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Mercedes-Daten als Starthilfe

Wie viel lernt Honda dank McLaren?

McLaren - Formel 1 2014 Foto: xpb 28 Bilder

Ab 2015 steigt mit Honda ein vierter Motorenhersteller in die Formel 1 ein. Die japanischen Ingenieure beginnen bei der Entwicklung nicht ganz bei null. Sie können von den Erfahrungen der Konkurrenz lernen. Durch Partner McLaren gibt es einen direkten Zugriff auf Mercedes-Daten. Wie viel kann Honda abschauen?

05.05.2014 Tobias Grüner

Die Kinderkrankheiten mit den neuen V6 Turbo-Motoren waren das große Technik-Thema zum Start in die aktuelle Formel 1-Saison. Auch nach den ersten 4 Rennen laufen immer noch nicht alle Aggregate hundertprozentig rund. Vor allem in den Bereichen Software und Fahrbarkeit liegt noch großes Potenzial versteckt, das die Ingenieure erst nach und nach ausloten werden.

Mercedes, Renault und Ferrari haben trotz fixer Homologierung bereits große Fortschritte erzielen können. Unter dem Deckmantel der Zuverlässigkeit haben die 3 Motorbauer zum Beispiel die Welle der MGU-K verstärkt. Die Ingenieure hatten die Belastungen in diesem Bereich unterschätzt. Um keine Schäden zu riskieren, musste die Hybrid-Power reduziert werden.

Mercedes AMG F1 W05 - Präsentation Jerez 2014
F1 Motor 2014: Der Mercedes-Turbo im Video 2:24 Min.

Wird Honda mit Mercedes-Daten versorgt?

Entwicklungen wie diese werden nicht nur in Brixworth, Viry-Chatillon und Maranello mit Interesse verfolgt. Auch in Japan schauen die Ingenieure ganz genau hin. 2015 wird mit Honda ein vierter Motorenhersteller einsteigen. Sowohl Fans als auch Experten sind gespannt, ob der Spätstarter mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hat oder von den Erfahrungen der Konkurrenz profitiert.

Nicht klar ist, wie viel Starthilfe Honda von Partner McLaren erhält. Der Rennstall aus Woking absolviert sein erstes V6-Lehrjahr mit Mercedes-Power. Das Turbo-Triebwerk aus dem Silberpfeil ist bekanntlich das Maß der Dinge. Was läge näher, als sich beim Branchenführer ein paar Tricks abzuschauen?

Informationen darüber, wie rege der Datenaustausch zwischen Woking und Tokio abläuft, gibt es natürlich nicht. Auf Nachfrage von auto motor und sport, wie viele Informationen jetzt schon weitergegeben werden, antwortet Teamchef Eric Boullier einsilbig aber deutlich: "Gar nichts!" Ein leichtes Schmunzeln konnte sich der Franzose dabei aber nicht verkneifen.

Wolff rechnet mit Lerneffekt von Honda

Bei Mercedes betrachtet man die auslaufende Partnerschaft mit gemischten Gefühlen. Offiziell geben sich die Verantwortlichen entspannt. Hinter den silbernen Kulissen wird jedoch mit allen Mitteln versucht zu verhindern, dass der Kunde aus England alle Geheimnisse des neuen Aggregats direkt nach Japan transferiert.

So wenige Informationen wie möglich, so viel wie nötig lautet das Motto bei der Zusammenarbeit. So wurde McLaren im Vorjahr als letztes der 3 Kundenteams mit Informationen zum neuen Aggregat versorgt. Auf die Aussagen von Boullier alleine will man offenbar nicht vertrauen: "Ich bin überzeugt, dass McLaren lernt und sich im Rahmen dessen, was möglich ist, mit Honda austauscht", so Mercedes-Sportchef Toto Wolff.

Verhindern lässt sich die McLaren-Starthilfe für den japanischen Konkurrenten kaum: "Sie sehen natürlich alle eigenen Daten. Sie sehen, wie sich das Drehmoment entwickelt, welche Top-Speeds erreicht werden, wie sich die Fahrbarkeit des Motors entfaltet. - Wann funktioniert welches System wie? Was ist notwendig in Sachen Kühlung, Hydraulik und Elektronik? Alle diese Dinge werden natürlich weitergeleitet. Das hilft ordentlich."

Honda trotz Daten-Weitergabe im Nachteil

In Sachen Spionage ist McLaren ein gebranntes Kind. Die Weiterleitung von Ferrari-Daten sorgte 2007 für einen großen Skandal in der Königsklasse. Die FIA sprach damals die Rekordstrafe von 100 Millionen Dollar für den Rennstall von Ron Dennis aus. Allerdings gehört das Kopieren der Konkurrenz - in gewissen Grenzen - bekanntlich zum guten Ton in der Formel 1.

Wolff hofft, dass sich der langjährige Kunde an die Abmachungen hält: "Wir haben ein ganz klares Verständnis darüber, was weitergegeben werden darf und was nicht. Ich bin aber überzeugt, dass sie die Partnerschaft und die Vertraulichkeit honorieren, die sie als Kunde heute genießen."

Noch gibt man sich bei Mercedes gelassen. Wolff geht davon aus, dass die eigenen Lerneffekte auf der Strecke größer sind als die der Konkurrenz auf dem Prüfstand. "Honda hat natürlich einen Nachteil, weil sie erst in den Sport kommen, wenn alle anderen schon ein Jahr lang gefahren sind. Insgesamt hält sich das die Waage", so Wolff.

Was das Kräfteverhältnis der 3 aktuell aktiven Motorenhersteller angeht, so befürchtet Wolff eine stetige Reduzierung des Mercedes-Vorsprungs. "Die Konzepte sind sehr unterschiedlich. Aber die anderen werden sicher noch einiges aufholen, weil sie natürlich viel von uns sehen. Sie haben Daten darüber, wie sich unser Motor fährt und wie er sich wo fährt. Im kommenden Jahr wird das Feld dann automatisch näher zusammenrücken."

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