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Mercedes in der Klemme

Was tun, Herr Wolff?

Lewis Hamilton & Nico Rosberg - GP Belgien 2014 Foto: Wilhelm 58 Bilder

Mercedes hat eine Entscheidung über den künftigen Verhaltenskodex seiner Fahrer vertagt. Teamchef Toto Wolff will keinen Schnellschuss abfeuern. Doch die Zeit drängt. Das nächste Rennen ist Monza, und das muss gewonnen werden. Wir zeigen, welche Alternativen Mercedes hat.

25.08.2014 Michael Schmidt

Mercedes steckt in der Klemme. Was man jetzt tut, ist falsch. Eine Stallregie würde unter den Fans einen Shitstorm auslösen. Denen gefällt das Duell. Doch lässt Mercedes Lewis Hamilton und Nico Rosberg weiter frei und ohne interne Regeln fahren, könnte das gleiche wie in Spa wieder passieren. Die WM-Spitzenreiter haben jetzt schon drei Rennen hergeschenkt. Und immer hieß der Nutznießer Daniel Ricciardo.

Das tut besonders auf den Strecken weh, auf denen Red Bull wegen des PS-Defizits seines Renault-Motors eigentlich keine Chance hat. Ricciardo liegt nach seinem dritten Saisonsieg nur noch 64 Punkte hinter dem WM-Führenden Nico Rosberg.

Wenn der Australier es schafft, den Abstand bis zum Finale in Abu Dhabi auf unter 50 Zähler zu drücken, hat Mercedes ein Problem. Dann könnten ihnen die doppelten Punkte auf den Kopf fallen. Ein Doppelausfall bei den Silberpfeilen, ein Ricciardo-Sieg, und schon ist der krasse Außenseiter Weltmeister. "Ich will gar nicht dran denken", winkt Niki Lauda ab. Mit anderen Worten: Der Fall darf nie eintreten.

Mercedes will keinen Schuss aus der Hüfte

Doch was tun, Herr Wolff? Die Teamleitung von Mercedes hat nach seiner 38-minütigen Krisensitzung nach dem GP Belgien beschlossen, dass es besser ist in der Hitze des Gefechts nichts zu beschließen. "Es wäre falsch jetzt aus der Hüfte zu schießen. Wir werden eine Nacht darüber schlafen und dann in Ruhe mögliche Maßnahmen diskutieren", beschwichtigte Wolff.

Doch welche? Bei einer Durchsicht der Optionen sieht man, dass es gar nicht so leicht ist, das Problem in den Griff zu bekommen. Egal, was Mercedes macht, es birgt das Risiko, dass es falsch ist. Wir zeigen mögliche Szenarien auf und bewerten sie.

Lösung 1: Ab sofort gilt Stallregie

Lewis Hamilton und Nico Rosberg werden an die Kandare genommen. Jedenfalls bis sichergestellt ist, dass nur noch ein Mercedes-Fahrer Weltmeister werden kann. Wie sieht so etwas aus? Wer den Start gewinnt, dem gehört das Rennen.

Folge: Ein Aufschrei der Fans. Die wollen spannende Rennen sehen. Und ein offenes Duell um den Titel. Mercedes würde seine technische Überlegenheit mit einer Serie von Doppelsiegen demonstrieren. Die Kritiker der neuen Formel 1 bekämen Oberwasser. Dann haben die Chaoten gute Argumente in der Hand, künstliche Spannungselemente in das Reglement einzubauen. Und Mercedes stünde als Totengräber der Formel 1 da. Außerdem: Wenn der Start so wichtig wird, kann es da zur Kollision kommen.

Lösung 2: Versteckte Stallregie

Nach außen dürfen Hamilton und Rosberg frei fahren. Doch vom Kommandostand aus wird ferngesteuert. Je nach Rennsituation bekommt der eine bessere, der andere eine schlechtere Strategie, immer im Bestreben, dass die beiden nie auf der Strecke zusammentreffen.

Folge: Das geht ein Mal gut, vielleicht zwei Mal. Dann kriegen die Zuschauer das spitz. Oder einer der Fahrer quatscht, um seinen Frust loszuwerden. Das Ergebnis wäre noch fataler als die offene Teamorder. Weil sich die Fans dann auf den Arm genommen fühlen. Und weil es arrogant wirkt, das Rennen von außen zu steuern.

Lösung 3: Freie Fahrt für Hamilton und Rosberg

Alles bleibt wie es ist. Auf der Rennstrecke gilt das Faustrecht. Dann wird sich Spa wiederholen. Vielleicht schon in Monza. Bestenfalls zu einem Zeitpunkt, an dem Mercedes als Weltmeister schon feststeht. Dann kann es Wolff, Lauda und Co egal sein, ob die Fetzen fliegen.

Folge: Die Chance, dass es wieder kracht ist hoch. Gerade jetzt, wo die Emotionen zwischen Hamilton und Rosberg hochkochen. Jetzt darf keiner nachgeben. Rennfahren ist auch ein Sport, der im Kopf stattfindet. Wenn Rosberg immer Platz macht, wird er als Weichei beschimpft. Hält er dagegen, ist es auch nicht Recht.

Hamilton spielt seine Spielchen abseits der Strecke und bringt sich damit geschickt in die Opferrolle. Eines muss Mercedes wissen: Der Teamfrieden ist nicht mehr zu kitten. Das ist keine Freundschaft mehr, sondern eine Arbeitsgemeinschaft.

Lösung 4: Freie Fahrt mit Vorfahrts-Regeln

Hamilton und Rosberg dürfen auf der Rennstrecke gegeneinander kämpfen. Aber erst in der letzten Runde, so dass sich beide notfalls mit beschädigten Autos oder zerfetzten Reifen ins Ziel schleppen können. Auch denkbar: In den ersten fünf Runden sind Attacken tabu.

Folge: Dann wird die letzte Runde unter Umständen zur Zitterpartie. Der Hintermann wird es mit der Brechstange probieren. Das hätte eine andere Dimension wie die Kollision in Spa. Da geht dann vielleicht kein Frontflügel fliegen oder es platzt ein Reifen. Das Duell könnte in den Leitplanken enden.

Lösung 5: Der Täter wird bestraft

Freie Fahrt, aber nur solange es kracht. Im Rennen danach muss der Sünder Wohlverhalten zeigen. Wenn er vorne liegt, ist es gut. Fährt er hinter dem Teamkollegen, ist ein Angriff für dieses eine Rennen verboten.

Folge: Was macht Mercedes, wenn der Hintermann durch welche Umstände auch immer deutlich schneller ist? Das könnte zu einer Lachnummer ausarten, bei der sich keiner einen Gefallen tut.

Lösung 6: Zweikampf mit Überholregeln

Mercedes stellt eindeutige Regeln für den Rad-an-Radkampf auf. Wer am Bremspunkt die Nase vorn hat, dem gehört die Kurve. Egal, ob er außen oder innen liegt. Der andere muss zurückziehen.

Folge: Das klappt ein paar Mal ganz gut. Doch in der Hitze des Gefechts werden dann doch alle guten Vorsätze über Bord geworfen. Es geht einfach um zu viel. Oder die Fahrer haben unterschiedliche Ansichten darüber, wer vorne lag. Und was passiert, wenn sie schon vor dem Bremspunkt zusammenkrachen?

Mercedes steckt in einem Dilemma, für das es fast keine Lösung gibt. Deshalb ist es vielleicht das Beste, alles zu lassen, wie es ist. Und Daumen drücken, dass nichts passiert. Vielleicht genügt es ja, den Fahrern das Schreckgespenst Ricciardo vor Augen zu halten.

Nichts muss Hamilton und Rosberg mehr wehtun, wenn der Red Bull-Pilot den WM-Titel noch abstauben würde. In einem Auto wie dem aktuellen Silberpfeil ist der WM-Titel Pflicht. So etwas bekommt ein Rennfahrer nur alle Jubeljahre.

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