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Mercedes AMG W04

Silberpfeil zeigt Entwicklung im Detail

Mercedes W04 Jerez 2013 Foto: Grüner 48 Bilder

Der neue Mercedes AMG W04 ist keine technische Revolution. Die Ingenieure optimierten vertraute Technik und verzichteten weitgehend auf riskante Lösungen. Wir haben die aktuellen Bilder und erklären Ihnen den Silberpfeil, Jahrgang 2013.

03.02.2013 Michael Schmidt

Als Nico Rosberg und Lewis Hamilton um 13:35 Uhr auf der Zielgeraden von Jerez das Tuch vom neuen Mercedes AMG W04 zogen, da wusste die Welt bereits seit zweieinhalb Stunden wie der Silberpfeil, Jahrgang 2013, aussieht. Nico Rosberg hatte das erste Foto getwittert. Dann tauchten auch noch die ersten Fotos von der Installationsrunde und den Filmaufnahmen im Netz auf.

Mercedes AMG W04 keine Revolution

Der Mercedes AMG W04 ist kein Auto, das einen aus den Schuhen wirft. Die Ingenieure unter der Leitung von Bob Bell verfeinerten eigene Ideen und mixten sie mit bewährten Lösungen von der Konkurrenz. Das Rennauto wurde nicht neu erfunden. Die Nase erinnert an das Vorjahresauto, ist aber kürzer und ragt nicht so weit über den Frontflügel hinaus wie im Vorjahr. Sie sieht immer noch wie ein Entenschnabel aus, geht aber in eine wesentlich moderatere Stufe im Chassis über. Das verschafft ihr etwas mehr Eleganz. 

Die Seitenkästen sind flach und lang und sie haben an der Außenseite eine Wulst wie der 2010er Ferrari. Sie sind im Vergleich zum Vorgänger auch etwas schmaler. Wenn der Unterschied beim neuen Sauber 15 Zentimeter beträgt, sind es beim Mercedes vielleicht fünf Zentimeter. Teamchef Ross Brawn bestätigt: "Der Eindruck täuscht nicht. Unsere Seitenkästen sind in der Breite geschrumpft, aber nicht so stark wie beim Sauber."

Über den geschrumpften Kühleinlässen sind nach McLaren-Vorbild zwei vertikale Finnen angebracht. Neu ist eine gezackte horizontale Finne am Cockpitrand vor dem Kühleinlass. Das trennt die Strömung besser, die einerseits in die Kühler führt und andererseits die über die Seitenkästen streicht. Die Zacken produzieren Luftwirbel, die wie ein Strömungsausrichter wirken.

Beim Auspuff noch alles offen

Mit dem Auspuff nahm Mercedes Anleihen bei McLaren. Die Endrohre liegen sehr weit außen, weit hinten und so tief wie möglich in einer Mulde in den Seitenteilen und blasen in gerader Richtung auf die Spalte zwischen Diffusor und Hinterreifen. Auf der Innenseite der Auspuffmündung sind jeweils drei Kiemen in die Verkleidung geschnitzt. Die dort austretende Luft soll die Auspuffgase eskortieren. Bei der letztjährigen Coanda-Lösung lagen die Endrohre weiter vom Bestimmungsort entfernt und waren dazu noch leicht angewinkelt. Das hat immer wieder die Hinterreifen aufgeheizt.

Um das zu verhindern wurde auf dem Unterboden im Bereich der Hinterräder eine vertikale Finne angebracht. Ganz sicher sind sich die Mercedes-Ingenieure immer noch nicht, ob sie das Temperaturproblem so gelöst haben. Ross Brawn kündigte an: "Wir werden in dieser Woche unterschiedliche Spielarten dieser Lösung testen, aber auch eine Standardversion, bei der die Endrohre wie beim Vorjahresauto innen münden." Die McLaren-Lösung erlaubt Mercedes im unteren Bereich der Seitenkästen einen extremen Flaschenhals, der allerdings nicht so schlank ausfällt wie beim Vorbild.

Mercedes AMG W04 im Heck McLaren-like

Auch die Heckpartie wirkt McLaren-like. Das ist wegen der Auspuffposition fast zwangsläufig der Fall. An der Airbox vereint Mercedes Elemente von McLaren und Ferrari, wie zum Beispiel die aufgesetzte Finne auf der Motorabdeckung. Die heiße Abluft von den Kühlern entweicht wie bei den meisten anderen Autos auch durch ein Loch am Ende der Airbox und an den Seiten der Motorverkleidung. Hier geht nur Ferrari einen alternativen Weg. Die Flapverstellung am Heckflügel betätigt Mercedes weiterhin per Seilzug und nicht hydraulisch wie die Konkurrenz.

Auch beim Fahrwerk ließ sich Mercedes auf keine Experimente ein. An der Vorderachse sehen wir Druckstreben. Bislang folgte nur McLaren dem Zugstrebenprinzip von Ferrari. Die Querlenker der Hinterachse sind weit nach vorne gepfeilt, unterer Querlenker, Spurstange und Antriebswelle mit einem Flügelprofil ummantelt. Auch das ist mittlerweile Standard, nachdem Red Bull einmal damit angefangen hat. Nach den Problemen mit den Hinterreifen hat Mercedes viel Arbeit in die Kinematik der Hinterachse gesteckt. Die Ingenieure ließen sich alle Optionen offen und können die Geometrie jederzeit korrigieren.

Windkanal verspricht Fortschritte

Mercedes hat sich bei seinem vierten Auto seit 2010 auf kein Risiko eingelassen. Davon ist man geheilt. Der kurze Radstand 2011 ging genauso in die Hose wie die Experimente mit dem Doppel-DRS im letzten Jahr. Diesmal wollten sich die Ingenieure auf bewährtem Boden bewegen. Mit spektakulären Detaillösungen wie bei McLaren, Ferrari und Sauber geizt das jüngste Kind, dessen Projektgruppe übrigens Aldo Costa anführt. Geoff Willis kümmert sich bereits um das 2014er Auto. Ross Brawn ist mit dem Basismodell des Mercedes AMG W04 zufrieden. "Der Windkanal verspricht uns einen ordentlichen Fortschritt."

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