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Mercedes mit falscher Taktik

Pokern mit Reifenproblemen?

Lewis Hamilton GP Spanien 2013 Foto: Wolfgang Wilhelm 48 Bilder

Mercedes wird das Reifenproblem nicht los. Schon wieder fraßen die Silberpfeile den Gummi von der Lauffläche. Eine Kurve falsch gefahren konnte ausreichen, um den Prozess in Gang zu setzen. Da stellt sich die Frage, ob die Taktik richtig war, es mit 3 Stopps zu probieren.

14.05.2013 Michael Schmidt

Niki Lauda war sprachlos. Das passiert ihm selten. "Ich sage jetzt gar nix mehr. Diese Reifen sind nicht zu verstehen. Bei Lotus funktioniert der weiche Reifen, bei Ferrari der harte, bei uns keiner." Ferrari und Lotus würden da widersprechen. "Wir wissen, was wir tun. Die Reifen sind für uns kein Rätsel", sagt Fernando Alonso.
 
Obwohl die Ferrari im Freitagstraining die schnellsten Autos auf dem Medium-Gummi waren, wählte Alonso am Sonntag drei Mal harte Reifen. "Fernando hat sich das so ausgesucht. Er hat da ein unheimliches Gespür dafür", verrät Testpilot Pedro de la Rosa. Vielleicht sollte Mercedes mal den Spanier fragen.

Modifikationen am Auto liefen ins Leere

Nico Rosberg und Lewis Hamilton stürzten im Rennen von den Plätzen 1 und 2 auf die Ränge 6 und 12 ab. Kein Team hat sich von Samstag auf Sonntag mehr verschlechtert. Dabei hatten die Ingenieure alles dafür getan, diesmal die Reifen besser in Schuss zu halten als in Bahrain. Gewichtsverteilung, Hinterachsgeometrie und die hinteren Bremsbelüftungen zur effizienteren Kontrolle der Reifentemperaturen waren neu.
 
Vor der Qualifikation setzen sich die Pragmatiker durch. Die sprachen sich für ein Renn-Setup aus, auch auf die Gefahr hin in der Startaufstellung nur auf den Plätzen 7 und 8 zu landen. Dass Rosberg und Hamilton dann bequem in die erste Startreihe fuhren, hätte allen im Team zu denken geben müssen. Wie kann man auf der Pole Position landen, wenn man mit Startplatz 7 rechnet? Da gibt es offenbar ein massives Verständnisproblem.

Kritische Temperatur liegt bei 160 Grad

Vor dem Rennen wurde die Panik noch größer. Die Asphalttemperatur war gegenüber der Qualifikation um vier Grad gestiegen. Nicht der Rede wert, werden sie sagen. Für Mercedes schon. Jedes Grad hin oder her kann zwischen Gut und Böse entscheiden. "Wir haben es ja in Bahrain gesehen", erinnert Ross Brawn. "Als im zweiten Renndrittel die Temperatur um 3 Grad fiel, ist Hamilton plötzlich viel schneller gefahren."

In Barcelona wurden die Mercedes-Piloten vor dem Start angewiesen, die ersten Runden mit ihren frischen Reifensätzen vorsichtig zu fahren. "Bei uns reicht es aus, dass wir in einer Kurve zu aggressiv fahren, und schon springt die Laufflächentemperatur über die kritischen 160 Grad, und der Reifen erholt sich nie wieder", erzählt Lauda.

Manchmal ist schnell besser als langsam

Da muss man sich fragen, warum Mercedes nicht gleich wie Ferrari auf vier Boxenstopps gesetzt hat, wenn man sich schon solche Sorgen um die Reifen macht. Dazu Lauda: "Das wäre nach unserer Analyse noch schlechter gewesen. Wir hätten in den Stints schneller fahren müssen, was das Risiko mit sich bringt, dass du die Reifen noch schneller kaputtmachst." Doch das könnte eine Milchmädchenrechnung gewesen sein. Man sollte es einmal darauf ankommen lassen.
 
Felipe Massa hatte beim GP China mit drei Reifensätzen unerklärliches Körnen. Und er machte eine erstaunliche Erfahrung. "Bei den ersten beiden Malen bin ich extrem vorsichtig gefahren. Als das körnen anfing wurde ich noch langsamer. Beim dritten Satz habe ich mir gesagt, jetzt ist alles egal. Ich gebe jetzt einfach Gas. Zwei Runden später war das Körnen weg, und ich bin meine schnellsten Runden gefahren. Die Gummischnipsel wurden durch das schnellere Fahren einfach abgerubbelt."
 

Besser gebrauchte als neue Reifen

Co-Teamchef Toto Wolff brachte den Verdacht ins Spiel, dass die Reifen möglicherweise falsch vorbereitet wurden. Da könnte etwas Wahres dran sein. Zumindest in Bezug auf ein Dreistopprennen. Rosberg war drei Mal mit frischen Reifensätzen unterwegs. Auch bei Hamilton waren drei der fünf Sätze neu. Kimi Räikkönen, der mit seiner Dreistopp-Taktik immerhin Zweiter wurde, fuhr das gesamte Rennen dagegen mit gebrauchten Reifen.

Lotus hatte sie in weiser Voraussicht im Training angefahren. Weil sie so bei längeren Stints besser funktionieren, wenn die erste Gummischicht abgehobelt ist. Deshalb kann man verstehen, dass Lotus über die geplanten Reifenmodifikationen von Pirelli sauer ist.

"Wir haben die gleiche Aufgabe wie alle anderen auch", hält Räikkönen den Reifenkritikern vor. "Es ist ein bisschen kompliziert, auch für uns, aber da müssen eben alle durch." Der Finne hielt im Rückblick seine Dreistopp-Taktik für einen Fehler. "So wie es Ferrari gemacht hat, war es vermutlich besser."

Neue Reifen, neues Glück für Mercedes?

Mercedes betrieb neben Red Bull am fleißigsten Lobbyarbeit gegen die augenblicklichen Reifen. In der Hoffnung, dass es bei einer Rückkehr zu haltbareren Produkten besser wird. Der Schuss könnte nach hinten losgehen. Wenn jetzt drei oder vier Stopps den Unterschied ausmachen, werden es in Zukunft zwei oder drei sein. Mercedes kann dann immer noch ein Reifenproblem bekommen. Die Reifenmisere ist ja nichts Neues in diesem Team. Das geht jetzt schon 3 Jahre so.

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