Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Mercedes ist schlauer

Puzzle von Fehlern in Singapur

Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Singapur - 18. September 2015 Foto: Wilhelm 16 Bilder

Mercedes hat in der Fabrik die Panne von Singapur analysiert. Ergebnis: Es gibt nicht einen Grund, warum die Silberpfeile so dramatisch ins Hintertreffen gerieten. Technikchef Paddy Lowe nennt eine Reihe von Abweichungen von der Norm.

24.09.2015 Michael Schmidt

Technikchef Paddy Lowe hat zwei Zwölfstunden-Flüge in den Knochen. Zuerst von Singapur zurück nach England, und nach einer Stippvisite in der Fabrik von England nach Japan. In Brackley waren die Ingenieure mit der Aufarbeitung der Pleite von Singapur beschäftigt. Vier Tage nach der unerklärlich schwachen Vorstellung der Silberpfeile sind die Techniker jetzt ein bisschen schlauer.

Es ist nicht der eine große Fehler, der Mercedes unterlaufen wäre, sondern eine Summe von vielen kleinen. Das Problem beginnt damit, dass der Mercedes AMG W06 kein Auto ist, das für Stadtkurse gebaut wurde. "Die Aero-Charakteristik unseres Autos ist auf Effizienz ausgelegt. Also maximaler Abtrieb bei möglichst wenig Luftwiderstand. Deshalb sind wir auf Strecken wie Suzuka oder Spa so stark. Und deshalb tun wir uns auf Strecken so schwer, wo nur maximaler Abtrieb verlangt wird."

DNA des Mercedes passt nicht für Stadtkurse

Jedes Rennauto trägt eine bestimmte Handschrift. Lowe teilt die 19 Strecken im Kalender in 3 Kategorien ein. Die Highspeed-Kurse von Monza und Spa. Die Stadtstrecken von Monte Carlo und Singapur. Und der große Rest. "Wir haben unser Auto für den Rest optimiert. Seit die Windkanalzeit limitiert ist, musst du dich entscheiden, wo du deine Prioritäten setzt. Die verbleibenden Kapazitäten haben wir auf Monza und Spa gelegt. Die Stadtkurse sind dabei hinten runter gefallen."

So gesehen war die gute Vorstellung in Monte Carlo aus Sicht von Mercedes eine größere Überraschung als die schlechte von Singapur. Auch wenn man natürlich nicht damit gerechnet hat, dass man so unter die Räder kommt. Es gibt noch einen Grund, der die Ingenieure dazu zwingt, sich bei der DNA des Autos für einen Streckentyp festzulegen.

"Seit 2009 dürfen wir in einem immer kleineren Fenster entwickeln. Mit Ausnahme von Spa und Monza fährst du fast auf jeder Strecke vollen Abtrieb. Dann entscheidest du dich für Effizienz oder Abtrieb um jeden Preis." Deshalb ist es nach Ansicht von Lowe auch verständlich, warum Red Bull die andere Philosophie verfolgt. Wer ein Power-Defizit hat, konzentriert sich darauf, auf den langsamen Strecken zu glänzen.

Mercedes-Upgrade in Suzuka

Zu der Deutlichkeit der Niederlage trugen noch andere Faktoren bei. Wenn das Auto nicht genug Anpressdruck entwickelt, arbeiten auch die Reifen schlechter. Sie entwickeln zu viel Hitze auf der Oberfläche und zu wenig Temperatur im Unterbau. "Dazu haben wir Fehler beim Setup gemacht", gibt Lowe zu und erinnert: "Singapur war schon im letzten Jahr unsere schwächste Strecke."

Ein weiterer Baustein im Puzzle der Unzulänglichkeiten war, dass Mercedes für das Nachtrennen durch die Stadt kein Upgrade brachte. "Alle anderen dagegen schon." Dafür tauchen die Silberpfeile in Suzuka mit einem Aero-Paket auf. Frontflügel und Heckflügel sind neu. Dazu gibt es im Heck Feinschliff an der Motorabdeckung.

Für Lowe ist das Singapur-Thema abgehakt. "Der Fokus liegt auf Suzuka. Es macht keinen Sinn, jetzt noch zu versuchen unser Auto für Singapur zu optimieren. Um dieses Rennen können wir uns im Winter wieder kümmern. Vielleicht kommen wir dann zu dem Schluss, dass es ein Fehler war, die Stadtrennen so zu vernachlässigen. Aber irgendeinen Tod musst du bei dem augenblicklichen Reglement sterben."

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden