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Mercedes-Duell

"Fairplay kommt an die Grenze"

Lewis Hamilton & Nico Rosberg - Mercedes - GP Ungarn 2014 Foto: Wilhelm 36 Bilder

Mercedes lässt seine Fahrer gegeneinander antreten. Doch das Fairplay stößt hin und wieder an seine Grenzen. Weil es nicht für jede Rennsituation ein Handbuch gibt. So wie beim GP Ungarn. Doch warum kam es überhaupt so weit, dass Hamilton die Stallregie ignoriert hat? Wir sagen es Ihnen.

30.07.2014 Michael Schmidt

Eine bessere Geschichte konnte der Formel 1 vor der Sommerpause nicht passieren. Im Mercedes-Lager kracht es wieder. Nach dem Monaco-Zwist hatten sich die Gemüter langsam wieder beruhigt. Nur Lewis Hamiltons Defektserie sorgte für Aufregung, die freilich etwas künstlich ist, denn kein vernünftiger Mensch mag glauben, dass dahinter Absicht steckt. Doch sie zehrte an den Nerven. Hamilton fühlte sich vom Pech verfolgt.

Eigentlich war die Ausgangsposition in Hockenheim und Budapest unverdächtig. Rosberg startete vorne, Hamilton hinten. Die Chance, dass beide während des Rennens zusammentreffen war praktisch gleich null. Also auch kein Stress für den Kommandostand. Doch was in Ungarn passierte, stand in keinem Skript. Zum ersten Mal überhaupt durfte Mercedes von seiner harten Linie der Gleichbehandlung abweichen.

Bislang galt, dass die Anzahl der Boxenstopps gleich sein mussten. Nur eine unterschiedliche Reifenabfolge war erlaubt. Doch wenn der eine Fahrer von der Pole Position startet und der andere aus der Boxengasse, dann müssen auch unterschiedliche Strategien erlaubt sein. Weil beide Fahrer unterschiedliche Rennen fahren. Dachte man.

Ab Runde 16 fuhren Mercedes-Fahrer das gleiche Rennen

Es kam ganz anders. Der Wetter-Mix und ein Safety-Car brachte die beiden Mercedes-Fahrer schon nach 16 Runden wieder ins gleiche Rennen zurück. Rosberg und Hamilton fuhren in einem Viererpulk, der von Jean-Eric Vergne aufgehalten wurde, während sich vorne Ricciardo, Massa und Alonso abseilten. Und hier passierte der eigentliche Fehler, der später zu der viel diskutierten Aufforderung an Hamilton führte, er solle Rosberg vorbeilassen, weil der mit einem Stopp mehr unterwegs sei.

Die Strategen holten Rosberg in Runde 32 aus dem Verkehr und verpassten ihm weiche Reifen. Hamilton ließen sie auf einer Zweistopp-Strategie. Er sollte in der 39. Runde eine Garnitur harte Reifen bekommen, die bis zum Ende halten würden. Rosberg war also auf der Ricciardo-Taktik unterwegs, Hamilton auf der von Alonso. Man könnte sagen, Mercedes habe beide Gegner abgedeckt.

Doch das hätte eigentlich das Gebot der Fairness verboten. Eine der beiden Strategien war per Definition besser. Mercedes argumentiert, dass Rosberg deshalb früher an die Boxen kam, weil er mit dem Überholen mehr Mühe hatte als Hamilton. Der Top-Speed-Unterschied betrug aber nur 0,9 Sekunden. Und Hamilton kam an Vettel so wenig vorbei wie Rosberg an Vergne.

Beide Mercedes-Fahrer kämpften um den Sieg

Erst dieser Taktik-Split brachte Mercedes in die missliche Lage, dass sich die beiden Piloten in Runde 46 wieder auf der Strecke trafen. Diesmal mit unterschiedlichen Reifen und unterschiedlichen Strategien. Hamilton bekam drei Mal den Befehl Rosberg vorbeizulassen, und er hörte drei Mal weg. Nach Meinung von Niki Lauda zu Recht. Der Engländer war nicht in einem anderen Rennen, sondern im gleichen. Er kämpfte wie Rosberg mit Alonso und Ricciardo um den Sieg. Hätte er Rosberg ziehen lassen, wären seine Chancen auf den Sieg geringer gewesen.

Die Preisfrage lautet, ob Rosberg dann gewonnen hätte. Der Deutsche verlor hinter Hamilton vier Sekunden. Doch weil er bei seinem dritten Stopp auf jeden Fall hinter Alonso, Ricciardo und Hamilton gefallen wäre, hätte er zuerst an den drei Fahrern vorbeikommen müssen.

Das wäre angesichts der Probleme, die Rosberg an diesem Tag mit dem Überholen hatte, schwierig geworden. Zumal Ricciardo im Finale ähnlich gute Reifen hatte wie Rosberg. Und Alonso gegen Hamilton gezeigt hat, dass er in der Lage war, einen Mercedes in Schach zu halten. Lauda bringt es auf den Punkt: "Hätte, wäre, wenn zählt nicht. Ricciardo war an diesem Tag der schnellste, und Red Bull hatte die beste Taktik."

Keine Mercedes-Stallregie mehr

Toto Wolff resümierte nach dieser neuen Erfahrung: "Wir sind mit unserem Fairplay an neue Limits gestoßen. Es war schwierig, sich für die beste Taktik zu entscheiden. Wenn es eine Lektion aus diesem Rennen gibt, dann vielleicht die, dass es nie wieder einen Befehl geben darf, den anderen Fahrer vorbeizulassen."

Wolff will auch nicht ausschließen, dass es das Team bei den restlichen Rennen noch einmal kalt erwischt. "Man kann nicht alle möglichen Szenarien voraussehen und dafür einen Plan machen. Wir müssen unsere internen Regeln nach jeder neuen Erfahrung auf den Prüfstand stellen und anpassen."

Diese Diskussionen hätten Mercedes bereits in Silverstone treffen können. Wäre Rosberg beim GP England nicht mit einem Getriebeschaden ausgefallen, hätte sich eine ähnliche Konstellation ergeben wie in Ungarn. Irgendwann wäre Hamilton klar geworden, dass er nur mit einer Einstopp-Strategie gegen Rosberg gewinnen konnte.

Es waren aber eisern zwei Stopps für ihn vorgesehen. Obwohl er das Rennen auf harten Reifen zu Ende fahren hätte können und Rosberg zwingend noch einen zweiten Stopp hätte machen müssen, um beide Reifentypen einmal zu fahren. Hätte Hamilton vor seinen Landsleuten den Sieg freiwillig verschenkt und den dritten Reifensatz an der Box abgeholt? Der GP Ungarn hat die Antwort gegeben. Hamilton hätte wohl auch da den Befehl verweigert.

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