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Mercedes F-Schacht

Lotus legt offiziell Protest ein

Mercedes W03 2012 Foto: xpb 20 Bilder

Update ++ Lotus hat in China einen offiziellen Protest gegen den F-Schacht von Mercedes eingelegt. Die FIA muss nun noch einmal prüfen, ob das umstrittene System wirklich legal ist. Große Aussichten auf Erfolg hat der Lotus-Einspruch aber nicht.

11.04.2012 Michael Schmidt

Vergangene Woche haben sich die Technikdirektoren der Teams mit FIA-Rennleiter Charlie Whiting getroffen. Es war eine ihrer turnusgemäßen Sitzungen. Ein Punkt auf der Agenda war wie erwartet das leidige Thema F-Schacht. Die Gegner versuchten die Regelhüter davon zu überzeugen, dass der kontrollierte Strömungsabriss am Frontflügel über ein Kanalsystem, das bei der Betätigung des DRS-Knopfes über zwei Löcher in den Heckflügelendplatten mit Luft gespeichert wird, illegal sei.

Es kamen neue und alte Argumente auf den Tisch. Lotus beharrt auf den alten. Der WM-Fünfte sieht in der Betätigung des F-Schachts durch den DRS-Knopf einen unerlaubten Eingriff des Fahrers in die Aerodynamik. Technikdirektor James Allison warnte dabei, dass die Legalisierung ganz andere Möglichkeiten offenlasse, wie man den DRS-Knopf mit Zweitfunktionen belegen könne.

Wie von auto motor und sport schon am Mittwoch exklusiv angekündigt, hat Lotus in Shanghai am Donnerstag (12.4.) offiziell einen Protest gegen den Technikcoup von Mercedes eingelegt. Immerhin waren die Gegner des DRS-Systems so fair, den Einspruch rechtzeitig vor dem Rennwochenende bei der FIA zu deponieren. Sollten die Sportkommissare Lotus Recht geben, könnte Mercedes auf einen konventionellen Heckflügel umrüsten und damit den F-Schacht im Frontflügel lahmlegen.

Da der Vorwurf keine wirklich neuen Erkenntnisse enthält, ist allerdings nicht davon auszugehen, dass die FIA ihre Meinung zur Legalität des DRS-aktivierten F-Schachts ändern wird. Die Sportkommissare werden sich vor ihrer Entscheidung natürlich nicht nur die Meinung von Lotus einholen, sondern auch die von FIA-Rennleiter Charlie Whiting und der Technikexperten in den Reihen des Verbandes wie zum Beispiel dem Technischen Delegierten Jo Bauer.

Kommt der Fall vor das FIA-Berufungsgericht?

Da der Flügel bei der technischen Abnahme an der Rennstrecke schon zwei Mal als legal eingestuft wurde, ist nicht zu erwarten, dass die Kommissare ihre Meinung jetzt in Shanghai plötzlich ändern. Sollte Lotus wirklich von seinen Argumenten überzeugt sein, sind die Chancen hoch, dass der Rennstall anschließend noch das FIA-Berufungsgericht einschaltet, um die Entscheidung der Experten an der Strecke zu überprüfen.

McLaren wird auf keinen Fall gegen seinen Motorenlieferanten Mercedes vorgehen und sich aus der Sache raushalten. Aber aus den Reihen des F-Schacht-Erfinders kam ein Gedanke, der etwas mehr Substanz hätte als die Kritik von Lotus.

Da Luft über zwei Löcher in den Heckflügelendplatten in ein Kanalsystem geleitet wird, das am Frontflügel diese Luft wieder über vier Schlitze ins Freie abbläst, könnte man bei exakter Auslegung des Wortlauts behaupten, dass die innere Durchströmung wegen der beiden offenen Enden auch auf den Luftfluss auf der Außenseite einwirkt.

Demzufolge müssten die Öffnungen hinten wie vorne laut Reglement die 100-Millimeter-Radius einhalten, was wegen der eckigen Konturen natürlich nicht möglich ist. Aber auch dieser Haarspalterei werden keine großen Chancen gegeben. Wer diesen Gedanken zu Ende führt, müsste auch Kühlschächte und Airboxen verbieten.

Sauber arbeitet schon an F-Schacht-Kopie

Erstaunlich ruhig blieb es in den letzten Tagen um Red Bull. Die Titelverteidiger haben das Säbelrasseln offenbar Lotus überlassen. Vermutlich, weil man längst an einem eigenen System arbeitet. Nicht nur die Top-Teams haben die Entwicklungsmaschinerie in diese Richtung bereits angeworfen. Auch bei Sauber denken die Ingenieure schon darüber nach, wie man nachträglich ein Kanalsystem in das Auto integrieren könnte.

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