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Formel 1-Motorenbilanz 2015

Mercedes ohne Strafen, Ferrari ohne Schaden

Lewis Hamilton & Nico Rosberg - GP Japan 2015 Foto: xpb 41 Bilder

Mercedes hat auch in diesem Jahr die Motorenwertung gewonnen. Mit den meisten Punkten, den langlebigsten Antriebseinheiten, den wenigsten Strafen. Doch die Weste blieb nicht rein. Es gab zwei Motorschäden. Ferrari brauchte mehr Einheiten, kam aber ohne Motorplatzer über die Runden.

30.12.2015 Michael Schmidt

Über den besten Hybridantrieb im Feld gibt es keine Diskussionen. Das zeigt schon die Punktetabelle. Oder die Topspeeds. Oder die Kilometerzahlen. Oder der Verbrauch an Einheiten. Die vier Mercedes-Teams kamen ohne Strafen durch die 19 Rennen. Keiner verbrauchte mehr als die vier erlaubten Einheiten des Verbrennungsmotors, des Turboladers, der MGU-H und MGU-K, der Batterie und den Steuereinheiten.

Ein Mercedes-Motor war in der Lage sieben GP-Wochenenden zu überstehen. Freitag, Samstag und Sonntag. Der erste Motor von Sergio Perez wurde nach dem GP Kanada mit einem Stand von 4.798 Kilometern aus dem Force India ausgebaut. Nico Rosbergs vierter Motor stand ebenfalls sieben Wochenenden durch, bekam allerdings an fünf Freitagen frei. Da tat ein älteres Aggregat seinen Dienst. Trotzdem bewies Rosberg in Abu Dhabi, dass man mit einem Motor, der 3.885 Kilometer abgedient hat, noch gewinnen kann.

Ein Honda-V6 schaffte im Schnitt nur 377 Rennkilometer

Im Schnitt legte jede Antriebseinheit von Mercedes 1.243 Rennkilometer zurück. Ferrari kam auf 1.160 Kilometer bei den Rennen. Manor rechnen wir raus, weil die mit einem 2014er Ferrari-Aggregat unterwegs waren. Renault schaffte mit Red Bull und Toro Rosso 660 Rennkilometer je Einheit, Honda erbärmliche 377 Kilometer. Bei der Batterie und der Leistungselektronik blieben einige Teams sogar unter dem vorgeschrieben Kontingent. Beide Williams, beide Force India und ein Lotus kamen mit jeweils drei Energiespeichern und Steuerboxen über die Runden.

Honda schleuste für zwei Autos 23 Motoren, 23 Turbolader, 23 MGU-H, 18 MGU-K, 9 Batterien und 13 Steuereinheiten durch die Saison. Als Neuling durften die Japaner je fünf Einheiten von jeder Komponente pro Fahrer einsetzen. Nur bei den Batterien erfüllte Honda die Vorgabe. Für den Einsatz der Motorkomponenten außerhalb des Kontingents wurden Fernando Alonso und Jenson Button um insgesamt 345 Startplätze zurückversetzt.

Bei Renault sah es nicht viel besser aus. Daniel Ricciardo, Daniil Kvyat, Max Verstappen und Carlos Sainz verbrauchten insgesamt 31 Motoren, 23 Turbolader, 21 MGU-H, 21 MGU-K, 17 Batterien und 17 Elektronikboxen. In diesem Fall waren nur jeweils vier Einheiten erlaubt. Auch die Renault-Teams mussten für den hohen Verschleiß büßen. Red Bull wurde um 125 Startplätze zurückversetzt, Toro Rosso um 95.

Mercedes mit zwei Motorschäden

Auch Ferrari erwischte es. Aber nur das Werksteam. Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen durften aggressivere Motoreinstellungen fahren als die Sauber-Piloten. Nur so konnte man halbwegs mit Mercedes mithalten. Damit war aber auch vornherein klar, dass die Ferrari-Motoren in den Werksautos im Schnitt nur vier GP-Wochenenden durchhalten würden. Beim GP USA kam die jeweils fünfte Einheit ins Auto. Beide Fahrer mussten je 10 Startplätze zurück. Räikkönen nutzte in Mexiko die Strafversetzung wegen eines unplanmäßigen Getriebewechsels dazu, weitere neue Motorkomponenten einzubauen. Das ergab in Theorie 30 Startplätze Strafversetzung.

Dafür hatte Ferrari mit seiner 2015er Antriebseinheit nicht einen einzigen Motorschaden zu beklagen. Am Powerverlust von Marcus Ericsson in Austin war die Elektrik schuld. Mercedes schrieb zwei Triebwerke ab. Bei Nico Hülkenberg brach beim GP China die Kurbelwelle. An Nico Rosbergs Monza-Motor brannte ein Kolben durch. Der Mercedes V6-Turbo hatte bei seinem Exitus 3.615 Kilometer auf der Uhr. Romain Grosjean hatte beim Saisonauftakt in Melbourne seinen Lotus schon nach einer Runde mit Leistungsverlust abgestellt. Da riegelte die Elektronik wegen eines Kühlproblems freiwillig ab. Der Motor blieb heil.

Die Renault-Piloten beklagten in den 19 Rennen insgesamt 12 Schäden im Umfeld der Antriebseinheit. Darunter 6 klassische Motorschäden. Honda blieb im Rennen angesichts des hohen Materialverschleißes vergleichsweise unbehelligt. Alonso und Button blieben sechs Mal wegen Problemen im Antriebsbereich stehen.

Renault verschenkte Token

Die vier Motorenhersteller gingen mit unterschiedlichen Zahlen von übriggebliebenen Entwicklungs-Token in die Saison. Renault hatte im Winter 12 der erlaubten 32 Token nicht verbraucht, Ferrari 10 und Mercedes 7. Honda wurden in einem Gnadenakt 9 Token für die Weiterentwicklung unter der Saison gutgeschrieben.

Mercedes nahm seine 7 Token auf einmal. Die C-Version des PU106-Aggregats debütierte in Monza und war bereits ein Vorläufer des nächstjährigen Motors. Er funktionierte nur mit einer neuen Benzinentwicklung von Petronas. Das war auch der Grund, warum die Mercedes-Kunden bei der Neuentwicklung in die Röhre schauten. Angeblich konnte Petronas das Spezialgebräu nicht in ausreichend großer Menge zur Verfügung stellen. Vermutlich lag es auch daran, dass es Mercedes zu teuer gekommen wäre, alle Kunden mit dem halbneuen Motor zu beliefern. Sie konnten dafür ja keinen Aufpreis verlangen.

Ferrari verfuhr mit Sauber ähnlich. Die erste Ausbaustufe, die das Werk beim GP Kanada zündete, erhielt Sauber in Spa. Das zweite Upgrade von Monza bekam Sauber nie zu Gesicht. Die dritte Evolution mit den verbleibenden 4 Token wurde nie bei einem Rennen eingesetzt. Ferrari reichte die Pläne zwischen dem GP Brasilien und GP Abu Dhabi bei der FIA ein. Und testete die Änderungen auf dem Prüfstand. Somit hat Ferrari über den Winter wieder 32 Token frei.

Renault brachte 7 seiner 12 Token erst beim vorletzten Grand Prix. Es wurde ein Flop. Der modifizierte Motor hatte weniger Leistung als der alte. Was auch damit zu tun hatte, dass sich Red Bull gegen den Einbau des ebenfalls geplanten neuen Turboladers sperrte. Er hätte zu viel Umbaumaßnahmen im Heck erfordert. Und der Lader hatte laut Red Bull noch nicht die Rennreife erreicht. Auf dem Papier gilt der Turbolader aber als eingesetzt, weil die FIA die entsprechenden Papiere erhalten hat.

Honda rüstete in drei Schritten auf. 4 Token in Montreal, 2 in Spa und die restlichen 3 in den USA. Erst die letzte Ausbaustufe mit Modifikationen an Brennraum und Auspuff brachte einen spürbaren Fortschritt.

FahrerMotorTurboMGU-HMGU-KBatterie
Hamilton (M)44444
Rosberg (M)44444
Vettel (F)54444
Räikkönen (F)65545
Massa (M)44443
Bottas (M)44443
Ricciardo (R)86665
Kvyat (R)87554
Alonso (H)12111185
Button (H)111212104
Hülkenberg (M)44443
Perez (M)44443
Verstappen (R)85454
Sainz (R)75654
Grosjean (M)44443
Maldonado (M)44443
Ericsson (F)44444
Nasr (F)44444
Stevens (F)*55544
Merhi (F)*55544
M=Mercedes, F=Ferrari,
R=Renault, H=Honda
*2014er Ferrari
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