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Mercedes in Erklärungsnot

"Auto fühlte sich gut an"

Lewis Hamilton - GP Singapur 2015 Foto: xpb 63 Bilder

Normalerweise muss Mercedes erklären, warum der Vorsprung auf die Konkurrenz so groß ist. Diesmal warum Ferrari eineinhalb Sekunden schneller war. Weder die Fahrer, noch die Ingenieure fanden eine Antwort. Das Rätsel von Singapur brachte die Verschwörungstheoretiker auf den Plan.

19.09.2015 Michael Schmidt

Mercedes nicht in der ersten Startreihe. Auch nicht in der zweiten. Lewis Hamilton und Nico Rosberg teilen sich nur die dritte Reihe. Zum ersten Mal seit 23 Rennen ging die Pole Position nicht an einen Silberpfeil. Es war keine knappe Niederlage, sondern eine mit Pauken und Trompeten. Hamilton fehlten 1,415 Sekunden auf Sebastian Vettels Trainingsbestzeit. Rosberg lag 1,530 Sekunden zurück. Auch die Red Bull lagen für Mercedes außer Reichweite.

Die Formel 1 wäre nicht das Haifischbecken, wenn nicht sofort Verschwörungstheorien kursieren würden. "Wir haben Mercedes nicht eingebremst. Alles ist in Ordnung", lachte FIA-Rennleiter Charlie Whiting entwaffnend. Vettel fragte halb ernst, halb im Scherz: "Haben die für einmal die Power runtergedreht?" Und Daniel Ricciardo war verwirrt: "Bis gestern glaubte ich noch, die spielen Karten mit uns. Aber die scheinen ja echt langsam zu sein." Ein Witzbold hatte eine andere Theorie: "Als Strafe für die vielen Siege mussten die Mercedes als einziges Team auf den beiden härtesten Reifen fahren."

Mercedes kam nie richtig in Tritt

Auch Lewis Hamilton und Nico Rosberg waren überrascht. "Im Auto fühlte sich alles gut an", berichtet Hamilton. "Dann schaue ich auf die Uhr und bin eineinhalb Sekunden langsamer. Das ist wie der Unterschied zwischen harten und weichen Reifen." Rosberg bestätigte den Eindruck. "Die Balance war gut. Das Gefühl auch. Nur die Rundenzeit passte nicht."

Die Fahrer und Ingenieure hatten im Verlauf des Trainings wirklich alles probiert. Vor- und zurückgebaut und sich im Kreis gedreht. Aus Untersteuern wurde ein Übersteuern und schließlich doch ein neutrales Auto. Einmal waren die Reifen zu kalt, dann wieder zu heiß. Doch die Lücke zu den Verfolgern wuchs mit jedem Training an. "Im dritten Training wussten wir zum ersten Mal, dass wir ein Problem haben. Vettel ist auf harten Reifen eine Zeit gefahren, für die wir weiche gebraucht hätten", erzählt Rosberg.

Teamchef Toto Wolff blieb eine Erklärung für die Niederlage schuldig. "Wir kamen nie richtig in Tritt und haben seit der ersten Runde am Freitag probiert, Probleme zu lösen. Es gibt ein paar Theorien, aber wir wissen nicht, was hauptsächlich zu dem Zeitverlust beigetragen hat. Die Autos haben einfach keinen Grip. Wir haben nicht den Punkt gefunden, an dem das Auto mit den Reifen harmoniert." Rosberg fiel beim Videostudium von Vettels Runde aus der Cockpitperspektive auf: "Seb fuhr auf einem anderen Planeten. Der war überall schneller."

Mag der Mercedes Singapur nicht?

Spekulationen, Mercedes käme mit den von Pirelli verordneten höheren Reifendrücken nicht klar, widersprechen die Experten im Team. "Sie sind hier ja viel niedriger als auf anderen Strecken."

Wolff vermutet irgendeinen Fehler im Setup. "Auto, Motor und Fahrer sind nicht schlechter als in Monza. Aber irgendwie muss in der Matrix aus Radsturz, Vorspur, Bodenfreiheit, Federweg und Reifendrücke ein Parameter falsch sein. Wir lagen einmal am Freitag ähnlich daneben, ich glaube es war Montreal, haben dann aber noch die Kurve gekriegt."

Da halfen nicht einmal die Werte aus dem Vorjahr. "Das haben wir uns natürlich angeschaut, und einige Setup-Daten sind auch anders, aber wir haben auch ein anderes Auto und andere Reifen", erklärt Wolff. Nicht ohne anzumerken: "In Singapur hatten wir letztes Jahr schon unseren geringsten Vorsprung." Auch Rosberg vermutet: "Das Problem ist Strecken- und nicht Reifenspezifisch."

Die Hoffnung, dass es im Rennen besser wird, ist gering. Auch wenn Hamilton sagt: "Ich gehe in jedes Rennen mit dem Wunsch zu gewinnen." Da müsste schon ein kleines Wunder her. Wolff bleibt auf dem Boden der Tatsachen. "Wir waren heute Fünfter und Sechster. Auf diesen Plätzen sind wir auch in den Longruns am Freitag gelandet. Es wäre unrealistisch zu hoffen, dass wir um den Sieg fahren."

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