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Mercedes gewinnt Konstrukteurspokal

Leise Töne auf Silber-Party

Mercedes - GP Russland 2014 Foto: xpb 51 Bilder

Mercedes hat in Sochi zum ersten Mal den Formel 1-Konstrukteurspokal gewonnen. Teamchef Toto Wolff bedankte sich bei diesem Anlass besonders für die Mitarbeit von Vorgänger Ross Brawn und Ex-Pilot Michael Schumacher. Die große Party fiel allerdings aus.

12.10.2014 Tobias Grüner

Dass Mercedes in Russland den Team-Titel eintüten würde, war eigentlich schon vorher klar. Red Bull hätte schon ein Wunder gebraucht, um die Silberpfeil-Feier zu verhindern. Dank des neunten Doppelsiegs der Saison hat das Werksteam aus Brackley 3 Rennen vor Schluss nun 223 Zähler Vorsprung. Da kann selbst mit den doppelten Punkten im letzten Rennen nichts mehr anbrennen.

Große Zeit zum Feiern blieb anschließend allerdings nicht mehr. "Lauda Air ist bereit zum Abheben", rief Aufsichtsrat Niki Lauda in die Runde, als Teamchef Toto Wolff noch die letzten Interviews gab. Lewis Hamilton konnte gerade noch seine geliebten Weingummis aus dem Teampavillon holen, bevor es gemeinsam in Richtung Flughafen ging. Der Privatjet wartete bereits.

Erster Gratulant aus Stuttgart

Die Party wäre an diesem Tag aber auch ohne den engen Flugplan etwas schmaler ausgefallen. Mercedes dachte auch in der Stunde des Erfolges an das Schicksal von Jules Bianchi. "Wir dürfen nicht vergessen, was letzte Woche passiert ist. Wir sind ja keine Monster. Deshalb wird bei uns heute alles etwas runtergedreht", so Wolff.

Mit dem ersten Konstrukteurspokal der Teamgeschichte krönt Mercedes einen langen Weg, der 2010 mit der Übernahme des Brawn-Rennstalls begonnen hat. Einer der ersten Gratulationsanrufe kam von den Chefs aus Stuttgart. "Der war sehr enthusiastisch. Die wissen genau, wie schwierig der Aufwand war", strahlte Wolff.

Der lange Atem zahlte sich am Ende aus: "Die Entscheidung von 2010 für die Formel 1 hat viele Jahre für Frustration gesorgt. Jetzt Weltmeister zu sein, macht das alles wieder gut. Die Formel 1 ist ein ganz klares Investment und ein Kalkül. Und dieses Kalkül ist jetzt mit dem Titel aufgegangen. Mercedes ist der beste Rennwagen-Konstrukteur der Welt. Wir schließen an Erfolge aus den 50er Jahren an."

Wolff hatte auch die Gründe für den Erfolg parat: "Es gab kein Geheimrezept. Wir haben uns ständig verbessert. Wir haben die richtigen Entscheidungen getroffen. Da waren auch Ross Brawn, Norbert Haug und Michael Schumacher involviert. Wir hatten aber auch die notwendigen Ressourcen zur Verfügung. Die großen Jungs in Stuttgart wussten, was wir brauchen. Seitdem ging es bergauf. Heute sehen wir das Ergebnis."

Konstrukteurspokal nur der Anfang für Mercedes

Der nächste Schritt nach dem Konstrukteurspokal ist der Gewinn des Fahrertitels, um die Saison perfekt zu machen. "92 Punkte Vorsprung bedeuten, dass Ricciardo alle 3 verbleibenden Rennen gewinnen müsste und Lewis nicht einmal 8 Punkte schafft. Ich bin ja schon ein großer Pessimist, aber das wäre wirklich ein riesiges Pech", so Wolff.

Dass Lewis Hamilton und Nico Rosberg nun ohne Beschränkungen gegeneinander fahren dürfen, schloss der Teamchef allerdings aus. "Wir werden nichts ändern. Sie werden hart, aber weiter mit Respekt gegeneinander kämpfen."

Nach der dominanten Saison fragen sich natürlich alle, ob Mercedes nun eine Ära des Erfolgs eingeläutet hat. "In der Vergangenheit hat es sicher Erfolgsphasen gegeben – sei es von Red Bull, Ferrari oder McLaren. Aber es gibt den Spruch: Die Homeruns von gestern gewinnen nicht die Spiele von Morgen."

"Die Erfahrungen von früher zählen nicht mehr. Dieses Spiel hat an Geschwindigkeit zugenommen. Aber wir haben alles, was man braucht, um oben zu stehen: tolle Leute, alle Ressourcen, 2 großartige Fahrer. Wir wollen natürlich genauso weitermachen. Aber irgendwann wird unser Lauf enden. Von diesem Zeitpunkt sind wir aber hoffentlich noch weit entfernt", so Wolff.

In unserer Bildergalerie zeigen wir noch einmal die wichtigsten Stationen des Mercedes-Werksteams auf dem steinigen Weg zum Titel.

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