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Technikcheck Mercedes AMG W06

Wichtige Unterschiede im Detail

Mercedes AMG W06 - Formel 1 2015 - Technik-Check Foto: xpb 30 Bilder

Der Mercedes AMG W06 soll 2015 an die Erfolge des Vorgängers anknüpfen. Wir haben den Silberpfeil im Detail studiert und zeigen die interessantesten Features. Hier ist der Technik-Check des neuen Dienstwagens von Lewis Hamilton und Nico Rosberg.

11.02.2015 Michael Schmidt

Mercedes geht mit großen Vorschusslorbeeren in die Saison. Das Team, das 2014 überlegen Weltmeister geworden ist, verfügt nicht nur über die beste Antriebsquelle im Feld. Es hat vom Auto her auch schon einmal die beste Basis. Wahrscheinlich hätte auch ein auf das 2015er Reglement adaptiertes Vorjahresauto in diesem Jahr eine gute Figur gemacht. Mercedes hat sein Erfolgskonzept natürlich trotzdem weiterentwickelt. Mehr unter, als auf der Verkleidung.

Technikchef Paddy Lowe spricht von einer "Evolution mit kleinen Revolutionen." Besonders bei der Kühlung musste Mercedes nachbessern. Was nicht einfach war, weil die Kühler teilweise an eine andere Stelle versetzt werden mussten.

Der neue Mercedes-Motor bekam einen längeren Auspuff. Die Krümmer, die jetzt wie ein Schlangennest ineinander verflochten sind, nehmen mehr Platz weg. Trotzdem ist das Heck des AMG W06 superschlank. Chefdesigner Aldo Costa bekam ein Lob von Teamchef Toto Wolff: "Im Heck passt nichts mehr zwischen Außenhaut und Motor."

Das fiel uns auf

Der Mercedes ist neben dem Ferrari das kürzeste Auto im Feld. Wobei "kurz" bei Radständen um die 3,50 Meter relativ ist. Moderne Formel 1-Autos sind einfach viel zu lang. Die Ingenieure haben es trotz der Kompaktheit geschafft, so viel Luft wie möglich zwischen Vorderräder und Seitenkästen zu schaffen. Das hilft, um die Turbulenzen hinter der Vorderachse zu beruhigen.

Im Seitenvergleich mit der Konkurrenz liegt auch die Airbox extrem weit hinten. Logisch, weil das Reglement zwischen Überrollbügel und dem vorderen Chassis-Schott A-A mindestens 1,80 Meter vorschreibt. Irgendwo muss der Platz ja herkommen. Das heißt, dass die Heckpartie des Silberpfeils kürzer als bei anderen Autos ist. Und auch noch erstaunlich flach.

Man könnte das vielleicht der Tatsache zuschreiben, dass Mercedes mit seiner Turbolader-Anordnung Länge spart. Aber das ist sicher nicht die einzige Erklärung. Im Feld gibt es noch ein Auto, das von den Dimensionen her ähnlich ist: den neuen Sauber C34. Und der hat einen Ferrari-Motor im Heck, bei dem Turbine, Verdichter und MGU-H noch eine Einheit sind.

Die Frontpartie - Nase tiefer und schlanker

Der Mercedes hat neben dem Lotus auch die kürzeste Nase im Feld. Exakt das geforderte Mindestmaß von 85 Zentimetern. Das Profil ist etwas eckiger, die Nase eindeutig tiefer und schmaler, was man auch an den längeren "Ohren" für die TV-Kameras erkennt.

Der Crashtest war in diesem Jahr kein Problem mehr. Das Weltmeister-Team wusste was zu tun war. Man hat schon letztes Jahr leidvoll erfahren, wie schwer der Crashtest mit der Mini-Nase zu bestehen ist. Der Frontflügel ist von der Nase deshalb kaum überdeckt. Ideal, um die Wirbel, die der Flügel erzeugt, in den Griff zu bekommen.

Überhaupt sieht der Mercedes AMG W06 aus wie ein Kompaktmodell des Vorjahresautos. Alles wirkt zierlicher. Die Kühleinlässe, die Seitenkästen, die Heckpartie. Das ganze Auto ist auf eine Minimierung des Luftwiderstandes getrimmt. Da will wohl einer Williams Konkurrenz bei den Top-Speed-Werten machen.

Vor den Hinterrädern sind die Seitenkästen nur noch bei McLaren und bei Toro Rosso so flach. Leicht daran zu erkennen, wie weit der obere Querlenker der Hinterradaufhängung aus der Verkleidung ragt.

Zwischen den Achsen - Neue Flügel vor den Seitenkästen

Viele Details wurden noch einmal überarbeitet. Vor allem im Bereich der Leitbleche, die nun die Aufgabe haben, die anders ausgerichteten Y-250-Wirbel des Frontflügels wieder in die gewünschte Bahn zu lenken. Die Leitbleche unter der Nase sind vierfach gefächert, der horizontal angebrachte "Bat-Wing" steiler angestellt.

Der untere Querlenker der Vorderachse ist wie im Vorjahr ein flach liegendes Y. Mit noch breiterer Basis und noch späterer Verzweigung in zwei Lenker. Der Y-Lenker liegt schön im Windschatten der Lenkstange.

Aus der Vogelperspektive ist schön zu erkennen, dass Mercedes zum Club derer gehört, die ihre Vorderachse parallel zum A-A-Schott anbringen und nicht nach hinten pfeilen. Man hat also keine Tricks nötig, um die gewünschte Gewichtsverteilung hinzubekommen.

Die Vorflügel vor den Seitenkästen sind neu gestaltet. Es wurde jetzt ein Bügelflügel daraus, und zwar in zwei Etagen. Außen relativ weit von der Verkleidung entfernt, innen eng anliegend. Mit insgesamt drei vertikalen Strömungsausrichtern.

Das Heck - neues Konzept der Luftauslässe

Auch bei der Airbox gibt es Unterschiede im Detail. Der Überhang des Schnorchels ist kleiner geworden, die Strebe des Überrollbügel schmächtiger. Die neue Motorabdeckung fällt von Anfang an sanft Richtung Heck ab. Im letzten Jahr verlief sie in Seitenansicht erst ein Stück weit gerade, bevor die Kante nach unten abfiel.

Dadurch geriet die Finne auf der Airbox mächtiger. Sie sorgt für die optimale Anstellung des Heckflügels. Im letzten Jahr stand die Finne am hinteren Teil noch wie ein Schwert über. Diesmal verläuft sie bündig mit der Motorverkleidung bis zum Ende.

Völlig neu ist der Luftauslass im Heck gestaltet. Rund um die Querlenker der Hinterachse entweicht keine Luft mehr. Alles konzentriert sich auf den Bereich zwischen dem Ende der Motorabdeckung und dem Diffusordach. Die Hinterachse liegt gefühlt noch höher als im letzten Jahr, was der Strömung auf dem Diffusor hilft. Der hintere untere Querlenker, in dem auch die Antriebswelle verläuft, ist ein mächtiger Flügel.

Apropos Flügel. Bis auf einen waagrechten Zusatz an den vorderen Endplatten haben wir noch keine größeren Änderungen entdeckt. Auch beim Diffusor nicht. Die neuen Flügel und der Unterboden kommen üblicherweise auch erst zum letzten Barcelona-Test.

Die Anordnung des Monkey Seats mit seiner doppelten Etage, die kunstvoll zwischen die beiden Heckflügel-Stelzen verankert ist, war im letzten Jahr einzigartig. Überraschenderweise wurde sie bis jetzt noch von keinem kopiert.

Fazit zum Mercedes AMG W06

Dieser Mercedes sieht aus, als könnte er seinen Titel verteidigen. Das Team von Aldo Costa hat etwas Gutes noch besser gemacht ohne zu versuchen, das Rennauto neu zu erfinden. Red Bull konnte mit dieser Masche zwischen 2010 und 2013 vier Weltmeisterschaften am Stück gewinnen.

In der Bildergalerie zeigen wir die interessantesten Technik-Details des neuen Mercedes AMG W06 und vergleichen den Neuwagen mit seinem Vorgänger und den Autos der Konkurrenz.

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