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Mercedes-Chefetage

Entscheidung gegen den Sport

Rosberg Hamilton GP Malaysia 2013 Foto: xpb 51 Bilder

Bei Red Bull und Mercedes raucht es gewaltig hinter den Kulissen. Beide Teams verärgerten die Fans mit Stallregie. Bei Mercedes funktionierte sie, bei Red Bull nicht. Doch zu welchem Preis? Mercedes-Sportdirektor Toto Wolff macht einen Erklärungsversuch.

24.03.2013 Michael Schmidt

Für Mercedes ist diese Situation noch ungewohnt. Zwei Mercedes verfolgen zwei Red Bull im Kampf um die Führung. Im Großteil des letzten Jahres sahen sich die Fahrer der beiden Teams höchstens beim Überrunden. Diesmal begegneten sie sich auf Augenhöhe. Doch die Reihenfolge innerhalb der Teams wurde nicht vom Speed auf der Strecke bestimmt, sondern von den Kommandoständen.

Bei Red Bull widersetzte sich Sebastian Vettel dem Befehl hinter Mark Webber Position zu halten. Nico Rosberg streckte die Nase seines Silberpfeils nur für fünf Kilometer in Front, dann bekam er die Order Lewis Hamilton wieder vorbeizulassen. Rosberg gehorchte, wenn auch zähneknirschend. "Ich akzeptiere die Entscheidung, wenn ich sie auch nicht einsehe."

Team wichtiger als der Sport

So auch ging es den meisten Fans. Rosberg war der schnellere Mann im Team. Das sah auch Hamilton ein: "Nico hätte es verdient gehabt auf dem Podium zu stehen. Er teilte sich seine Reifen besser ein, und er war schneller als ich." Mercedes-Sportdirektor Toto Wolff gab zu, dass es eine unpopuläre Maßnahme war, den schnelleren Mann einzubremsen.

"Aus sportlicher Sicht ist es nicht das, was wir sehen wollen. Aber am Ende geht es um das große Ganze. Man muss anerkennen, wo dieses Team herkommt. Wenn man wie wir im Tal der Tränen war, will man Platz drei und vier nach Hause fahren. Es gibt ja auch die Kehrseite der Medaille. Wenn beide crashen oder ohne Sprit ausrollen, sind wir die Silberdeppen."

Wie groß war das Spritproblem bei Rosberg?

Das klingt verständlich, erklärt aber immer noch nicht, warum die Reihenfolge nicht auf Befehl umgekehrt wurde, um den schnelleren Fahrer für seine Leistung zu belohnen. Die Entschuldigung, beide hätten Spritsorgen gehabt, klang nicht ganz verständlich. Rosberg musste sich bei der Teamleitung erst rückversichern, was er sagen darf.

Wolff meinte dazu: "Beide waren mit dem Spritfahrplan mal mehr, mal weniger im Minus. Am Anfang traf es Lewis, am Ende Rosberg." Intern hörte man, dass Rosberg mit dem Benzin viel besser haushielt als sein Teamkollege, der vor allem im ersten Drittel nicht der Versuchung widerstehen konnte, die 5,4 Sekunden-Lücke auf die Red Bull zu schließen.

Als Rosberg in der Schlussphase verlangte, ihn auf die Red Bull loszulassen, wurde ihm der Wunsch untersagt. Angeblich wegen Benzinnotstand. Rosberg sagte nur: "Ich musste nicht übermäßig Sprit sparen." Wolff entgegnete: "Das Renntempo war höher als erwartet. Wir haben nicht damit gerechnet, dass wir mit den Red Bull mitfahren können."

Damon Hill kritisiert Hinhaltetaktik für Rosberg

Teamchef Ross Brawn wollte offenbar das Risiko nicht eingehen, Rosberg freie Fahrt zu geben, um die Red Bull unter Druck zu setzen. Möglicherweise aus Angst, er könnte Motor, Getriebe oder Reifen dabei über Gebühr beanspruchen. Ex-Weltmeister Damon Hill konnte das nicht verstehen. "Nico hätte die Red Bull in ein Reifenproblem hetzen können. Davon hätten beide Mercedes profitiert."

Die Stallorder traf Ross Brawn. Sein Aufsichtsrat Niki Lauda verstand diese Entscheidung nicht. Sie sei wohl nicht Mercedes-like: "Wir werden mit Ross darüber reden müssen, ob wir diese Politik immer so anwenden sollen." Toto Wolff drückte sich etwas höflicher aus. "Ross hat am Kommandostand alle Informationen zur Hand. Mehr als ich es habe. Deshalb will ich jetzt auch nicht mein Sportlerherz sprechen lassen."

Der Österreicher kündigte an, dass man für die Zukunft solche Entscheidungsprozesse überdenken müsse. "Wenn die Situation wieder so eintritt, dann fährt Nico vor Lewis ins Ziel." Hört man da vielleicht so etwas wie Kritik am Teamchef durch, oder reden hier nicht alle aus dem Führungstrio mit einer Sprache? Spätestens seit der frühere McLaren-Technikchef Paddy Lowe vor der Tür steht, ist Ross Brawn unter Druck. Man könnte ihm irgendwann diese Entscheidung ankreiden.

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