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Mercedes-Krise

Silberpfeile noch schwächer als 2010

Schumacher vs. Rosberg Foto: Daniel Reinhard 25 Bilder

Bei Mercedes GP hingen die Fahnen nach dem GP Monaco auf Halbmast. Die Silberpfeile waren beim wichtigsten Rennen des Jahres leer ausgegangen. Die Zwischenbilanz fällt noch schlechter aus als im Vorjahr. Und langsam fragt man sich, wann und wie es besser werden soll.

01.06.2011 Michael Schmidt

In den Gesichtern spiegelte sich Ratlosigkeit. Mercedes reiste mit null Punkten aus Monte Carlo ab. Eine Schlappe, die wehtut, beim Vorzeigerennen des Jahres. Michael Schumacher strandete in Runde 33 unweit der Boxeneinfahrt, weil im Ansaugtrakt des Motors ein Feuer ausgebrochen war.

Nico Rosberg verfehlte als Elfter die Punkteränge. Er lag im Ziel zwei Runden hinter Sieger Sebastian Vettel. Schon beim Rennen zuvor in Barcelona waren die Silberpfeile überrundet worden. Aber da gab es wenigstens noch 14 WM-Punkte als Trostpreis.

Siege und WM-Titel außer Reichweite

Nach sechs Grand Prix rangiert Mercedes mit 40 Zählern auf Rang fünf der WM-Tabelle. 182 Punkte hinter Seriensieger Red Bull. Das Wort WM-Titel wird schon lange nicht mehr in den Mund genommen. Auch der Gedanke an GP-Siege ist im Moment eher Fiktion. Ein Podestplatz wäre bereits ein Erfolg.

Das beste Resultat sind zwei fünfte Plätze von Nico Rosberg. Das Schweizer Sauber-Team hinterlässt im Augenblick einen stärkeren Eindruck als der Weltkonzern aus Stuttgart. Von Steigerung im Vergleich zum Vorjahr keine Spur. Damals lag Mercedes nach sechs Grand Prix mit 78 Punkten auf Platz vier. Rosberg war immerhin zwei Mal als Dritter auf dem Podest gestanden.

Mercedes kann Testleistung nicht wiederholen

So langsam mag man die Aussagen, dass morgen alles besser wird, nicht mehr glauben. Man fragt sich eher, wie die Bestzeit von Michael Schumacher am letzten Testtag in Barcelona vor dem Saisonstart zustande gekommen ist. Seitdem hat der Mercedes GP W02 nicht annähernd diese Leistung wiederholen können. Trotz mehreren Großoffensiven aus dem Technikbüro. Es gab seither neue Front- und Heckflügel, modifizierte Aufhängungsgeometrien, aggressivere Setups für Motor und Auspuff. Doch der Sprung nach vorne blieb aus.

Die Generalüberholung der Kühlung brachte immer noch nicht das gewünschte Resultat. Die Verkleidung ist trotz eines dreistufigen Umbaus von Öl- und Wasserkühlern weiter mit Kiemen übersät. Die heiße Abluft von den Kühlern, die dort entweicht, stört die Strömung zum Heck. Dort fehlt es an Abtrieb.

Mercedes GP im Rennen zu langsam

Der Mercedes zeigt immer nur phasenweise Normalform. Auf eine Runde liegt man im Bereich von Renault und Ferrari. Im Rennen folgt dann regelmäßig der Absturz. Meistens mit den gleichen Symptomen. Nico Rosberg bekam es in Monte Carlo zu spüren. Das Auto rutscht auf der Hinterhand, was den Verschleiß der Reifen auf der Antriebsachse in die Höhe treibt. Je mehr Gewicht im Tank, umso schlimmer.

Das rätselhafte ist, dass sich dieses Problem immer wieder anders, und manchmal auch gar nicht präsentiert. Zum Beispiel in Shanghai. Dort kämpfte Rosberg sogar um die Führung. In der Türkei träumte er von einem Podestplatz, bis er nach ein paar Runden spürte: Das wird eine Verteidigungsschlacht. Die Hinterreifen verloren Grip, das Auto Traktion.

Körnende Reifen bei Schumacher

Michael Schumachers Rennen in Monte Carlo teilte sich in zwei Abschnitte. Im Startturn war er so langsam, dass sich hinter ihm das halbe Feld staute. Lewis Hamilton war ihm im Gedränge der ersten Kurve gegen das Auto gefahren. Dabei namen Nase und Frontflügel Schaden. Kein Abtrieb, keine Reifenhaftung.

Nach neun Runden erlöste die Box den Altmeister. Mit neuem Frontflügel fuhr Schumacher plötzlich ansprechende Rundenzeiten. Viel besser als Rosberg, der weiter mit seinen Reifen kämpfte. Warum die Reifen körnten, weiß keiner. Das Phänomen kennen die anderen Teams gar nicht mehr. Man dachte, das sei zusammen mit dem Bridgestone-Gummi verschwunden.

Die Techniker können das Problem nicht auf bestimmte Reifendrücke, Gummimischungen oder Asphalttemperaturen eingrenzen. Es taucht auf und geht wieder weg. "Im Training hatte sich nichts davon angedeutet", erzählte Teamchef Ross Brawn. Im Rennen war es bei den ersten beiden Turns plötzlich da. Bis er mal endlich vernünftig Gas geben konnte, war er längst überrundet. Das Spitzentrio blies schon nach einem Renndrittel an den Silberpfeilen vorbei.

Probleme mit der Zuverlässigkeit

Dazu nerven regelmäßig kleinere und größere Gebrechen. Es gibt kaum ein Training oder Rennen, von dem die Fahrer nicht mit einem Mängelrapport zurückkommen. Die Seuche bricht an allen Ecken und Enden aus. Mal streikt KERS, mal der Heckflügel, der Funk oder die Trinkflasche, oder das Getriebe legt wie im Fall Schumacher beim Start den Leerlauf ein. Der Trainingsfünfte fand sich plötzlich auf Rang neun wieder.

Was muss passieren, dass Mercedes den Schalter umlegt? Der heiß ersehnte neue Frontflügel, der sich nach Red Bull-Vorbild zur Straße hin absenken soll, wird es alleine nicht richten. Das Reifendilemma ist ein Verständnisproblem. Hin und wieder funktioniert es ja. Man muss also herausfinden, unter welchen Bedingungen und wann. Ansonsten verpufft jeglicher Fortschritt am Auto im Nichts.

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