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Dampfblasen im Sprit

Mercedes mit Benzindruckproblemen

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Monaco - Formel 1 - 28. Mai 2016 Foto: xpb 63 Bilder

Ein uraltes Problem hat Mercedes im Kampf um die Pole Position behindert. Beide Autos kamen wegen Dampfblasen im Benzin im Q3 nicht planmäßig aus der Box. Wäre bei optimalen Bedingungen die Pole Position möglich gewesen?

28.05.2016 Michael Schmidt

Als der entscheidende Abschnitt in der Qualifikation zum GP Monaco begann, fehlten 2 Autos auf der Strecke. Lewis Hamilton stand mit abgeschaltetem Motor am Ende der Boxengasse, Nico Rosberg in der Garage. Das gleiche Problem legte beide Mercedes lahm. Der Benzindruck schwankte, weil sich Dampfblasen im Benzin gebildet hatten. Hamilton berichtete: "Der Motor hatte Schluckauf."

Schuld war zu heißer Kraftstoff. Das lag nicht nur an den heißgelaufenen Motoren und dem angenehmen Sommerwetter von 24 Grad. In den Tanks der beiden Mercedes war wegen der Kürze der Strecke nur eine Minimalmenge an Sprit. Das begünstigte das Aufheizen des Kraftstoffs. "Einen halben Liter mehr, und es wäre vielleicht nicht passiert", ärgerte sich Niki Lauda. Er kannte das Problem noch aus seiner aktiven Zeit. Vor 40 Jahren kam es öfter zu Dampfblasenbildung im Benzin.

Teamchef Toto Wolff nahm die erneuten Probleme nicht zum Anlass, jetzt mit eisernem Besen durch die Qualitätskontrolle zu kehren: "Diese Mannschaft ist die gleiche, die zwei Weltmeisterschaften und was weiß ich wie viele Rennen gewonnen hat. Wir gehen mit allem ans Limit, mit dem Auto, dem Motor, den Systemen, den Prozeduren. Da kann so etwas passieren."

Nur eine fliegende Runde für Hamilton

Während bei Rosberg die Unpässlichkeit schnell gelöst war, musste Hamiltons Mercedes erst die 308 Meter lange Boxengasse zurückgeschoben werden. Dann gingen fast 5 Minuten drauf, bis der Mercedes V6-Turbo wieder rund lief. Mangels Zeit konnte der Weltmeister nur noch einen Reifensatz nutzen. "Wir haben ihn für 6 Runden, also 2 schnelle und 2 Abkühlrunden betankt", erklärte Technikchef Paddy Lowe. Es wurde am Ende nur eine schnelle Runde draus.

Hamilton lief bei seinem ersten Versuch in Verkehr. Als er gleich in der nächsten Runde nachlegen wollte, bremsten ihn seine Ingenieure ein. Er wäre dann außerhalb des berechneten Rhythmus gelandet. "So hatte ich am Ende nur eine Runde ohne ein Sicherheitsnetz. Wenn dir in Monte Carlo im Q3 das Ruhekissen fehlt, ist das immer ein Nachteil", klagte Hamilton.

Aus diesem Grund wurden die Mercedes-Fahrer im Q2 auch auf eine weitere Runde mit den Ultrasoft-Reifen geschickt, obwohl der Aufstieg ins Q3 längst sicher war. Übung und Vertrauen ist alles auf diesen 3.337 Meter langen Drahtseilakt zwischen den Leitplanken.

Auf die Frage, ob er Daniel Ricciardo hätte herausfordern können, meinte Hamilton: "Ich glaube schon. Auch wenn es eng geworden wäre." Nico Rosberg dagegen erkannte die Niederlage neidlos an: "Daniel war einfach schneller. Punkt. Er hat auf uns vor allem im neu asphaltierten Schwimmbadbereich gewonnen." Rosberg ließ auch die technischen Probleme zu Beginn des Q3 nicht als Entschuldigung gelten: "Sie haben den Stress in der Garage etwas erhöht, mich aber nicht beeinträchtigt."

Gibt es eine Chance beim Start?

Am Sonntag sehen die Mercedes-Piloten zum ersten Mal seit dem GP Singapur 2015 wieder in die Auspuffrohre der Konkurrenz. Rosberg sieht eine kleine Chance beim Start, obwohl er auf der schmutzigen Spur steht. "Aber ich habe die weicheren Reifen als Ricciardo. Das kann einen Unterschied ausmachen. In China war es umgekehrt, und Daniel hatte mich ausbeschleunigt." Da war allerdings auch der Anlauf in die erste Kurve länger. In Monte Carlo sind es nur 111 Meter.

Hamilton sieht keinen großen Reifenvorteil beim Start: "Ehrlich gesagt sind sich der Ultrasoft und der Supersoft sehr ähnlich. Der Unterschied ist bei weitem nicht so groß wie zwischen Medium und Soft zum Beispiel." Der Titelverteidiger fürchtet, dass der GP Monaco wieder in eine Prozession ausarten könnte, bei der jeder auf das Unerwartete wartet. "Wenn Ricciardo in Führung geht, muss er nur sein Auto so breit wie möglich machen. Dann wird es ein ruhiger Nachmittag für ihn." Deshalb ist Hamiltons größte Hoffnung das Wetter. "Regen wäre mir nicht unrecht."

Mercedes glaubt nicht an den Red Bull-Plan

Red Bull hatte nicht nur das schnellste Auto im Fürstentum, der Herausforderer von Mercedes will die Silberpfeile auch taktisch austricksen. Deshalb fuhr Ricciardo seine schnellste Runde im Q2 mit den Supersoft-Reifen, auf denen er nun auch startet. Der Plan ist klar. Ricciardo will sich dank der längeren Lebensdauer der härteren Mischung ein größeres Boxenstopp-Fenster verschaffen.

Ist das der geniale Trick oder ein Eigentor? Toto Wolff weiß nicht, was er davon halten soll: "Red Bull haben als einzige so taktiert. Entweder liegen sie goldrichtig oder total daneben." Rosberg zweifelt, ob sich Ricciardo damit einen Gefallen getan hat. "Du kannst auch mit den Ultrasoft-Reifen am Start ein Einstopp-Rennen fahren. Dann wird alles davon abhängen, wer als erster reinkommt. Wenn Ricciardo draußen bleibt, verliert er gegen die Fahrer mit neuen Reifen zu viel Zeit."

Für die Mercedes-Piloten wird der Start eine heikle Angelegenheit. Bloß nicht wieder ein Crash wie vor 2 Wochen. "Das ist abgehakt", winkt Rosberg ab. "Ich fahre auf Sieg und mache alles, was dafür nötig ist." Auch Wolff spielt die Nervosität vor der ersten Kurve herunter: "Eine Nullrunde wie in Barcelona ist natürlich für ein Team ein Desaster. Aber wir müssen akzeptieren, dass unsere beiden Jungs gegeneinander fahren. Die Situation 2014 war nicht ganz vergleichbar. Damals standen wir noch unter dem Druck den WM-Titel zu gewinnen. Seither war 29 Rennen lang nichts passiert. Wenn man mir versichert, dass es wieder 29 Rennen dauert, nehme ich das gerne an."

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