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Mercedes gegen Ferrari in Sao Paulo

"Ein paar graue Haare mehr"

Massa vs. Hamilton - GP Brasilien 2013 Foto: xpb 60 Bilder

Hinter Red Bull haben Mercedes und Ferrari einen harten Kampf um WM-Platz zwei ausgefochten. Mercedes gewann ihn mit sechs Punkten Vorsprung. Es war eine Nervenschlacht, bei der Fehler der Fahrer den Ausschlag gaben.

26.11.2013 Michael Schmidt

Für Mercedes und Ferrari ging es um den Trostpreis. Platz zwei hinter Red Bull. Mercedes konnte besser damit leben als Ferrari. Die Strippenzieher der Silberpfeile hatten nach drei Jahren Mittelmaß nicht unbedingt den Anspruch gleich Weltmeister zu werden. Ferrari schon. Dort rennt man dem Titel seit 2007 hinterher.
 
Trotzdem sagt Rennleiter Stefano Domenicali: "Platz zwei hätte besser ausgesehen als Rang drei. Aber wir haben uns mit einer sportlich starken Leistung aus der Saison verabschiedet. Das wird uns Motivation für das nächste Jahr geben." Technikchef Pat Fry meinte bitter: "Heute waren wir das zweitbeste Team."

Mercedes verdonnert Fahrer zur Vorsicht

Mercedes ging mit 15 Punkten Vorsprung in das Finale und kam mit einen Bonus von 6 Zählern aus ihm heraus. Eigentlich war die Aufgabe einfach. Doch genau darin lag die Tücke. Die Teamleitung vergatterte beide Piloten, dass an diesem Tag nicht ihr persönliches Schicksal zähle, sondern das Teamresultat. Nico Rosberg und Lewis Hamilton wurden darauf eingeschworen, sich aus allen Zweikämpfen herauszuhalten, die Red Bull in Ruhe zu lassen und notfalls einfach nur den beiden Ferrari hinterherzufahren.
 
Ross Brawn ließ sogar einen Regenspotter im Südosten der Strecke postieren, um hereinziehende Schauer sofort zu melden. Bei Ferrari war volle Attacke angesagt. Man sah es an den Top-Speeds. Fernando Alonso und Felipe Massa lagen im Schnitt 4 km/h vor ihren Mercedes-Kollegen. Das heißt: Langer siebter Gang, weniger Abtrieb. Somit wurde das Training im Regen zur Gratwanderung. Alonso löste sie brillant, Massa weniger gut.

McLaren als Störenfried im Duell um Platz 2

Es kam alles ganz anders als geplant. Die McLaren mischten überraschenderweise vorne mit und konnten dem einen wie dem anderen in die Suppe spucken. Vor der Serie der ersten Boxenstopps lag Alonso auf Platz 3, gefolgt von Hamilton, Massa und Rosberg. Ferrari hatte zu dem Zeitpunkt erst 5 der 15 Punkte gutgemacht. Nach dem Reifenwechsel holte Ferrari in der virtuellen Tabelle auf. Alonso vor Massa auf Platz 3, Hamilton Fünfter, Rosberg nur Siebter, dazu unter Druck von Sergio Perez. Nur noch vier Zähler trennten da Ferrari von seinem Rivalen.
 
Dann unterlief Massa ein unverzeihlicher Fehler. Er kreuzte drei Mal die schraffierte Fläche vor der Boxeneinfahrt. Der hinter ihm liegende Hamilton berichtete das Vergehen sofort seinem Kommandostand. Man kann davon ausgehen, dass es danach zwischen Mercedes und der Rennleitung regen E-Mail Austausch gab.
 
Unverständlich allerdings, warum Ferrari oder Massa nicht vorab gewarnt wurden. Der Brasilianer hatte das gleiche bereits in der Qualifikation gemacht und konnte von Glück reden, dass die Kommissare da noch beide Augen zudrückten. Die fällige Durchfahrtsstrafe kostete Massa vier Positionen. Er fiel auf Rang 8 zurück. Massa fand die Reaktion der Rennleitung "ungerecht". Domenicali sprach von einem "übertriebenen Urteil". Selbst Niki Lauda musste anerkennen: "Die Strafe war überflüssig. Genauso wie die für Lewis."

Brawn nimmt Schuld für Hamilton auf sich

Mercedes schien bereits auf der sicheren Seite, als Hamilton den Williams von Valtteri Bottas beim Anbremsen von Kurve 4 von der Strecke rempelte. Bottas kam mit frischen Reifen von hinten angeschossen und wollte sich zurückrunden. Hamilton gab an, nicht mit dem Finnen gerechnet zu haben.
 
Das ist der Unterschied zu Sebastian Vettel. Der ließ im letzten Renndrittel gleich zwei Fahrer überholen, die frischere Reifen hatten als er. Sowohl Adrian Sutil als auch Daniel Ricciardo rundeten sich mühelos gegen den Weltmeister zurück.
 
Ross Brawn nimmt Hamilton in Schutz: "Wir hätten Lewis sagen sollen, dass Bottas mit frischen Reifen schneller ist als er, und dass er ihn in Ruhe lassen soll." Hamilton flog zunächst einmal aus den Punkterängen, und Rosberg stand immer noch unter Beschuss von Perez. Zu dem Zeitpunkt stand es nur noch 358:354 für Mercedes.

Mercedes bekommt 80, Ferrari 72 Millionen Dollar

Massa hatte jedoch keine Hoffnung, seinen siebten Platz noch zu verbessern. Rosberg und Perez fuhren fünf Sekunden vor ihm. Und Hamilton schaffte mit einem starken Finale noch den Sprung auf Platz 9. Niki Lauda schüttelte im Ziel den Kopf: "So etwas wie heute brauche ich nimmer. Wir haben uns heute das Leben selbst schwer gemacht."
 
Ross Brawn resümierte den Nervenkrieg um Platz 2 mit den Worten: "Ich habe heute ein paar graue Haare mehr bekommen. Auf den zweiten Platz können wir stolz sein, auch wenn Red Bull klar besser war. Wir ernten heute die Früchte der Arbeit, die wir vor zwei Jahren gesät haben." Auch Rosberg applaudierte: "Der zweite Platz in der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft ist ein riesiger Schritt für unsere Mannschaft."
 
Für Mercedes lohnt sich der zweite Platz im Konstrukteurspokal auch finanziell. Er bringt bei Bernie Ecclestone 80 Millionen Dollar. Ferrari muss sich mit 72 Millionen begnügen. Doch dann gibt es ja noch die Bonuszahlungen. Da tröstet sich Ferrari mit 99 Millionen Dollar. Mercedes bekommt nur 12 Millionen.

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