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Mercedes-Probleme

Reifenrätsel noch nicht gelöst

Mercedes - Rosberg & Hamilton - GP Kanada 2013 Foto: ams 48 Bilder

Mercedes fuhr in Montreal zum vierten Mal in dieser Saison auf das Podium. Lewis Hamilton kämpfte immerhin mit Fernando Alonso um Platz zwei. Das Reifenrätsel ist deshalb aber noch lange nicht gelöst.

14.06.2013 Michael Schmidt

Nach dem Sieg in Monte Carlo wachsen bei Mercedes die Bäume noch lange nicht in den Himmel. Lewis Hamilton landete beim GP Kanada zwar aus eigener Kraft auf dem Podium, doch das ist kein Indiz dafür, dass Mercedes das Reifenrätsel entschlüsselt hat. Der Speed stimmte, aber die Umstände waren auch günstig. Und es gab Anzeichen dafür, dass es im Detail immer noch Verständnislücken gibt. Man steht nur nicht mehr komplett im Wald.

Montreal nicht reifenmordend

Die letzten beiden Rennen fanden auf Rennstrecken statt, die aus Sicht des Reifenmanagements eher einfach sind. Sowohl in Monte Carlo als auch in Montreal waren Einstopp-Rennen möglich. In beiden Fällen hat die Mehrzahl der Fahrer zwei Mal gewechselt. Mercedes gehörte zur Mehrheit. Immerhin. Das war auch schon einmal schlimmer.

In einer Hinsicht war Montreal aber komplizierter als Monte Carlo. Hier konnte Mercedes nicht auf Teufel komm raus wie in Monaco ein Bummeltempo anschlagen. Das wird auf den langen Geraden des Circuit Gilles Villeneuve sofort bestraft. Lewis Hamilton und Nico Rosberg mussten Gasgeben, so gut sie konnten. Dabei reichte es im Fall Hamilton zu Rang drei, nur 1,5 Sekunden hinter dem Zweitplatzierten Fernando Alonso.

Mercedes im Rennen mit Problemen

Das ist die positive Nachricht. Die schlechte ist, dass Sebastian Vettel im Ziel 15,9 Sekunden Vorsprung hatte und wegen seines großen Vorsprungs nicht jede Runde am Limit fuhr. Prinzipiell sind die beiden Autos ebenbürtig. Das zeigt Mercedes immer wieder im Training. Trotz eines kapitalen Fehlers in der Zielkurve war Hamilton in seiner schnellsten Qualifikationsrunde nur 0,087 Sekunden langsamer als Vettel. Der Speed ist also da. Nur nicht der lange Atem.

Die Differenz im Rennen zu Red Bull wird allein von den Reifen bestimmt. Mercedes muss auch zu denken geben, dass Alonso in der 32. Runde exakt 12 Sekunden hinter Hamilton lag. Kaum war der Spanier an Nico Rosberg vorbei, hat er in 38 Runden 13,5 Sekunden auf Hamilton gutgemacht. "Der war teilweise eine Sekunden schneller. Bei uns fehlt es immer noch, hinten und vorne", klagte Rosberg. Auf eine Runde ist der Ferrari sicher das langsamere Auto. Auf die Distanz aber das deutlich schnellere. Auch das liegt allein am Reifenmanagement.

Unsicherheit kostet Rundenzeit

Von Sicherheit im Umgang mit den Reifen kann bei Mercedes noch keine Rede sein. Wie in Monte Carlo ging Hamilton das Rennen viel zu langsam an. Nach 14 Runden hatte der Engländer 7,9 Sekunden Rückstand auf Vettel. In der 15. Runde fuhr er zum ersten Mal schneller. Gut, der Mercedes-Pilot konnte drei Runden länger als Vettel auf der Strecke bleiben, aber war das nötig? Es sieht so aus, als hätte Hamilton zu Beginn Zeit hergeschenkt, nur um eine bestimmte Zielvorgabe einzuhalten.

Auch Vettel war zunächst auf ein Einstopprennen disponiert, aber er machte Attacke. Und als in der 15. Runde die Hinterreifen einbrachen, stand er in der 16. Runde an der Box. Hamilton hat durch das Längerfahren nichts gewonnen. Hier schwingt immer noch die Urangst mit, man könne die Reifen zu früh verheizen.

Vielleicht ist es aber gar nicht so. Es wäre einen Versuch wert, das herauszufinden. Rosberg bekam in der 14. Runde einen weiteren Satz Supersoft mit auf die Reise. Ein Fehler, der dem Monaco-Sieger letztlich alle Chancen auf ein Podium verbaute. "Die Frage ist, ob wir das nicht vor dem Rennen besser hätten verstehen können, dass der harte im Reifen im Longrun viel besser ist", grübelte Rosberg anschließend. Einzige Entschuldigung für Mercedes: Ferrari hat die gleiche Fehlentscheidung mit Felipe Massa getroffen.

Silverstone wird die Wahrheit zeigen

Wie gut das Reifenmanagement von Mercedes wirklich ist, und ob man aus dem ominösen Barcelona-Test etwas gelernt hat, wird Silverstone zeigen. Diese Strecke ist wegen ihrer vielen schnellen und lang gezogenen Kurven mit Barcelona vergleichbar. Und dort erlebte Mercedes seinen bislang größten Absturz. "Sorgen habe ich nicht, aber Bedenken. Bis dahin müssen wir noch einen Schritt schaffen", so Rosberg.

Interessant wird sein, welcher der beiden Fahrer dort seine Reifen besser über die Runden bringt. Wir tippen auf Rosberg. Warum? Schauen Sie sich mal die bisherigen Rennen an. Überall dort, wo Traktion das entscheidende Kriterium ist, kam Hamilton besser mit den Reifen zurecht. Australien, Bahrain, China, Kanada. Offenbar geht der Engländer beim Gasgeben gefühlvoller mit dem rechten Pedal um.

In den schnellen Kurven von Sepang und Barcelona hatte Rosberg das bessere Gespür, was er den Reifen gerade noch zumuten kann, ohne dass sie sich auf über 160 Grad aufheizen. "Das ist viel schwieriger, als den Schlupf zu kontrollieren", erklärt Teamchef Ross Brawn. "In schnellen Kurven hat der Fahrer praktisch keinen Anhaltspunkt, wo das Limit der Reifen liegt. Beim Gasgeben spürt man, ob die Hinterreifen durchdrehen."

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