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Formel 1 ohne Mercedes?

"Nichts dran am Mercedes Ausstieg"

Mercedes GP Malaysia 2012 Foto: Grüner 51 Bilder

Die Londoner Tageszeitung "Times" spekuliert, dass Mercedes sein Formel 1-Engagement beenden könnte, weil sich die Verhandlungen mit Bernie Ecclestone über das neue Concorde Abkommen festgefahren haben. Mercedes-Sportchef Norbert Haug dementiert diese Gerüchte.

07.05.2012 Michael Schmidt

Die Formel 1 ohne Mercedes? Das ist schon fast nicht mehr vorstellbar. Seit 1993 ist der Stuttgarter Konzern festes Mitglied des GP-Zirkus. Zuerst als Motorenlieferant, jetzt sogar mit einem eigenen Team. Mika Häkkinen, Lewis Hamilton und Jenson Button haben vier WM-Titel mit Mercedes-Power gewonnen. Beim Grand Prix von China siegte Nico Rosberg im Werks-Silberpfeil zum ersten Mal seit Juan-Manuel Fangio legendärem Triumph 1955 in Monza.

"Times" spekuliert über Mercedes Ausstieg

Trotzdem spekuliert die Londoner "Times", dass Mercedes bald schon die Formel 1 verlassen könnte. Als Indiz dafür werden die ins Stocken geratenen Verhandlungen zwischen Bernie Ecclestone und dem Stuttgarter Autokonzern über das neue Concorde Abkommen genannt, das 2013 in Kraft treten und bis 2020 gelten soll.

Während Ferrari, Red Bull und McLaren Sonderzahlungen gewährt und bei einem angedachten Börsengang auch Vorstandsposten angeboten wurden, soll Mercedes nach dem üblichen Erfolgs- und Historienbonussystem ausbezahlt werden. Von einem Mitsprache-Recht in einer Formel 1 AG keine Spur.

Die Konditionen in Bernie Ecclestones Ausschüttungssystem wären für die Marke mit dem Stern denkbar schlecht. Mercedes gab es unter dem Namen Mercedes nur 1954 und 1955, sowie ab 2010. Den Einwand der Teamvertreter, dass der augenblickliche Mercedes-Rennstall aus Tyrrell, BAR, Honda und Brawn GP entstanden sei, will Ecclestone nicht gelten lassen.

Mercedes pocht auf faires Concorde Agreement

Demnach stünden auf der Habenseite nur zehn GP-Siege, neun aus den 50er Jahren und einer von diesem Jahr. Die Spezialrechte für Ferrari begründen sich nachvollziehbar aus der langen Präsenz. Für Red Bull wurde allerdings ein etwas an den Haaren herbeigezogener Sonderstatus geschaffen, wonach nur WM-Titel seit 2000 zählen und doppelte Weltmeisterschaften auch noch besondere Beachtung finden.

Mercedes will in der Formel 1-Familie vor diesem Hintergrund kein Mitläufer sein. Das Team pocht auf die Strahlkraft des Namens, auf seine Rolle als treuer Motorenlieferant und auf den Anreiz für andere Automobilhersteller, sich mit dem Stuttgarter Premiumhersteller zu messen. Red Bull dagegen sei nur ein Limonadehersteller ohne jede Tradition. "Wer in die Formel 1 kommt, will Ferrari und Mercedes schlagen, und nicht Red Bull", heißt es aus Stuttgart.

Das lässt sich nachvollziehen. Deshalb wurde den Inhabern der kommerziellen Rechte mit dem Europäischen Gerichtshof gedroht. Ein außerplanmäßiger und einseitiger Auszahlungsmodus entspreche nicht dem Wettbewerbsgesetz.

Was würde Mercedes Ausstieg kosten?

Die Times will nun herausgefunden haben, dass Mercedes bereits Studien über die möglichen Ausstiegskosten aus der Formel 1 in Auftrag gegeben haben soll. Theoretisch könnte Mercedes zum Ende der Saison ohne Verpflichtungen den Rechteinhabern gegenüber den Hut nehmen. Der Rennstall hat sich beim Abschluss des laufenden Concorde Abkommens nur bis 2012 verpflichtet.

Bei der Schließung der Fabriken in Brackley und Brixworth würden allerdings erhebliche Kosten entstehen. In Brackley arbeiten rund 470 Menschen, in Brixworth um die 400.

Meldungen in der angesehenen Londoner Tageszeitung werden hin und wieder aus dem Umfeld von Ecclestone gestreut. Da würde sich die Frage stellen, was der Formel 1-Boss davon hätte. Will er so Mercedes zu einer schnellen Einigung bewegen? Oder will er Mercedes bewusst über die Klinge springen lassen?

Das würde keinen Sinn ergeben. Das Concorde Abkommen gewinnt erst an Wert, wenn alle zwölf Teams und die FIA zugestimmt haben und wenn bekannte Namen dabei sind. Mit Force India, Toro Rosso, Caterham oder Marussia kann Bernie nicht hausieren gehen. Mit Mercedes an Bord ist ein Börsengang deutlich erfolgsversprechender. Die Zeit drängt, denn das alte Abkommen läuft Ende des Jahres aus.

Haug dementiert Ausstieg von Mercedes

Mercedes-Sportchef Norbert Haug antwortete auf die Rückzugsgerüchte: "Da ist absolut nichts dran." Aus Formel 1-Kreisen hört man, dass die Verhandlungen zwischen Mercedes und den Formel 1-Bossen weiter geführt werden. Mercedes hat das beste Druckmittel selbst in der Hand. Erfolge auf der Rennstrecke verbessern auch die Verhandlungsposition. So gesehen kam Rosbergs Sieg in Shanghai gerade Recht.

Bernie Ecclestone soll daraufhin den Verantwortlichen der Silberpfeile mit den Worten gratuliert haben: "Ich freue mich mehr als ihr." Der alte Mann vom Londoner Princess Gate war schon immer ein Meister der feinen Ironie.

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