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Mercedes gegen Red Bull

Der große Krieg in der Formel 1

Sebastian Vettel GP Kanada 2013 Foto: Wilhelm 28 Bilder

Das Verhältnis zwischen Red Bull und Mercedes ist gestört. Zunächst ging es nur um einen vor Jahren geplatzten Motorendeal. Seit Mercedes ein eigenes Team hat, steigt bei Red Bull das Unbehagen. Noch sind die Silberpfeile kein Gegner. Aber sie könnten einer werden. Deshalb wird hinter den Kulissen eifrig Politik gemacht.

16.06.2013 Michael Schmidt

Eine Freundschaft wird das nicht mehr. Auch kein gesunder Wettbewerb. Zwischen Red Bull und Mercedes kracht es, und das nicht erst, seit der Rennstall aus Brackley wegen eines verbotenen Reifentests am Pranger steht. Der Prozess am 20. Juni ist für Red Bull eine willkommene Gelegenheit, den Rivalen der Rennbahn zu schwächen. Deshalb fordert man lautstark eine harte Bestrafung.

Noch liegt Red Bull auf der Rennstrecke vor Mercedes. Aber das kann sich mit der neuen Motorenformel ab 2014 ändern. Seit dem jüngsten Formanstieg der Silberpfeile herrscht in Milton Keynes Alarmstufe 1. Jetzt wird nicht mehr nur undercover Politik gemacht, sondern mit vollen Rohren geschossen.

Die Aussage von Mercedes-Teamchef Toto Wolff, Red Bull sei ein schlechter Verlierer, hat Dietrich Mateschitz, den Chef des österreichischen Getränkegiganten auf die Palme gebracht. Der Softdrink-Zar von Salzburg reagiert in letzter Zeit auf jede Art von Kritik gereizt.

Mercedes lehnt Red Bull als Kunden ab

Besonders gut war das Verhältnis nie. Das österreichische Energy-Drink-Imperium brachte beim Einstieg 2005 Lockerheit in den Zirkus und war damit der Gegenentwurf zu dem steifen Autokonzern aus Stuttgart. Das hat sich längst geändert. Red Bull agiert so unentspannt wie Mercedes zu seinen schlimmsten Zeiten. Inzwischen dürfen die Silberpfeil-Piloten freier sprechen als ihre Kollegen von Red Bull.

Zu ersten echten Verstimmungen kam es 2009, als Red Bull nach Ablauf des ersten Renault-Vertrages Verhandlungen mit Mercedes aufnahm, um mit Motoren beliefert zu werden. Mercedes hatte wenig Lust, sich Konkurrenz ins Haus zu holen. Man gab Red Bull zu verstehen, dass mit einem eigenen Team, McLaren und Force India die Kapazitäten ausgeschöpft seien. Im Laufe der Jahre entzweiten sich die beiden Teams immer mehr. Dabei gab es aus sportlicher Sicht zunächst keinen Grund. Red Bull fuhr von 2010 bis 2012 in einer anderen Liga.

Trotzdem wurde das Klima immer schlechter. Weil beide Teams völlig konträre politische Ansichten entwickelten. Red Bull ist gegen eine Budgetdeckelung, Mercedes dafür. Red Bull will Kundenteams, Mercedes keine. Red Bull unterstützte die Kampagne von Ferrari für mehr Testfahrten, Mercedes war lange dagegen. Erst zuletzt stimmten Niki Lauda und Toto Wolff den Hardliner Ross Brawn um.

Red Bull kämpfte bis zuletzt an der Seite von Bernie Ecclestone darum, dass die Achtzylinder bleiben. Übrigens gegen die Interessen von Renault, die ohne die Einführung der Turbo-Motoren ausgestiegen wären. Mercedes dagegen trommelte mit Ferrari, die Aerodynamik weiter zu beschneiden. Was wiederum die Domäne von Red Bull ist.

Red Bull weitet seine Macht aus

Red Bull-Teamchef Christian Horner verstand es geschickt, das Vertrauen von Bernie Ecclestone zu gewinnen. Er hängt ihm fast so am Rockzipfel wie einst Flavio Briatore. Ross Brawn dagegen geriet bei Ecclestone immer mehr auf die schwarze Liste, weil er gegen die Expansionspläne der großen Teams war.

Der frühere Technikchef von Ferrari kennt auch die andere Seite. Als er 2009 unter der Flagge von Brawn GP segelte, lernte er die Nöte der Privatteams kennen. Red Bull dagegen war längst in die Klasse der Hersteller aufgestiegen. Kein Rennstall gibt mehr Geld aus. Und keiner hat zwei Teams. Das schafft Macht, weil Drohpotenzial vorhanden ist.

Auch in der Geldfrage gingen Mercedes und Red Bull auf Konfrontationskurs. Ross Brawn zählte zu denen, die Red Bull vorwarfen den Ressourcen-Beschränkungsplan zu unterlaufen. Red Bull kritisiert Mercedes, mit zweierlei Maß zu messen. Berater Helmut Marko: "Sie verschweigen bei der ganzen Kostendiskussion immer, dass sie in Brixworth mehr als 400 Leute sitzen haben, die nur für den Motor arbeiten."

Angst vor dem Mercedes-Turbo

Der Motor treibt die Red Bull-Strategen um. So weit, dass sich der eigene Partner Renault anhören musste, um wie viel stärker das Mercedes-Triebwerk sei. Man argumentierte mit Top-Speed-Zahlen, was natürlich reine Augenwischerei ist, weil Red Bull durch die Anstellung seines Autos und kurze Übersetzungen selbst dazu beiträgt, dass man auf der Geraden im Hinterfeld liegt.

Im Augenblick macht der Motor auf der Uhr kaum einen Unterschied, selbst wenn der Mercedes V8 20 PS mehr hätte als die Konkurrenz. In der Turbo-Ära kann sich das Bild ändern. Da kann der Motor nach Expertenmeinung bis zu eine Sekunde bringen. Gleichzeitig gibt es weitere aerodynamische Beschränkungen. Für Red Bull-Technikchef Adrian Newey das Worstcase-Szenario.

Aufgrund dieser Konstellation geht bei Red Bull die Urangst um, Mercedes könnte bald schon ein echter Konkurrent auf der Rennstrecke werden. Die Befürchtungen wurden durch den jüngsten Formanstieg der Silberpfeile verstärkt. Mercedes hat bereits ein Auto, das auf eine Runde mit Red Bull mithalten kann. Nur beim Reifenmanagement hinkt man hinterher.

In Salzburg geht die Angst um, Mercedes könnte eines Tages mehr Geld in den Sport investieren als man selbst und die eigene Siegesserie irgendwann stoppen. Doch Niederlagen stehen beim erfolgsverwöhnten Red Bull-Team nicht mehr im Fahrplan.

Mercedes bei Ecclestone nur auf Rang 4

Deshalb wird im Hintergrund fleißig Politik gemacht. Es beginnt bei den Bedingungen, die sich Red Bull bei Bernie Ecclestone für die neue Geldverteilung ausgehandelt hat. Die Österreicher bekommen praktisch so viel Geld wie Ferrari.

Mercedes tauchte im Zirkel der bevorzugten Teams zunächst nicht auf. Der erste Börsenprospekt von CVC ging sogar davon aus, dass Mercedes gar nicht dabei ist. Teils aus eigener Schuld, teils weil es den direkten Gegnern ganz gut in den Kram passte. Je weniger Geld Mercedes aus Ecclestones Kasse bekommt, umso mehr ist das letzte verbliebene große Werksteam geschwächt.

Niki Lauda musste die Wogen wieder glätten und erreichte so etwas wie eine privilegierte Partnerschaft. Red Bull, Ferrari und McLaren stehen deutlich besser da. Damit ist Mercedes bestenfalls die Nummer 4.

Red Bull und Ferrari fordern harte Strafe

Jetzt ergibt sich mit dem Pirelli-Skandal wieder eine Chance, den silbernen Störenfried zu ärgern. Natürlich zunächst einmal wieder, weil Mercedes bereitwillig in die aufgestellte Falle hineingetappt ist. Doch dieser Fall ist nicht ganz so simpel, wie ihn einige selbsternannte Staatsanwälte gerne sehen würden.

Auch Pirelli, die FIA, und die anderen Teams mit ihrer Unfähigkeit zu einer gemeinsamen Lösung zu kommen, haben Fehler gemacht. Jetzt geht es darum, Pirelli zu einer Umkehr seiner Reifenpolitik zu zwingen, sie vielleicht ganz aus dem Sport zu vertreiben und Mercedes in gewissen Streitfragen gefügig zu machen.

Und es geht um ganz persönliche Interessen. Red Bull und Ferrari werden die Silberpfeile langsam zu stark. Helmut Marko hatte bereits ein aus Red Bull-Sicht adäquates Strafmaß parat: "Punktabzug und Geldstrafe." Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo eiferte hinterher, dass er eine angemessene Bestrafung erwarte.

Auch hier wird man das Gefühl nicht los, dass es Red Bull und Ferrari nicht ums Prinzip geht, sondern darum, den Gegner entscheidend zu schwächen. Selbst auf die Gefahr hin, dass im Mercedes-Vorstand einer auf die Idee kommen könnte, den Stecker zu ziehen.

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