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Mercedes in Singapur unter Druck

Warum war die Konkurrenz so nah dran?

Lewis Hamilton - GP Singapur 2014 Foto: Reinhard 44 Bilder

Das Trainingsergebnis des GP Singapur überraschte. Mercedes, Red Bull, Ferrari und Williams lagen innerhalb von drei Zehnteln. Im Rennen schien die Überlegenheit von Mercedes größer. Wir haben untersucht, warum Mercedes im Training unter Druck geriet.

25.09.2014 Michael Schmidt

Unterschiedlicher können zwei Rennstrecken nicht sein. Von Monza zu Singapur. Von 75 zu 53 Prozent Vollgas. Von Top-Speed-Rekorden zu 23 Kurven. Von 240 zu 170 km/h Schnitt. In Monza waren die Motoren und die MGU-H am Limit, in Singapur die MGU-K und die Batterie. Weil bei 13 Bremsmanövern 17 Sekunden lang geladen werden konnte.

Und dann gab es ein Trainingsergebnis, das so ausgeglichen war wie noch nie in dieser Saison. Auf einer der längsten Runden im Kalender waren die Abstände minimal. Trotz einer Rundenzeit von 1.45 Minuten trennten die ersten sechs Piloten nur 0,319 Sekunden.

Red Bull, Ferrari und Williams brachten Mercedes an den Rand einer Niederlage. Lewis Hamilton vermutete, dass die Konkurrenz Fortschritte gemacht habe. Doch damit lag er falsch. Mit Ausnahme einer neuen Nase am Red Bull traten die Autos fast unverändert auf.

MGU-H spielt nur eine Nebenrolle

Das eng gestaffelte Feld hatte etwas mit den Motoren und den Reifen zu tun. Mercedes wurde seiner stärksten Waffe beraubt. Der Energiespende durch die MGU-H, die salopp gesagt überschüssigen Ladedruck in Strom umwandelt.

Die Gegner sind konstruktiv nicht in der Lage dazu, genügend Power über die MGU-H zu generieren. Renault nicht, weil der Auspuff zu lang ist. Ferrari nicht, weil man einen zu kleinen Turbolader gebaut und den Auspuff schlecht eingepackt hat. Auf den kurzen Geraden des Marina Bay Circuit kam die MGU-H kaum dazu, die durch Wärmeexpansion erzeugte Energie abzugeben. Damit spielte sie nur eine Nebenrolle.

Andererseits reichten 17 Sekunden auf der Bremse aus, die Batterie über die MGU-K zu füllen. Und zwar für alle drei Antriebssysteme. "Damit hing alles am Turbo-Motor, und da sind die Unterschiede offenbar relativ gering", bastelte sich Mercedes-Motorenchef Andy Cowell eine Erklärung zurecht.

Supersoft-Reifen bieten Grip für alle

Die extraweichen Reifen spielten ebenfalls eine Rolle. Sie spendeten auch den Autos Grip, die aerodynamisch weniger Abtrieb aufbauen. Und sie sind extrem heikel im Umgang. "Ein Mal quergestanden oder zu viel Schlupf, und du bezahlst auch in der nächsten Kurve dafür. Weil die Hinterreifen dann zu heiß sind", erklärte Sebastian Vettel.

Nico Rosberg vermutete: "Vielleicht hatten wir da mehr Probleme als die anderen." Gut möglich, dass sich bei Mercedes der erhoffte Vorteil die kürzeren Übersetzung ins Gegenteil verkehrte. Weil das Getriebe damit für Singapur zu aggressiv übersetzt war, und das viele Drehmoment bei jedem Schaltmanöver den Reifen zusetzte.

Niki Lauda ergänzte: "Wegen der Supersoft-Reifen kamen unsere Chassis-Vorteile nicht zum Tragen." Im Rennen schon eher, weil mindestens ein Mal mit der härteren Mischung gefahren werden musste. Und auf der Mischung "soft" zeigte Mercedes bereits im Training eine größere Überlegenheit.

Außerdem durften einige Fahrer aus Angst vor Schäden im Rennen nicht so aggressiv über die Randsteine räubern. Erschütterungen sind Gift für den Antrieb der MGU-K. Das führte in Monza zu Alonsos Ausfall. Alle Hersteller haben damit Probleme. Ferrari und Renault aber mehr als Mercedes.

Red Bull-Teamchef Christian Horner widerspricht, dass Ferrari und Red Bull im Rennen den Mercedes krass hinterhergefahren wären. "Alonso lag vor der Safety-Car-Phase fünf Sekunden hinter Hamilton. Das ist nicht so schlecht."

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