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Mercedes in einer eigenen Welt

Hamiltons Monza-Geheimnis

Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Italien - Monza - 3. September 2016 Foto: sutton-images.com 61 Bilder

Mercedes fährt in Monza in einer eigenen Welt. Der Vorsprung auf Ferrari beträgt 0,837 Sekunden. Red Bull liegt über eine Sekunde zurück. Alle fragen sich, was die Silberpfeile in Monza fliegen lässt, und warum Lewis Hamilton Teamkollege Nico Rosberg an die Wand fährt. Wir liefern die Aufklärung.

03.09.2016 Michael Schmidt

Monza ist Mercedes-Land. Ferrari und Red Bull steckten auf der schnellsten Strecke im Formel 1-Kalender eine bittere Niederlage ein. Mercedes war um 0,837 Sekunden schneller als Ferrari und hängte Red Bull um 1,254 Sekunden ab. „Das ist eine andere Welt“, stellte Sebastian Vettel sachlich fest.

Es allein auf den Motor zu schieben, wäre zu einfach gedacht. Williams verlor gleich viel Zeit wie Red Bull, Force India sogar 1,7 Sekunden. Die letzte Motorenstufe, die im Moment das Werksteam exklusiv einsetzt, trägt nach Aussage der Mercedes-Ingenieure zwischen 0,1 und 0,15 Sekunden zur Rundenzeit bei. Da muss also auch das Auto eine Rolle spielen. Und das Zusammenspiel mit den Reifen.

Das ideale Auto für Monza

Niki Lauda formulierte es auf seine unverblümte Art: „Wir haben das Maximum aus Auto, Motor und Reifen rausgeholt und sind wieder dort angelangt, wo wir vorher waren. Spa war ein Rückfall, weil wir mit dem Setup in die falsche Richtung gegangen waren und die Reifen zu stark überhitzt haben.“

Die Erklärung von Mercedes-Teamchef Toto Wolff fiel da schon technischer aus. „Wir haben für die Konstellation wenig Abtrieb, wenig Luftwiderstand, lange Geraden und mittelschnelle Kurven das beste Auto. Weil wir keinen Kompromiss eingehen müssen. Unsere Gegner haben entweder zu viel Luftwiderstand oder zu wenig Abtrieb und müssen irgendetwas opfern. Dazu kommt, dass wir die Reifen immer sofort in ihr Arbeitsfenster bringen. Das war in Hockenheim und Spa nicht der Fall.“

Monza ist vom Layout her mit Baku vergleichbar, auch wenn die Autos dort auf mehr Abtrieb getrimmt sind. Auch auf dem Baku City Circuit spielte Mercedes in einer anderen Liga.

Lewis Hamilton und Nico Rosberg lagen in der Top-Speed-Tabelle mit 353,4 km/h und 350,9 km/h auf den Plätzen 4 und 14. Dafür sind sie in Sektor 2 und 3 mit dem Großteil der Kurven geflogen. Dort nahmen sie der Konkurrenz jeweils 3 Zehntel ab. Red Bull konnte sich aussuchen, wo man Zeit herschenkt. Man entschied sich für einen Kompromiss. Auf der Geraden fehlten 7 km/h. In den Sektoren 2 und 3 jeweils eine halbe Sekunde.

Rosberg verliert in jeder Kurve

Eine Erklärung verlangte auch der ungewöhnlich große Abstand zwischen Hamilton und Rosberg. 0,478 Sekunden sind ein Klassenunterschied. Rosberg gab zu: „Ich verliere in jeder Kurve auf Lewis.“ Warum, konnte er auch nicht sagen: „Lewis hatte einfach einen großartigen Tag und ich einen weniger guten.“

Hamilton ist ein Monza-Spezialist. Er steht nicht umsonst schon zum 5. Mal im Autodrom auf der Pole Position. Der WM-Spitzenreiter verrät, dass er vor allem in den Schikanen auf seinen Stallrivalen gewinnt. Bremsen mit wenig Abtrieb zählt zu den Stärken des Weltmeisters. „Ich bin schneller in die Schikanen rein, schneller wieder raus, ohne mittendrin Speed zu verlieren.“

Dann lobte sich der Engländer selbst: „Meine beiden letzten Runden waren fantastisch. Erst eine gute Sicherheitsrunde, dann der Hammer. Ich lag bereits in der ersten Kurve eine Zehntel unter meiner Bestzeit. Dann habe ich Kurve 8 und 10 besser erwischt und bin die Parabolica so gut wie noch nie in meinem Leben gefahren.“

Hamilton fährt mit Bremsplatten los

Rosberg sieht seine Chancen im Rennen nur beim Start. Der Anlauf zur ersten Kurve beträgt 638 Meter. Das sind 638 Möglichkeiten, etwas falsch zu machen. „Danach wird es zäh, weil Überholen in Monza so schwierig ist. Und Lewis kommt als Führender immer vor mir an die Box. Da ist auch strategisch wenig zu machen“, fürchtet Rosberg. Hamilton pflichtet zufrieden bei: „Um in Monza zu überholen, musst du eine Sekunde pro Runde schneller sein.“

Der Trainingsschnellste geht allerdings mit einem Handikap in das Rennen. Er bremste sich beim ersten Versuch im Q2 den rechten Vorderreifen platt. Es ist der Satz Reifen, mit dem Hamilton starten muss. Ein zweiter Versuch, die Zeit zu unterbieten und damit eine andere Reifengarnitur für den Start zu bekommen scheiterte um 2 Zehntel.

Theoretisch dürfte Mercedes mit Zustimmung von Pirelli den beschädigten Reifen austauschen, aber nur mit einem Exemplar der Mischung Soft, das gleich viele oder mehr Runden auf der Lauffläche hat. „So einen Reifen haben wir nicht im Angebot“, bedauerte Teammanager Ron Meadows. Mercedes wird deshalb den Reifen präparieren, um die Auswirkungen des Bremsplattens so klein wie möglich zu halten.

Hamilton räumt ein, dass ihm im ersten Stint ein Eiertanz droht: „Es wird ein langer Stint, wenn wir ein Einstopp-Rennen fahren wollen. Das heißt 20 Runden lang nicht ein einziges Mal verbremsen. Wir wissen alle, wie schwierig das in Monza ist. Die Gefahr besteht, dass es bei einem weiteren Verbremser die gleiche Stelle erwischt, dass der Reifen immer unrunder läuft und damit heißer wird. Dann muss ich früher an die Box.“

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