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Wende im Mercedes-Duell

Warum ist Rosberg plötzlich so gut?

Rosberg & Hamilton - GP Brasilien 2015 Foto: Wilhelm 30 Bilder

Seit dem GP Japan hat Nico Rosberg die Nase vorn. Zuerst nur im Training. Doch jetzt gewinnt der Deutsche auch noch die Rennen. Und alle fragen sich: Was macht Rosberg anders als vorher?

18.11.2015 Michael Schmidt

Ist es Zufall oder nicht? Seit die Weltmeisterschaft entschieden ist, kann Lewis Hamilton nicht mehr gewinnen. Seit Nico Rosberg im WM-Duell aussichtslos zurücklag, steht er auf der Pole Position.

Drei Mal konnte er den besten Startplatz nicht in Siege ummünzen. Dafür klappte es bei den letzten beiden Rennen in Mexiko und Brasilien wie geschmiert. Rosberg dominierte im Stile eines Weltmeisters. Und Hamilton wartet weiter auf seine 50. Pole Position und seinen 44. Sieg.

Jetzt fragen sich alle: Ist das ein neuer Rosberg? Was hat in ihm den Schalter umgelegt? Ist er besser geworden oder Hamilton schlechter? Rosberg hat offenbar den Dreh gefunden, konstant schneller zu fahren als sein Teamkollege.

Das könnte daran liegen, dass er etwas gefunden hat, was ihn 13 Rennen lang bremste. Oder dass der Weltmeister nach erfüllter Mission die Zügel schleifen lässt. Zehren Hamilton die langen Partynächte, das Herumjetten in der Welt oder die Kollision mit einem Taxi mitten in der Nacht in Monte Carlo so aus, dass er nicht mehr 100 Prozent im Rennauto geben kann? Er sagt nein: "Ich habe keinen Millimeter nachgelassen."

Rosberg im Schnitt um 0,172 Sekunden schneller

Viele Theorien werden gerade diskutiert. Rosberg hat sich mit den Bremsen arrangiert, spekuliert die BBC. Er kann jetzt später den Anker werfen und das ausbrechende Heck besser kontrollieren. Die Verbesserung würde aber nur im Bereich von Hundertstelsekunden liegen. Auch die hohen Reifendrücke, die Pirelli seit Monza vorschreibt, wurden ins Spiel gebracht. Angeblich kommen sie Rosbergs Fahrstil entgegen. Hamilton protestiert: "Ich habe seitdem auch 3 Rennen gewonnen."

Tatsache ist, dass das Pendel umgeschlagen ist. Zuerst im Training. Bei seinen 12 Trainingssiegen war Hamilton im Schnitt um deutliche 0,324 Sekunden schneller. Seit Rosberg regelmäßig vor ihm steht, beträgt der durchschnittliche Abstand 0,172 Sekunden.

Erklärungen? In Suzuka wurde Hamiltons zweiter Versuch durch den Unfall von Daniil Kvyat gestoppt. Aber auch Rosberg hatte noch eine Patrone im Magazin. In Sochi unterlief Hamilton ein Fehler in Kurve 13. Da war der Abstand aber mit 0,32 Sekunden am größten. In Austin rutschte Hamilton in einer Wasserlache aus, als er Rosbergs Bestzeit kontern wollte. Für die 0,188 Sekunden-Differenz in Mexiko gab es keine wirkliche Erklärung. In Brasilien kritisierte sich Hamilton selbst: "Ich brachte Sektor 1 nicht richtig zusammen."

Rosberg macht keine Fehler mehr

Rosberg selbst kann oder will nichts zur Aufklärung beitragen. "Viele kleine Dinge, nichts Spezielles. Du musst dich laufend anpassen. Wir fahren jetzt andere Autos, andere Reifen und andere Setups als im letzten Jahr oder im ersten Teil der Saison."

Chefingenieur Andrew Shovlin bestätigt: "Wir können an den Daten kein Muster erkennen, was Nico jetzt anders macht." Und Teamchef Toto Wolff vermutet, dass die Psyche eine Rolle spielt. "Weder die Fahrer noch ich haben eine genaue Erklärung. Vielleicht spielt es sich im Unterbewusstsein ab. Lewis hat alle Ziele erreicht, und Nico kann ohne Druck fahren. Vielleicht ist bei Lewis deshalb der Adrenalinpegel nicht mehr so hoch."

Im Rennen lassen sich noch eher Gründe für die Wende finden. Erstens der Lernprozess: Nachdem ihn Hamilton in der ersten Kurve zwei Mal auf der Außenspur verhungern ließ, mauert Rosberg beim Start konsequent die Innenspur zu. Danach kontrolliert er Tempo und Gegner.

Es ist eine alte Weisheit, dass der zweite Platz eine dreifache Strafe ist. Der Verfolger verliert in den Turbulenzen des Spitzenreiters Abtrieb, und er ruiniert sich dabei auch noch die Reifen. Dazu bekommt der Mann auf dem ersten Platz die bessere Taktik. Also immer den ersten Boxenstopp.

Tatsächlich gab es nur 4 Rennen, bei denen sich die Startreihenfolge umdrehte. In Monaco fiel Hamilton nach einem überflüssigen Boxenstopp hinter Rosberg. Am Red Bull-Ring gewann Rosberg aus der zweiten Position das Beschleunigungsduell beim Start. In Suzuka und Austin erzwang Hamilton die Vorfahrt in Kurve 1.

Danach blieb die Reihenfolge im Rennen immer gleich. Einzige Ausnahme war Austin. Dort führten aber das Wetter und die Safety-Cars Regie. Rosberg schaffte den Positionswechsel, schenkte die Führung aber durch einen Fehler wieder her.

Genau das ist der Unterschied zu vorher. Seit zwei Rennen macht der WM-Zweite keinen Fehler mehr. Und deshalb muss sich Hamilton warm anziehen.

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