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Mercedes fordert Red Bull

Hat Mercedes noch Titelchancen?

Red Bull Mercedes GP England 2013 Foto: xpb 30 Bilder

Bei Red Bull herrscht Alarmstufe eins. Mercedes entwickelt sich mehr zur neuen Macht in der Formel 1. Im Training sind die Silberpfeile bereits eine Klasse für sich. Jetzt beginnen die Ingenieure auch noch die Reifen zu verstehen. In der WM-Wertung gerät Red Bull unter Druck.

03.07.2013 Michael Schmidt

Red Bull sah die Gefahr kommen. Für die Titelverteidiger war Mercedes immer ein Schreckgespenst. Weil der Autokonzern und seine Söldner aus Brackley und Brixworth eigentlich alle Voraussetzungen mit sich bringen, an der Spitze zu fahren. Doch drei Jahre lang stolperte Mercedes immer wieder über seine eigenen Füße. Jetzt ist der Knoten geplatzt. Aus dem Papiertiger wurde ein echter Herausforderer. Und zwar früher als es Red Bull lieb ist.

Zum ersten Mal in der jüngeren Formel 1-Geschichte liegt Mercedes auf Platz zwei der Konstrukteurs-WM. Auf Red Bull fehlen nur noch 48 Punkte. WM-Titel nicht ausgeschlossen. In Salzburg und Milton Keynes rechnete man eigentlich erst 2014 mit der großen Attacke des Angstgegners. Dann, wenn Mercedes möglicherweise den Ton bei den neuen Turbo-Motoren angibt.

Mercedes-Chefs sitzen am richtigen Platz

Lange wurde der tolpatschige Riese belächelt. Viele Häuptlinge, keine Soldaten. Großer Auftritt, kleiner Ertrag. Dazu immer wieder die gleichen Fehler. Die Aerodynamik: ineffizient. Das Fahrwerk: viel zu kompliziert. Die Reifen: ein großes Fragezeichen. Die Weiterentwicklung: Rückschritt statt Fortschritt. Der Windkanal: zu kleiner Maßstab. Mercedes kam drei Jahre lang nicht auf die Füße. Einziges Highlight war der Sieg von Nico Rosberg beim GP China 2011.

Doch im Hintergrund wurden längst die Weichen für den Erfolg gestellt. Die vielen Chefs sitzen jetzt alle am richtigen Platz. Ross Brawn beaufsichtigt die Technik, Toto Wolff die Finanzen. Niki Lauda stellt intern unangenehme Fragen. Aldo Costa, Geoff Willis und Bob Bell leiten die Projektgruppen.

Paddy Lowe, der von McLaren ins Werksteam gewechselt ist, sitzt in Warteposition. Er wird Ross Brawns Nachfolger, wenn der kürzer tritt. Das kann am Ende dieses Jahres passieren oder eine Saison später. Brawn will mit einem WM-Titel abtreten. Und der ist keine Illusion mehr.

Mercedes zwingt Red Bull zu Räikkönen

Kein Team ist technisch besser besetzt. Und keines hat eine bessere Fahrerpaarung. Das zwingt Red Bull fast dazu, Kimi Räikkönen für 2014 zu verpflichten. Sebastian Vettel allein kann keine Konstrukteurs-WM gewinnen. Nicht gegen Lewis Hamilton und Nico Rosberg.

Die neue Turbo-Ära könnte Mercedes eine weitere Trumpfkarte in die Hand spielen. Red Bull-Chef Christian Horner prophezeit: "In der Spitzenleistung werden sich die Motoren kaum unterscheiden. Wichtig ist, wer im Rennen aus dem vorhanden Sprit das meiste rausholt." Schlimme Vorahnung: Das könnte Mercedes sein.

Auch finanziell ist der Rennstall besser ausgestattet. Das Budget soll von 145 auf 190 Millionen Euro angehoben werden. Da läge man nicht mehr um Welten hinter Red Bull und Ferrari zurück.

Mercedes W04 ist eine gute Red Bull-Kopie

Mercedes hat außerdem schneller auf seinen Baustellen aufgeräumt, als es den Gegnern lieb war. Das neue Auto ist eine Rakete. Projektleiter Aldo Costa hat das Red Bull-Prinzip der starken Anstellung erfolgreich kopiert. Im Training sind die Silberpfeile fast schon unschlagbar. Fünf Mal Pole Position, drei Mal eine komplette erste Startreihe. "Zur Zeit ist Platz drei das Maximum", stöhnt Vettel.

Mit dem Mercedes AMGW04 wurden alle Fehler der Vergangenheit abgestellt. Die Aerodynamik funktioniert, seit der Windkanal mit 60-Prozent-Modellen läuft. Das vernetzte Fahrwerk namens Fric wurde abgespeckt. Die Weiterentwicklung läuft nach Plan. "Wir machen jedes Rennen mindestens ein Zehntel gut. In den letzten Jahren ging es in der zweiten Saisonhälfte immer rückwärts", freut sich Lauda.

Red Bull schiebt alles auf den Barcelona-Test

Jetzt scheint man auch die Reifen langsam zu verstehen. In Montreal und Silverstone blieben die Temperaturen auf den Hinterreifen im grünen Bereich. Da es sich um zwei unterschiedliche Strecken handelte, kann man davon ausgehen, dass dahinter Methode steckt. Die Änderungen an den hinteren Bremsbelüftungen und der Hinterachse halten jetzt die Laufflächen unter den kritischen 160 Grad.

In Kanada fehlte noch der ultimative Rennspeed. Beim GP England rückte Mercedes schon näher an Red Bull heran. Vettel hielt Rosberg zwar mit drei Sekunden auf Distanz, doch Hamilton wäre für ihn eine harte Nuss geworden. Natürlich schiebt Red Bull alles auf den ominösen Reifentest. "Mercedes kommt seit dem Test in Barcelona mit den Reifen besser klar als vorher. Ziehen Sie Ihre eigenen Schlüsse daraus", stichelt Red Bull-Stardesigner Adrian Newey.

Brawn wertet Red Bull-Attacken als Kompliment

Statistiker halten Mercedes vor: In den fünf Rennen vor dem Reifentest betrug der Schnitt 14,4 Punkte pro Grand Prix. Seitdem sind es 33 Zähler pro Rennen. Red Bull hat schon gewusst, warum man 162 Punkte Abzug als Strafe für den Reifentest forderte. Niki Lauda reagiert gereizt: "Ich kann diesen Blödsinn nicht mehr hören. Über dieses Thema wurde alles gesagt. Es gibt ein Gerichtsurteil. Damit ist jede weitere Diskussion sinnlos. Wir haben unser Auto seitdem ganz konsequent weiterentwickelt. Dann kommst du automatisch näher ran."

Red Bulls Versuche, den Gegner abseits der Strecke zu schwächen, wertet Ross Brawn als Kompliment: "Es zeigt, dass sie uns ernst nehmen." Lauda sieht es sogar als Vorteil: "Wenn die anderen sich weiter über das Thema aufregen, freut mich das. Es lenkt sie nämlich nur ab." Ein Problem hat Mercedes aber noch. Jetzt, wo Pirelli für den GP Ungarn neue Reifen bringt, tut der Ausschluss vom großen Reifentest in Silverstone vom 17. bis 19. Juli doppelt weh.

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