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Mercedes DRS-Trick

Fotos entlarven das Silberpfeil-Geheimnis

Mercedes F-Schacht DRS F1-Technik GP China 2012 Foto: xpb 25 Bilder

Lange wurde spekuliert, wie Mercedes bei seinem Doppel-DRS-Trick die Luft vom Heckflügel in den Frontflügel bekommt. In der Garage von Shanghai präsentierte sich der Silberpfeil nun erstmals ohne Haube. Die interessanten Bilder zeigen, was unter der Karbonhaut steckt.

13.04.2012 Tobias Grüner

Nach und nach gibt der Mercedes AMG W03 seine Geheimnisse preis. Lange konnte man die genaue Funktion und Konstruktion des umstrittenen Doppel-DRS-Tricks für sich behalten. Doch gegen die Spione der Konkurrenz und die hochauflösenden Objektive der Fotografen sind die Ingenieure auf lange Sicht machtlos.

Am Freitag (13.4.) wurde in Shanghai ein weiteres Detail des sagenumwobenen Mercedes-Systems gelüftet, das den Silberpfeil bei aktiviertem DRS fast zehn km/h schneller als die Konkurrenz macht. Nachdem in Australien das Geheimnis um das Eingangsloch für den Luftstrom gelüftet wurde, konnte man in der Garage nun auch erstmals die Leitungen erkennen, mit denen die Strömung quer durch das Auto geführt wird.

Theoretisch war es zuvor schon klar, wie die Mercedes-Ingenieure das Problem gelöst hatten. Nun bekam es die Konkurrenz auch im Bild präsentiert. Die Luft wird über die beiden hohlgebohrten Endplatten in zwei Schächte geführt, die über dem Getriebe direkt nebeneinander laufen, dann aber getrennt seitlich über dem Motor nach vorne führen.

Nase muss an Luftschacht-System angekoppelt werden

Am Cockpit vorbei geht es in Richtung Frontflügel. Ein Problem ist die Verbindung zwischen Chassis und Nase. Wie die Bilder aus Shanghai zeigen, werden die Rohre immer mit einer Blende vor Verunreinigungen geschützt, wenn der Frontflügel demontiert ist. Beim Anbringen der Nase müssen die Mechaniker die Verbindungen der Luftkanäle regelrecht ankoppeln.

Auch das Geheimnis um die Luftauslässe ist mittlerweile geklärt. Beobachter hatten nach dem Crash von Michael Schumacher im Training von Melbourne erkannt, dass die Luft über vier Schlitze an der Unterseite des Hauptblatts austritt und damit die Strömung abreißen lässt. Das reduziert den Abtrieb und den Luftwiderstand und steigert dadurch die Höchstgeschwindigkeit.

Neben dem reinen Gewinn in Sachen Top-Speed verbessert das System auch die Balance bei aktviertem DRS. Wenn der Heckflügel hochklappt vermindert sich nun nicht nur auf der Hinterachse der Abtrieb sondern auch an der Front. So können Schumacher und Rosberg im Qualifying auch mal schnelle Kurven mit geöffnetem Flügel fahren, ohne dass das Heck schlagartig ausbricht.

Mercedes-Kopie nicht unkompliziert

Nachdem Konkurrent Lotus am Donnerstag mit dem offiziellen Protest gescheitert ist, beginnt nun das große Kopieren. "Eigentlich ist das System nicht kompliziert. Ein paar Carbon-Röhren durchs Auto zu verlegen ist auch nicht besonders teuer", schmunzelte Mercedes-Teamchef Ross Brawn. Das "Superhirn" weiß, dass der Knackpunkt darin liegt, das System in ein bestehendes Autokonzept zu integrieren.

Die rund vier Kilogramm schweren Komponenten sind über das komplette Auto verteilt. In Bereichen, wo jeder Zentimeter zählt und alles eng verpackt ist, lassen sich nicht mal eben zwei Rohre von hinten nach vorne einbauen. Außerdem werden eine neue Nase sowie geänderte Heck- und Frontflügel benötigt. Und dann muss das System auch noch richtig abgestimmt sein. Mercedes hat diese Arbeit schon hinter sich. Der Silberpfeil war von Beginn an auf das Doppel-DRS ausgelegt. Mal sehen, wie lange der Vorteil noch hält.

Die Bilder mit der genauen Beschreibung des Systems und den neuen Bildern aus Shanghai finden Sie in der Fotogalerie.

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