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Die Lage von Mercedes

Silberpfeil ein bedingt gutes Auto

Michael Schumacher Formel 1 2012 GP England Foto: Mercedes 29 Bilder

Mercedes verwirrt sein Fans. Mal siegfähig, mal nur Mittelmaß. Die Ergebnisse sind stark vom Streckentyp und vom Wetter abhängig. Aus Angst um die Reifen müssen Michael Schumacher und Nico Rosberg mit vielen Kompromissen leben. Das erinnert an McLaren.

10.07.2012 Michael Schmidt

Aus Mercedes wird man nicht schlau. In Shanghai fuhr Nico Rosberg allen um die Ohren. In Bahrain gab es Magerkost. In Monte Carlo markierte Michael Schumacher die schnellste Trainingsrunde und Rosberg wurde Zweiter. Hätte der Sieger des GP China einen Weg an Mark Webber vorbeigefunden, hätte er auch in Monaco locker gewonnen.

In Montreal waren die Silberpfeile prinzipiell schnell, landeten aber nur auf den Verfolgerplätzen. Beim GP Europa in Valencia zog der Kommandostand mit späten Boxenstopps den großen Coup aus dem Ärmel. Sonst wären Schumacher und Rosberg nicht auf den Plätzen drei und sechs gelandet.

Mercedes in Silverstone stark im Regen

Zuletzt in Silverstone verpackte Mercedes seine Formschwankungen in ein einziges Wochenende. Am Samstag hui, am Sonntag pfui. Michael Schumacher stellte den AMG W03 im Abschlusstraining auf Startplatz drei. Es hätte auch die Pole Position sein können, hätte er wie seine Kollegen von Anfang an Intermediates aufgezogen.

Im Rennen kämpfte der Rekordsieger mit dem Rücken zur Wand. Nach zehn Runden konnte er seinen dritten Platz nicht mehr verteidigen. Bis ins Ziel rutschte er auf die siebte Position ab. Nico Rosberg kam erst gar nicht in die Nähe der Punkteränge. Aber nicht, weil die Reifen eingebrochen wären. Schumacher fuhr seine schnellste Runde im 52. Umlauf. Also ganz am Schluss. Die Mercedes waren schlicht zu langsam.

Silberpfeil zu langsam in schnellen Kurven

Das liegt an der Streckencharakteristik. Schnelle Kurven sind Gift für die Silberpfeile. Das zeigte sich bereits in Barcelona. Da kam Rosberg nur auf Platz sieben. Die ideale Strecke sieht aus wie Shanghai. Langsame und mittelschnelle Kurven in der Überzahl, eine lange Gerade, ein Asphalttyp mit hohem Grip, ein Layout, das den Vorderreifen mehr belastet als den Hinterreifen. Silverstone ist das genaue Gegenteil davon mit der Ausnahme, dass auch hier die Hauptlast auf den Vorderreifen liegt. Deshalb gab es auch keine Reifenprobleme im Mercedes-Camp.

Ross Brawn bestätigt, dass sein Auto in schnellen Kurven ein Defizit hat, räumt aber ein, dass man erfolgreich daran arbeite. "Wir sind da besser als zu Saisonbeginn. Ein Rennauto ist immer ein Kompromiss. Es gibt keines, das alles kann. Wenn du am Konzept des Auto arbeitest, überlegst du dir, welcher Kurventyp auf den 20 Strecken in der Überzahl ist. Und es gibt nun mal mehr langsame als schnelle Kurven. Also legst du bei der Konstruktion deinen Fokus auf diesen Kurventyp."

Sebastien Buemi ist beim Streckenstudium in der Becketts-Passage aufgefallen: "Der Mercedes rollt ziemlich stark in den schnellen Kurven über die Längsachse. Das ist gut für die Reifen, aber nicht so gut für den Speed."

Im Regen hat sich Mercedes deutlich gesteigert. Zu Saisonbeginn stand man da noch auf verlorenem Posten. Man erinnere sich an die feuchte Anfangsphase des GP Malaysia. In Silverstone zählten die silberlackierten Autos zu den Stars auf nasser Piste. Schumacher und Rosberg fuhren auf Augenhöhe mit Red Bull und Ferrari. Brawn bestätigt: "Im Regen sind wir klar stärker geworden." Schumacher wünschte sich nicht umsonst ein Regenrennen, doch der Wettergott war am Sonntag kein Mercedes-Fan.

Mercedes verzichtet auf Technik-Updates

Nachdem Mercedes sein Auto bis zum GP Monaco aggressiv weiterentwickelt hat, ist der Nachschub an neuen Teilen zuletzt etwas ins Stocken geraten. Ross Brawn erklärt warum: "Abtrieb ist nicht alles. Was hilft dir eine aerodynamische Verbesserung um zwei Zehntel, wenn dann die Reifen nicht halten. Deshalb liegt unser Fokus auf der Kontrolle der Reifen. Da gehört mehr dazu als nur die Aerodynamik. Zum Beispiel die Aufhängungen, das Fahrzeug-Setup, die Vorbereitung der Reifen."

Der Brillenträger macht den gesunkenen Einfluss der Aerodynamik an einem Beispiel fest: "Wir haben sieben verschiedene Autos im Feld, die sehr eng zusammenliegen. Sie haben bestimmt nicht alle die gleiche aerodynamische Effizienz. Ich bezweifle auch, dass der Ferrari das effizienteste Auto ist. Er liegt in der WM aber vorn. Also müssen auch andere Faktoren eine Rolle spielen."

Konkurrenz hat Reifenrätsel entschlüsselt

Während man bei Ferrari, Sauber, Williams, Lotus und neuerdings auch Red Bull das Gefühl hat, dass sie das Reifenrätsel entschlüsselt haben, ist man sich bei McLaren und Mercedes nicht so sicher. Mercedes arbeitet immer noch daran, seine Datenbank zu füllen. "Wir müssen herausfinden, unter welchen Umständen solche Wochenenden einer deutlichen Überlegenheit wie bei Rosberg in Shanghai oder bei Vettel in Valencia zustandekommen", fordert Brawn.

Der Grundstein dafür wird bereits am Freitag gelegt. Wenn da die richtigen Entscheidungen getroffen werden, passt auch der Sonntag. "Je nachdem wie gut du die Reifenabnutzung für dein Auto am Freitag einschätzt, umso besser kannst du dich vom Setup und der Strategie her auf das Rennen vorbereiten. Du legst in der Regel am Freitag fest, wie viele Stopps du am Sonntag einlegen wirst. Und das bestimmt die Fahrzeugabstimmung."

Ein Beispiel. Mercedes war in Valencia der Meinung, man könne ein Einstopp-Rennen wagen. Darauf wurden die Autos getrimmt. Das kostete Speed in der Qualifikation, weil die Hinterreifen nicht zu stark belastet werden durften. Im Rückblick war die Einschätzung falsch. Ein Stopp war unmöglich. Die späte Korrektur der Taktik erwies sich für Mercedes jedoch als Glücksbringer. Hätte man die Einstopp-Strategie durchgezogen, wäre man aus den Punkterängen gefallen. So gab es mit 23 Zählern das zweitbeste Saisonergebnis.

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