten vor lauter politischer Korrektheit meist nur Allgemeinplätze von sich geben. In Monaco war es anders. Die Teamchefs Toto Wolff (Mercedes), Christian Horner (Red Bull), Franz Tost (Toro Rosso) und Bob Fernley (Force India), sowie Renault-Sportdirektor Cyril Abiteboul und Pirelli-Rennleiter Paul Hembery redeten erstaunlich offen über die letzte Sitzung der Strategiegruppe und deren Beschlüsse. Und endlich auch einmal kontrovers. Wir haben die schönsten Antwort herausgesucht.

Was halten Sie von den Resultaten der Strategiegruppen-Sitzung vom 14.Mai?

Horner: Es war ein konstruktives Treffen. Ich würde nicht behaupten, dass wir viel beschlossen hätten, aber wir haben auf jeden Fall viel disktutiert.

Wolff: Wir waren uns alle einig, dass die Autos fünf bis sechs Sekunden schneller werden müssen, dass wir wieder eine Fahrer-Meisterschaft daraus machen, zum Beispiel dass die Piloten mit einer konventionellen Kupplung ohne den ganzen Elektronik-Schickschnack starten sollen. Über Tankstopps gab es unterschiedliche Meinungen, aber wir kamen überein, sie wieder ins Programm zu nehmen. Alles in allem ein positives Treffen.

Fernley: Ich muss wohl bei einer anderen Veranstaltung gewesen sein. Für mich war es alles andere als ein gutes Treffen. Nach 18 Monaten Diskussion haben wir es wieder nicht geschafft, uns auf irgendeine Art von Kostenkontrolle zu verständigen. Ich sehe keine Chance, dass es jemals zu einer fairen Verteilung der Einnahmen kommt. Gut, es gab eine paar interessante Diskussionen über 2017, aber die fundamentalen Punkte der Formel 1 wurden nicht angefasst.

Tost: Ich war bei dem Meeting nicht dabei. Deshalb fällt mir ein Urteil schwer. Ich vermisse aber eine Diskussion darüber, wie wir die Kosten senken können.

Sollen die Teams über die Zukunft der Formel 1 entscheiden?

Fernley: Es gibt die Strategiegruppe nun seit 18 Monaten, und nichts ist dabei rausgekommen. Sie erfüllt ihren Zweck nicht. Deshalb sollten wir über einen Prozess nachdenken, der Resultate abliefert. Früher haben Bernie Ecclestone und Max Mosley entschieden, und wir hatten all diese Probleme nicht. Die Teams sollten nicht darüber entscheiden, in welche Richtung  die Formel 1 geht. Es sollten ihnen von anderen erklärt werden, welchen Weg die Formel 1 zu nehmen hat.

Horner: Wenn man die Teams fragt, ist das Resultat vorhersehbar. Force India will mehr Geld. Mercedes will gar nichts ändern, und wir wollen andere Motoren. Jedes Team hat seine eigene Agenda und kämpft für seine Interessen. Der Sport wird von der FIA regiert und von der FOM vermarktet. Diese beiden Parteien müssen sich zusammentun und uns sagen: "So sieht die Formel 1 der Zukunft aus?" Dann schicken sie uns eine Einschreibeformular zu, und wir können entscheiden, ob wir da mitmachen wollen oder nicht.

Abiteboul: Wir brauchen eine starke Regierung. Die Regeln sollten von einer kleinen Gruppe gemacht werden. Ich war nur als Gast bei dem Treffen der Strategiegruppe dabei und habe mich gewundert, wie viele Leute da mitreden. Auf der anderen Seite: Die Leute unterschätzen die Komplexität dieses Sports. Eine Regel mag auf den ersten Blick positiv sein, hat aber viele Konsequenzen, die negativ sein können. Deshalb sollten die Leute uns und dem Formel 1-Management vertrauen, dass wir die Dinge richtig hinbiegen. Wir sitzen alle im gleichen Bott und sollten uns nicht gegenseitig kritisieren.

Tost: Die Strategiegruppe wird, so wie sie zusammengesetzt ist, nie zu einer vernünftigen Lösung kommen. Jean Todt und Bernie Ecclestone sollten darüber entscheiden, wie es weiter geht. Sie brauchen die Teams nicht einmal zu konsultieren, weil wir uns ja sowieso nie einig sind.

Hembery: In keinem Sport sollten die Teilnehmer darüber entscheiden, was zu tun ist.

Sind die Tage der Strategiegruppe gezählt?

Fernley: Hatte die Strategiegruppe jemals ihre Berechtigung? Mehr ist dazu nicht zu sagen.

Wolff: Das ist ein professioneller Sport mit einer weltweiten Plattform. Er muss vernünftig geführt werden. Wenn wir jetzt zurück zur Diktatur gehen, werden wir in zwei Jahren zusammensitzen und beklagen, dass wir den falschen Weg gegangen sind.

Horner: Die Strategiegruppe ist ein Forum, in dem über die Zukunft gesprochen wird. Sie ist keine Instanz, die Entscheidungen trifft. Bob Fernley hat irgendwie Recht. Das einzige, worauf sich die Strategiegruppe in diesem Jahr einstimmig verständigen konnte war das Verbot, die Helmlackierung zu ändern. Ist das ein Erfolg? Nicht wirklich. Wir sollten über einen besseren Regelfindungsprozess nachdenken.

Tost: Die Formel 1 ist Unterhaltung. Die Fans wollen spannende Rennen mit Überholmanövern sehen. Deshalb kann es nicht im Interesse des Sports, der Fans und auch der Teams sein, wenn zwei oder drei Autos zwei Sekunden pro Runde vor dem Rest des Feldes herfahren. Wenn wir diese Show nicht bieten können, sollten sich die verantwortlichen Leute an einen Tisch setzen und sich fragen: Was müssen wir ändern? Das passiert aber leider nicht, weil wir zu viel diskutieren und zu viele sinnlose Meetings haben.

Hembery: Wenn genügend Leute genügend lange über etwas reden, drehst du dich automatisch im Kreis

Wäre ein Reifenkrieg gut für die Formel 1?

Tost: Ich hoffe, dass ein Reifenkrieg nie mehr kommt. Was bedeutet ein Reifen-Wettbewerb? Jeder Hersteller wird sich ein Team heraussuchen, das die Entwicklung mit ihm macht. In der Vergangenheit war das Ferrari mit Bridgestone und Renault mit Michelin. Alle anderen mussten mit dem Produkt leben, das dabei herauskam. Jetzt machen die Motoren den Unterschied. Mit unterschiedlichen Reifen würden wir ein neues Fass aufmachen.

Horner: Eine Reifenmarke garantiert Gleichheit für alle Teams. Ein Reifenkrieg treibt die Kosten immens nach oben, weil du dein Auto ständig den Reifen anpassen musst. Bei einem Reifenkrieg hätte Red Bull als unabhängiges Team nie den Erfolg haben können, den es hatte. Die Reifenhersteller hätten sich mit einem Automobilhersteller zusammengespannt, weil sie mit dem Geld verdienen.

Fernley: Ich will auch ein Mal positiv sein. Das Reifenmonopol ist eine der guten Entscheidungen, die irgendwann einmal getroffen wurden. Wir sollten nichts daran ändern.

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