Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Mercedes-Auspuff

Ohne Coanda nach Brasilien

Nico Rosberg GP USA 2012 Foto: Grüner 32 Bilder

Mercedes kassierte in Austin die fünfte Nullrunde in Folge. Dabei sah es nach dem Training noch so gut aus. Michael Schumacher ging vom fünften Startplatz aus ins Rennen. Doch am Sonntag verkehrte sich der Auspuff-Vorteil vom Samstag in einen Nachteil. Deshalb wird Mercedes das Coanda-Experiment in Brasilien wahrscheinlich streichen.

21.11.2012 Michael Schmidt

Der Coanda-Auspuff entwickelt sich für Mercedes zur unendlichen Geschichte. Er debütierte beim GP Singapur, doch er liefert immer noch keine positiven Ergebnisse an. Nach Nico Rosbergs fünftem Platz bei der Premiere fuhr Mercedes fünf Mal in Folge mit null Punkten nach Hause. Das grenzt an eine Bankrotterklärung.

Der Coanda-Auspuff ist sicher keine Technologie, die auf Anhieb brauchbare Ergebnisse abwirft, doch beim sechsten Einsatz sollte man seine Hausaufgaben eigentlich gemacht haben. Am Renntag in Austin wurde der Auspuff, der am Samstag Michael Schumacher noch auf den fünften Startplatz geholfen hatte, zum Boomerang.

Coanda-Auspuff wird im Rennen zum Reifenkiller

Bei den kühlen Bedingungen an den beiden Trainingstagen sorgte der Auspuffstrahl aus den Seitenkästen nicht nur für mehr Abtrieb und eine bessere Traktion, er wärmte nebenbei auch noch die Hinterreifen auf. Ein durchaus erwünschter Nebeneffekt bei Asphalttemperaturen unter 30 Grad. Nico Rosberg fehlte der Heizeffekt mit der alten Auspuffanordnung, wo die Endrohre nach innen auf das untere Heckflügelelement zielen. Deshalb startete Rosberg von Platz 17 und Schumacher von Rang fünf.

Michael Schumacher zeigte im Abschlusstraining, dass der Mercedes ein gutes Auto sein kann, wenn die Reifentemperaturen vorne und hinten zur gleichen Zeit in ihr Arbeitsfenster kommen. Das war zuletzt immer seltener der Fall. Mit dem Wetterumschwung am Sonntag kehrten die altbekannten Probleme zurück. Es wurde um fünf Grad wärmer. Das reicht in dem sensiblen Reifenumfeld schon aus, dass die Abstrahlung der Auspuffwärme plötzlich vom Helfer zum Killer wird.

Vorbeschädigter Reifensatz behindert Schumacher zusätzlich

Schumacher spürte schon nach drei Runden, dass dieser Grand Prix der USA für ihn zur Mission Impossible wird. Ab da begannen die Hinterreifen wegen Überhitzung Blasen zu ziehen. Mit den üblichen Folgen: dramatischer Gripverlust, Zeitverlust beim Bremsen und Beschleunigen.

Dazu kam, dass der erste Reifensatz in Schumachers sieben Qualifikationsrunden möglicherweise vorbeschädigt wurde. "Der erste Satz Reifen war praktisch nicht vorhanden, ich habe keinerlei Grip gefunden", erzählte Schumacher. "Ich denke, dass nach dem Qualifying da irgendein Schaden gewesen sein muss. Wir mussten daraufhin die Strategie auf zwei Stopps ändern."

Mit einer Zweistoppstrategie stand der Altmeister ziemlich allein da. Nur Paul di Resta stoppte auch zwei Mal - weil er sich bei einem Dreher Bremsplatten zugezogen hatte. Der Schotte kam auch nicht in die Punkte.

Nico Rosberg startete nach einer verpatzten Qualifikation antizyklisch auf harten Reifen und hielt bis Runde 34 durch. Hätte es in der Anfangsphase des Rennens nicht ewig gedauert, bis die Reifen auf Temperatur kamen, wäre vielleicht mehr möglich gewesen als der 13. Platz. "Von einem Startplatz in den Top Ten wäre ich locker in die Punkteränge gefahren", gab Rosberg zu Protokoll.

Mercedes noch mitten im Lernprozess

Mercedes betrachtete den GP USA als Experiment. Es sollten die Auswirkungen der beiden Auspuffkonfigurationen im Trainings- und Rennbetrieb miteinander verglichen werden. Außer dem Satz "wir haben viel gelernt", hat Mercedes nicht viel geerntet. Keiner der Fahrer hat große Lust, beim Finale in Brasilien noch einmal den Testdummy zu spielen. Michael Schumacher will bei seinem letzten Rennen wenigstens noch einmal in die Punkte fahren, und auch Nico Rosberg würde gerne mit einer positiven Note in die Winterpause gehen.

Deshalb fahren die beiden Silberpfeile in Sao Paulo vermutlich mit der Auspuff-Konfiguration, mit der sie immer noch am schnellsten sind. Da zielen die Endrohe nach innen. Coanda macht Pause. Trotzdem beharrt Teamchef Ross Brawn: "Coanda ist der Weg, den wir gehen müssen. Wir befinden uns immer noch in einem Lernprozess."

Die Szene fragt sich nur, warum der bei Mercedes länger dauert als beim Rest. Renault hatte mit dem Coanda-Auspuff schon im dritten Anlauf ein Rennen gewonnen. Und tauchte in Austin bereits mit der zweiten Ausbaustufe auf. Ein Resonator-Rohr im Auspuffsystem bringt sechs PS mehr. Ex-Ingenieur Gary Anderson will schon beim bloßen Hinschauen erkannt haben, wo der Fehler bei Mercedes liegt. "So wie die Auspuffgase die Seitenkästen verlassen, müssen sie verwirbeln und auf die Hinterreifen abstrahlen."

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden