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Mercedes in Erklärungsnot

Schumacher kritisiert Testverbot

Michael Schumacher Foto: xpb 25 Bilder

Mercedes GP kam mit großen Erwartungen nach Hockenheim. Die Startplätze 9 und 11 beim Heimspiel hören sich wie ein Rückschritt an. Michael Schumacher, Nico Rosberg und Teamchef Ross Brawn mussten zugeben: "Wir suchen noch nach Erklärungen."

24.07.2010 Michael Schmidt

Vor dem Heimspiel in Hockenheim waren in Brackley die Lichter nicht ausgegangen. Die Silberpfeile präsentierten sich beim GP Deutschland mit einem neuen Aerodynamikpaket. Ein neuer Heckflügel soll den F-Schacht besser arbeiten lassen. Und die zweite Stufe des angeblasenen Diffusors soll den Abtrieb erhöhen. Die Auspuffgase werden jetzt nicht mehr nur auf das Diffusordach geleitet, sondern auch in die beiden seitlichen Kanäle hinein.

Angesichts der umfangreichen Änderungen kam Mercedes das wechselhafte Wetter bei den freien Trainingssitzungen äußerst ungelegen. Regen, trocken, wieder Regen: Wie sollte man da ein höchst komplexes Aerodynsmikpaket testen, das zwar im Windkanal gute Werte versprach, auf der Rennstrecke aber schwer in den Griff zu bekommen ist.

Mercedes mit Schritt zurück

Mit der Intensität der Auspuffgase schwankt auch der Abtrieb. Vollgas bedeutet zusätzlichen Anpressdruck. Dafür fehlt beim Bremsen die Unterstützung der Auspuffgase zur Beschleunigung der Luft unter dem Auto. Nachdem der Mercedes GP in den 240 Minuten des freien Trainings noch leidlich funktionierte, kam in der Qualifikation der Einbruch.

"Da haben wir wieder einmal einen Schritt zurück gemacht, und ich kann nicht erklären warum", bedauerte Nico Rosberg. Michael Schumacher ergänzte: "Vom ersten bis zum dritten Training fühlte sich alles noch ganz gut an. Dann kam die Qualifikation, und es sah eher nach Rück- als nach Fortschritt aus."

Potenzial des Mercedes-Updates nicht genutzt

Selbst Teamchef Ross Brawn fühlte sich nicht in der Lage, den Grund für die Startplätze neun und elf zu lokalisieren. "Die Daten zeigen uns, dass wir das Potenzial des Entwicklungsschritts nicht genutzt haben. Ob wir am Ende wieder einmal Schwierigkeiten mit den Reifen hatten, oder ob das neue Aerodynamikpaket hauptsächlich dazu beigetragen hat, müssen wir noch analysieren. Wahrscheinlich hat das eine mit dem anderen zu tun. Der Abtrieb war nicht konstant vorhanden. Es gab Bereiche, wo es funktioniert hat, dann wieder nicht. Und wenn der Abtrieb nicht wie gewünscht vorhanden ist, schlägt sich das auch auf die Ausnutzung der Reifen nieder."

Im entscheidenden Augenblick verloren die Silberpfeile mal wieder ihre Balance. "Die Probleme begannen, als wir für die Qualifikation Sprit rausgenommen haben. Das hat mit der Bodenfreiheit zu tun, aber auch wie der Auspuff in den Diffusor bläst", versucht Ross Brawn eine Erklärung. Rosberg zum Beispiel spürte plötzlich an der Hinterachse keinen Grip mehr. "Das Auto hat brutal übersteuert."

Schumacher: "Gar nicht Testen ist lächerlich"

Michael Schumacher hakte die neue Enttäuschung damit ab, dass das augenblickliche Renn- und Testformat der Formel 1 Rückschritte wie diesen provoziert. "Wenn du Aerodynamikentwicklungen der Konkurrenz entwickeln musst, finden die Testfahrten am Rennwochenende statt. Da bleibt nicht die Zeit, alles auszutesten. Dass da nicht gleich alles auf Anhieb funktioniert, ist fast normal. Das haben auch Ferrari und McLaren durchgemacht. Nur Red Bull blieb davon weitgehend verschont. Sie hatten aber auch von Anfang an das beste Paket."

Schumacher verbindet diese Feststellung mit deutlicher Kritik. "Die Formel 1 ist der einzige Sport weltweit, bei dem man nicht testen darf. Angesichts des hohen technischen Niveaus auf dem wir operieren, ist das unverständlich. Ich sage ja nicht, dass wir die alten Zeiten zurückholen sollten, aber es muss einen Mittelweg geben. Es war lächerlich 90.000 Kilometer im Jahr zu testen, aber es ist genauso lächerlich gar nicht zu testen."

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